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Ausstellung „Zukunftsvisionen 2021 – Kunst trifft Schaufenster“

„Das ist Balsam für meine Seele“

Havixbeck

„Kunst trifft Schaufenster“, dieses von Sylvia Forstmann initiierte und organisierte Projekt macht aus dem Havixbecker Ortskern einen Museumsraum. Jetzt ist sie eröffnet worden.

Von Kerstin Adass

Keramikkünstlerin Silke Wellmeier verwies mit aus hellem Porzellan gefertigten Umrisslinien von Naturschutzgebieten auf die Zerbrechlichkeit und voranschreitende Zerstörung der Umwelt. Foto: Kerstin Adass

„Dieses Projekt ist aus einem sehr egoistischen Grund entstanden: Ich wollte einfach wieder Kunst erleben“, verriet Sylvia Forstmann am Samstagmittag vor dem neu errichteten Kunst-Container im Ortskern. Als Initiatorin und künstlerische Leiterin des Projekts „Visionen 2021 – Kunst trifft Schaufenster“ hat sie außergewöhnliche Ausstellungsräume für renommierte Künstlerinnen und Künstler geschaffen. In Schaufenstern an der Hauptstraße, an der Blickallee und an der Altenberger Straße laden ab sofort Objekte und Installationen dazu ein, Kunst in den Alltag zu integrieren.

Das Konzept von „Visionen 2021“ wurde stark durch die Corona-Pandemie geprägt und stellt Menschen aus zwei Branchen, die stark unter den Einschränkungen gelitten haben, in den Vordergrund. „Wir möchten sowohl den Künstlern als auch den Einzelhändlern eine Plattform bieten“, meinte Fachbereichsleiterin Monika Böse von der Gemeindeverwaltung, die zum Organisationsteam gehörte. Finanziert wurde das Projekt in großen Teilen durch Leader-Mittel.

„Künstlern und Einzelhändlern eine Plattform bieten“

Die künstlerischen Arbeiten fügen sich in viele Geschäfte so nahtlos ein, dass sie auf den ersten Blick kaum als solche zu erkennen sind. Bei Bücher Janning zum Beispiel hat Stephan US ein Schaufenster entworfen, in dem Bücher zu Themen wie Schweigen, Verschwinden und Abwesenheit stehen. Die Werke stammen aus seinem „Archiv des Nichts“, das nach seinen Angaben ständig wächst. US hatte zusätzlich einen Text verfasst, der kostenlos in der Buchhandlung abgeholt werden kann. Er schmunzelte: „Das Fenster hat viel zum Schweigen zu erzählen.“

Auch im Bekleidungsgeschäft Fräulein Wunder wirkt das Kreppband-Gemälde von Anne Kückelhaus zunächst wie ein Teil der Dekoration. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein toter Hase, der an den Hinterbeinen baumelt und, so erläuterte Sylvia Forstmann, als auf Ostern verweisendes Symbol eine so makabere wie hoffnungsvolle Botschaft der Auferstehung verkündet.

Neben dem Schweigen und der Konfrontation mit dem Tod beschäftigt sich das Projekt auch mit der Pandemie und ihren Auswirkungen. Die Kunststudentin Yuko Kawasaki hatte für ihre Arbeit gebrauchte medizinische Masken gesammelt und diese zu einem ästhetischen Vorhang mit Löchern und Stickereien verarbeitet. „Viele finden das eklig“, sagte Kawasaki, „ich wollte etwas Schönes daraus machen.“

Silke Wellmeier verwies mit aus hellem Porzellan gefertigten Umrisslinien von Naturschutzgebieten auf die Zerbrechlichkeit und voranschreitende Zerstörung der Umwelt: „Im Moment handeln wir alle so, als könnten wir unendlich wachsen.“

Das Streben nach Aufstieg und Wachstum beschäftigte auch Kiki Schöpper. Inspiriert wurde sie von der Sage um König Midas und seine Berührung, die alles zu Gold werden ließ. Auf die Frage, wie man mit einer Gabe umgeht, die das menschliche Denken übersteigt, fand Schöpper eine ebenso nüchterne wie komplexe Antwort: „Wir sind keine Götter. Wir können weder die Unendlichkeit noch das Nichts begreifen.“

Weitere Aktionen im Rahmen des Projektes

Sylvia Forstmann verwies während der Eröffnungsveranstaltung auf ergänzende und eigenständige Aktionen, die im Rahmen des Kunstprojektes stattfinden werden. Im transparenten Container auf der Hauptstraße gibt es zudem die Möglichkeit, sich über die Ausstellung auszutauschen und selbst künstlerisch tätig zu werden. Bürgermeister Jörn Möltgen zeigte sich über die Nutzung des Ortes als Museumsraum hocherfreut: „Es ist Balsam für meine Seele, auf diese Weise wieder ein bisschen mehr Kunst und Normalität in Havixbeck zu haben.“

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