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Neuer Bildband zeigt alle Facetten des stilbildenden Baumberger Sandsteins

Der Marmor des Münsterlandes

Havixbeck

Der Baumberger Sandstein ist seit Jahrhunderten sehr beliebt bei Bildhauern und Steinmetzen. Denn er ermöglicht filigranste Ausarbeitungen. In einem großen Bildband wird der Werkstoff, der das Antlitz Münsters und seines Umlandes sehr geprägt hat, nun in allen seinen Facetten gezeigt.

Von Henning Tillmann

Der Bildband „Baumberger Sandstein – Der Marmor des Münsterlandes“ ist jetzt im Aschendorff-Buchverlag erschienen. Darüber freuen sich (v.l.) Museumsdirektor Dr. Joachim Eichler, Silke Haunfelder und Verlagsleiter Dr. Dirk Paßmann„ (beide Aschendorff). Foto: Henning Tillmann

In Münsters guter Stube kann man kaum ein paar Meter gehen, ohne über ihn zu stolpern. Dom, Schloss, Lambertikirche, Oerscher und Druffelscher Hof (Picasso-Museum) sowie der Erbdrostenhof verdanken ihm einen Gutteil ihres markanten Erscheinungsbildes. Und auch wenn man ein paar Kilometer raus ins Umland fährt, sind die Chancen gut, alsbald vor einem Gebäude zu stehen, das mit seiner Hilfe erbaut oder verschönert wurde. Die Rede ist vom Baumberger Sandstein, der über Jahrhunderte die Region geprägt hat.

„Baumberger Sandstein ist aus dem Münsterland überhaupt nicht wegzudenken“, sagt Dr. Joachim Eichler. Nur bewusst wahrgenommen werde er oftmals nicht. Das ging dem Historiker und heutigen Direktor des Sandsteinmuseums in Havixbeck noch zu seinen Studentenzeiten in Münster selbst so, wenn er an dem gelblich leuchtenden St.-Paulus-Dom entlangging. An das Baumaterial verschwendete er keinen Gedanken.

Sandstein am prachtvollen Hof Schulze Esking bei Billerbeck. Foto: Andreas Lechtape

150 Fotos auf 118 Seiten machen Lust auf den Besuch vor Ort

Das zu ändern und den Blick auf den Naturstein zu richten, ohne den die Region ganz anders aussähe, ist der Anspruch eines Bildbandes, der nun im Aschendorff-Verlag erschienen ist. „Baumberger Sandstein – Der Marmor des Münsterlandes“ heißt das Buch, für das der münstersche Fotograf Andreas Lechtape den Löwenanteil der Bilder lieferte. Der begleitende Text stammt von Joachim Eichler, der schon qua seines Amtes als Direktor des Sandsteinmuseums ein Experte für das Material ist.

Durch die 150 Fotos und Abbildungen, die es auf die 118 Seiten des Bildbandes geschafft haben, hat aber selbst Dr. Eichler einiges im Münsterland neu entdeckt. „Viele Bilder machen Lust, sich die Gebäude oder Objekte bei einem Wochenend-Ausflug mal näher anzuschauen. Und der Text vermittelt Wissen quasi nebenbei“, sagt er.

Prägend für das Erscheinungsbild des Münsterlandes

„Das Buch ist so etwas wie ein verkappter Münsterland-Reiseführer“, bestätigt auch Dr. Dirk Paßmann, der Leiter des Aschendorff-Buchverlags. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich nur kurz die (bei Weitem unvollständige) Liste der Orte vor Augen hält, an denen der Sandstein verwendet wurde: In Billerbeck beispielsweise der prächtige Hof Schulze Esking, die Pfarrkirche St. Johann und die Propsteikirche St. Ludgerus, in Coesfeld die Jacobi-Kirche, das Rathaus in Bocholt, der Erker am Schloss in Burgsteinfurt, das Sakramentshaus in St. Magnus in Everswinkel sowie das in der Lippstädter Marienkirche, die Statue der Apostel Paulus und Petrus in der Laurentiuskirche in Warendorf oder der Altar St. Anna im Ascheberger Ortsteil Davensberg. Sogar in den Kölner und den Utrechter Dom hat der Baumberger Sandstein schon im Mittelalter Einzug gehalten.

Der Samson am Osterleuchter in der Havixbecker Pfarrkirche, von Heinrich Brabender, 1528. Foto: Andreas Lechtape

Gute Verarbeitbarkeit machte Naturstein beliebt bei Bildhauern

Das hat natürlich mit seinen besonderen Eigenschaften zu tun. Weil er verhältnismäßig weich ist, ist er besonders gut zu verarbeiten. Das machte ihn bei Steinmetzen und Bildhauern so beliebt und begehrt. Denn feinste Ausarbeitungen – beispielsweise bei den Gesichtszügen einer Abendmahlszene in der Gelsenkirchener Bleckkirche – wurden so erst möglich. „Viele glauben beim Anblick, es handle sich um modellierte Kunstwerke aus Stuck“, sagt Joachim Eichler.

Es ist eben ein ganz besonderes Material, das da mühsam aus der Erde in den Baumberge-Gemeinden gewonnen wurde. Eines, das eine ebenso besondere Würdigung verdient und mit dem Bildband nun auch bekommen hat.

Der Bildband „Baumberger Sandstein – Der Marmor des Münsterlandes“ mit Fotos von Andreas Lechtape und dem begleitenden Text von Dr. Joachim Eichler ist jetzt im Aschendorff-Verlag erschienen. 112 Seiten, ISBN: 978-3-402-24854-6. Verkaufspreis: 24,90 Euro.

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