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Matinee der Friedensbewegung Havixbeck

Gründe für Hass nicht geklärt

Havixbeck

Viele wichtige Ereignisse sind mit dem 9. November verbunden, wie Dr. Christa Degemann-Lickes bei ihrer Begrüßung zur Matinee des Friedenskreises in der Schul- und Gemeindebibliothek betonte.

wn

Viele wichtige Ereignisse sind mit dem 9. November verbunden, wie Dr. Christa Degemann-Lickes bei ihrer Begrüßung zur Matinee des Friedenskreises in der Schul- und Gemeindebibliothek betonte. Dazu gehören der Mauerfall 1989, Ausrufung der Republik im Jahre 1918 und Hitlers erster Putsch-Versuch 1923 in München.

Auch die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die Pogromnacht, dürfe niemals vergessen werden, denn, so zitierte sie Brecht, „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, womit sie auf den aktuellen Antisemitismus verwies. Sie freute sich, als besonderen Gast Peter Amadeus Schneider zu begrüßen.

Schneider referierte zum Thema „Richard Wagner und seine Erben“. Nicht erst im Dritten Reich stand das Thema Antisemitismus in dieser Familie hoch im Kurs. Schon Richard Wagner (1813- 1883) der geniale Komponist und Schöpfer grandioser Musikwerke, hatte eine dunkle Seite, wie die Besucher am Sonntag erfuhren.

Peter Amadeus Schneider, Bürgermeister in Nottuln und kompetenter Kenner der Musikgeschichte, las Auszüge aus Wagners Schrift über „Das Judenthum in der Musik“, in der der Verfasser mit schockierender Verachtung Menschen jüdischer Abstimmung diffamierte.

Die Gründe für diesen Judenhass sind nicht zu klären. Die freundschaftliche Beziehung zum Dichter Heinrich Heine, ebenfalls jüdischer Herkunft, brach Wagner ab, obwohl er dem Literaten zahlreiche Impulse, etwa für die Opern „Fliegender Holländer“ und „Tannhäuser“, verdankte, berichtet der Friedenskreis in einer Pressemitteilung.

Hitler fand zudem in Winifred Wagner, der Frau von Wagners Sohn Siegfried, eine glühende Anhängerin, die den nationalsozialistischen Emporkömmling bereits 1923 in ihr Haus einlud. Winifred wurde eine enge persönliche Freundin des „Führers“, Familienfotos zeigen ihn im Kreise der Familie, gern auch mit den Kindern, die stets von „Onkel Wolf“ sprachen. Sicher versprachen sich die Wagners von dem neuen Machthaber, dem sie bedingungslos huldigten, Unterstützung für ihre Festspielarbeit, wie andererseits Hitler wusste, dass er sich über diese Familie in der bürgerlichen Mitte Zustimmung zu seiner Politik holen konnte.

Die Zuhörer folgten Schneiders Ausführungen, die er mit Quellen und Fotos unterlegte, wie gebannt. Dass ein kluger Kopf wie Richard Wagner sich menschlich und intellektuell so verirren konnte, dass über viele Jahre diese Familie dem Antisemitismus diente und ihn massiv förderte, gab den Gästen des Friedenskreises viel Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg.

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