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Landwirtsfamilie Lülf probiert Direktvermarktung und soziale Medien aus

Henriette gackert auf Instagram

Havixbeck

Die junge Landwirtsfamilie Lülf ist in die Direktvermarktung eingestiegen und will so Kunden aus der Umgebung mit regionalen Produkten versorgen. Deshalb laufen 450 gackernde Hühner über die grüne Wiese. Aus dem Hühnermobil berichtet Huhn „Henriette“ sogar im Internet.

Von Henning Tillmann

Konstanze und Norman Lülf mit ihren beiden Töchtern Marie (links) und Paula inmitten einer Schar von Hühnern, die bei den Jung-Landwirten in einem mobilen Stall untergebracht sind. Foto: Familie Lülf

Wer zuletzt von Havixbeck in Richtung Laer unterwegs war, hat sie vielleicht schon gesehen. Die aufgeweckte Hühnerschar der Familie Lülf ist zwar für einen Landwirtschaftsbetrieb immer noch verhältnismäßig klein. 450 gackernde Exemplare sind aber dennoch schwer zu übersehen, wenn sie zusammen auf einer Wiese laufen.

Einstieg in die Direktvermarktung

Die junge Landwirtsfamilie ist in die Direktvermarktung eingestiegen und will so Kunden aus der Umgebung mit regionalen Produkten versorgen. In ihrem „Landlädchen“ verkaufen die Lülfs deshalb saisonale Waren von ihrem Hof wie Äpfel oder Walnüsse. Und seit Kurzem eben auch frische Eier. Das Besondere dabei: Die Hühner sind in einem mobilen Stall untergebracht.

In einem mobilen Hühnerstall sind die Hennen der Familie Lülf untergebracht. Foto: Familie Lülf

Der ist, wie es der Name schon vermuten lässt, nicht an einen festen Platz gebunden, sondern kann bei Bedarf versetzt werden. „Die Hühner finden so immer frisches Gras in ihrer Nähe“, erklärt Konstanze Lülf den Vorteil für das Federvieh. Das lebt in seiner Unterkunft relativ autark.

Nach dem Aufstehen werden die Hühner zwar gefüttert. Sie können dann aber zunächst ganz in Ruhe in ihren Familiennestern die Eier legen. Gegen 10 Uhr öffnen sich schließlich die Klappen des Stalls und die Tiere erkunden auf eigene Faust die sie umgebende Wiese. Mit Einbruch der Dunkelheit kehren sie dann selbstständig in den Stall zurück und bäumen sich für die Nacht auf ihren Sitzstangen auf. Der Stall ist vollisoliert. Die Hühner heizen ihn zudem durch ihre Eigenwärme auf. Deshalb bleiben sie auch im Winter einfach auf der Wiese stehen.

Mehr Arbeit als im herkömmlichen Stall

Das klingt zunächst alles nach weniger Arbeit für den Landwirt. Doch das Gegenteil ist der Fall.

 „Das ist deutlich arbeitsintensiver als in einem normalen Stall“, klärt Konstanze Lülf auf. Denn weil die Tiere zwar über Tag frei laufen, sich aber ihren Grundbedarf an Futter und Wasser eben doch im Stall holen, muss beides natürlich dorthin transportiert werden. Auch die Eier von dort abzuholen, ist Handarbeit. „Die sammeln wir dann morgens direkt ein, sortieren sie nach den unterschiedlichen Gewichtsklassen und legen sie dann zum Verkauf in der Holzhütte aus“, so Konstanze Lülf.

Schon bestens vertraut mit den Hühnern ist Marie. Foto: Familie Lülf

Sie und ihr Mann Norman haben sich dennoch bewusst dafür entschieden, es genau so und vor allem erstmal in sehr überschaubarem Rahmen zu machen. „Die Idee war, etwas zu starten, worauf wir und unsere potenziellen Kundinnen und Kunden Lust haben. Wir haben schon immer gerne frische Eier gegessen“, so die 32-Jährige. Den letzten Stein des Anstoßes habe dann aber Tochter Marie (2) gegeben, die „ganz fanatisch danach“ ist, wie ihre Mutter sagt.

Deshalb reifte bei den Eltern langsam die Idee, selbst Hühner zu halten. Und kurz darauf, Interessierte vor Ort ebenfalls mit frischen Eiern zu versorgen. „Regionale Produkte werden den Verbraucherinnen und Verbrauchern immer wichtiger. Wir hoffen, dass wir mit der Direktvermarktung unserer Produkte unseren Familienbetrieb für die Zukunft gut rüsten“, sagt Lülf.

Berichte aus dem Hühnermobil

Auch bei der Werbung setzt die Familie auf neue Ideen und probiert aus, was möglicherweise gut beim Verbraucher ankommt. Auf Facebook und Instagram informiert sie Interessierte über ihre Produkte, teilt Rezeptideen. Huhn „Henriette“ berichtet zudem aus dem Leben in ihrer Gruppe.

Welche von den 450 Hausgästen im mobilen Stall Henriette sein soll, ist dabei ganz egal. „Ein Bändchen hat kein Huhn“, gesteht Konstanze Lülf lachend. Aber selbst damit wäre die echte Henriette unter ihren zahlreichen „Kolleginnen“ wohl auch kaum auszumachen. Letztlich kommt es wohl auch auch gar nicht so sehr darauf an. Vielmehr geht es den Lülfs darum, einen Einblick in das Leben und die Lebensmittelproduktion einer Landwirtsfamilie zu geben.

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