Altersstruktur des Gemeinderats

Der Jüngste ist auch schon 40

Havixbeck

In allen Fraktionen fehlt es zurzeit an jüngeren Kommunalpolitikern. Das Durchschnittsalter des Havixbecker Gemeinderates liegt aktuell bei 57,8 Jahren.

Klaus de Carné

Die Grafik machte es deutlich: Die meisten Mitglieder des Havixbecker Gemeinderates sind älter als 50 Jahre.Die Grafik macht es deutlich: Die meisten Mitglieder des Gemeinderats sind älter als 50 Jahre. Der Großteil sind Männer, nämlich 19 Herren, gegenüber sieben Frauen. Foto: Ann-Kathrin Schriever

Prof. Norbert Kersting formulierte es bewusst provokant: „Die Senioren werden die Räte dominieren“, so der münsterische Politologe vor der Enquetekommission des Landtags zur Stärkung der parlamentarischen Demokratie, die jüngst zu einer Expertenanhörung in Münster zusammenkam.

„Da stimme ich dem Wissenschaftler zu. Das ist die Realität – auch im Havixbecker Gemeinderat“, erklärte Thorsten Webering. Der 40-Jährige ist der Jüngste in der Runde der 26 Mitglieder des Rates und seit einigen Wochen CDU-Fraktionsvorsitzender. Die Christdemokraten haben noch lange vor der nächsten Kommunalwahl wieder einen Schritt des Generationenwechsels vollzogen. „Es fehlen aber weiterhin noch jüngere politikinteressierte Bürger in allen Fraktionen“, so Webering auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Zahlen belegen, was landauf, landab diskutiert und länger schon beraten wird. Das Durchschnittsalter im Havixbecker Gemeinderat beträgt 57,8 Jahre. Die größten Gruppe stellen die 50- bis 59-Jährigen (10 Personen) und die 60 bis 69- Jährigen (9 Personen). Dazu zählt auch der Bürgermeister mit noch 62 Jahren. Es geht aber noch älter. Drei Ratsmitglieder gehören zur Abteilung 70- bis 79-Jährige.

Nicht nur die Altersstruktur gibt Auskunft über die Zusammensetzung im Gemeinderat. Wie in vielen anderen Kommunen auch, gibt es ein ungleiches Verhältnis in der Baumberge-Gemeinde, was den Anteil der Frauen angeht. Sieben weibliche Ratsmitglieder stehen den 19 Herren gegenüber. Ganz klar eine Schieflage, die auch noch nicht behoben ist.

Margarete Schäpers ist seit 30 Jahren in der Politik unterwegs. Die SPD-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Landrätin des Kreises Coesfeld weiß, wie schwierig es ist, sich als Frau in der Männerdomäne durchzusetzen. Eben aus diesen Gründen hat sich die Sozialpolitikerin damals in die Kommunalpolitik gewagt. „Ich war immer berufstätig und wollte die Frauen mit ihren Kindern im Alltag unterstützen. Die Betreuung in den Kindergärten sei vor drei Jahrzehnten noch unterirdisch gewesen. „Das Bild der Frau musste sich verändern und daran habe ich immer gerne mitgearbeitet. Auch im Jugendhilfeausschuss im Kreistag ist uns vieles gelungen“, erklärt die engagierte Kommunalpolitikerin.

Es sei bestimmt ein großer Zeitfaktor, den man für sein Hobby Politik aufbringe, aber es lohne sich. Ob Schäpers noch eine weitere Wahlperiode anhängt, weiß die fast Rentnerin noch nicht. „Dann hätte ich eigentlich mehr Ruhe und könnte mit noch mehr Herzblut dabei sein. Ich schaue mir aber erst an, wie sich die Sache entwickelt in unserem Gemeinderat.“

Für Thorsten Webering als Jüngstem im Rat sieht die Sache eindeutig aus. Er findet Kommunalpolitik hoch spannend. „Anders als im Berufsalltag sind hier viele Kollegen aus den unterschiedlichsten Branchen dabei. Das ist ein Know How, das man selten in der Anzahl irgendwo so findet“, hat Webering in seiner Zeit im Rat erlebt. Er war die treibende Kraft, die den fraktionsübergreifenden Arbeitskreis „Familie und Beruf“ ins Leben rief. „Aktiv seinen Lebensort mitgestalten“, so sein Credo. Dabei benötige man Jung und Alt. Die Durchmischung der Altersgruppen sei ideal, aber vielleicht nicht so schnell zu haben.

Mit 22 Jahren interessierte sich Friedbernd Krotoszynski schon für die Politik in Havixbeck. Geprägt durch sein Elternhaus sah er als junger Mann schon die Notwendigkeit, nicht den anderen Parteien alles zu überlassen. Sein Vater Franz gründete den FDP-Ortsverein mit. Für die Bürger der Baumberge-Gemeinde als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, sei sein Ding. Jüngere Menschen für die Politik zu interessieren, sei schwer. „Ich hoffe aber, dass sich das mal ändert und die Nachfolger in unseren Reihen aktiv werden“, so der FDP-Fraktionsvorsitzende.

Das derzeit älteste Mitglied des Rates ist Joachim von Schönfels mit 77 Jahren. Die Politik im Großen und Kleinen habe ihn immer interessiert. „Schon als junger Mann bin ich in die Junge Union (JU) eingetreten“, so der rührige Kommunalpolitiker. Jüngere müssten sich noch mehr in der Politik zeigen. Dazu müssten die Alten aber auch Platz machen. Bei der nächsten Kommunalwahl lässt er sich nicht mehr als Kandidat aufstellen. „Genug ist genug. Aber ich behalte alles im Auge.“ Der Kreativität dürften keine Grenzen gesetzt werden.

Dr. Friedhelm Höfener ist für die Grünen seit 2014 im Gemeinderat. Der 53-Jährige hat den Gemeindeelternrat gegründet und ist so in den Sozialausschuss gekommen. Vorher war er schon zehn Jahre sachkundiger Bürger. „Ich wollte Verantwortung übernehmen, damit der Ort für unserer Kinder noch gute Infrastrukturen vorhält“, so Höfener. Jüngere Menschen könne man meistens nur für befristete Projekte gewinnen. Langfristig sei dies schwieriger geworden. „Wir sollten aber die Anliegen der jüngeren Bürger ernst nehmen und sie mit einbinden.“

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