1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Havixbeck
  6. >
  7. Messerscharfe Ironiespitzen

  8. >

Kabarettist Wilfried Schmickler begeistert vor vollem Haus

Messerscharfe Ironiespitzen

Havixbeck

Wilfried Schmickler ist nicht zu stoppen. Im Eiltempo teilt er gegen die politischen Akteure aus. Und erntet immer wieder den Applaus des begeisterten Publikums.

Von Iris Bergmann

Eine scharfe Zunge: Kabarettist Wilfried Schmickler war am Sonntagabend bereits zum sechsten Mal in Havixbeck zu Gast und bewies dabei erneut, dass nichts und niemand vor seinem beißenden Spott sicher ist. Foto: Iris Bergmann

„Wenn wir mit dem Latein am Ende sind, wird halt griechisch gesprochen.“ Dieser Satz stammt von Vollblutkabarettist Wilfried Schmickler. Und der ist mit seinem Latein definitiv nicht am Ende gewesen, was er – mal wieder – in Havixbeck bewies. Am Sonntagabend vor erneut ausverkauftem Haus im AFG-Forum zog er mit seinem Programm unter dem Titel „Es hört nicht auf“ vom Leder. Nichts und niemand blieb verschont von seinen messerscharfen Ironiespitzen. Am Ende mochte bei dem einen oder anderen im Publikum der Kopf geraucht haben ob der pfeilschnellen Wortkaskaden.

Aber wer zum politischen Kabarett à la Schmickler kommt, weiß, auf was er sich einlässt. Und wer es nicht weiß, wird überrascht von seiner sehr deutlichen Art zu sagen, wer oder was nicht richtig tickt in deutschen Landen und in der Welt. Da müssen beispielsweise die bekannten Damen und Herren der politischen Bühne ganz schön einstecken. Sei es die plagiat-erwischte ehemalige „Ministerin für Gedöns“ Giffey, der „gelauterte Läuterbach“ oder Friedrich Merz, „die beleidigte Schnullerschnute aus dem Sauerland“, oder gar noch mal die Mutti, die „brave Raute Nimmersatt“.

„Die beleidigte Schnullerschnute aus dem Sauerland“

Ein Thema gab es, bei dem Wilfried Schmickler besonders deutlich wurde. Die „Bundesvereinigung der Knalltüten“ und deren „Vorkotzer“ wie zum Beispiel Björn Höcke. Gefährlich sei es, Nazis als dumm und irrational einzuschätzen, meinte er. Oder gar den Begriff „braune Schläfer“ zu benutzen. Das klinge so harmlos. „Das hört sich an wie eine Zuchtkaninchenrasse.“ Der Szenenapplaus des Havixbecker Publikums bekräftigte seine deutlichen Seitenhiebe, die er mit verachtungsvoller Miene austeilte.

Überhaupt: Wenn es ums Austeilen von Worten geht, da ist Schmickler ein ganz Großer. Denn er kann nicht nur schnell, er kann auch eigene Wortschöpfungen und klassische Reimformen. Und er singt. Das alles zusammen ergibt einen kabarettistischen Hochgenuss. Allerdings fordert dieser auch volle Konzentration vom Publikum. „Er spricht fast schneller, als ich zuhören kann“, kommentierte einer aus den Reihen. Selbst Schmicklers Lieder, die er zwischendurch mit sonorer Stimme zum Besten gibt, haben Tempo und jede Menge Tiefgang.

„Schneller als man zuhören kann.“

Vielleicht passen deshalb auch viele wichtige Themen in die knapp zwei Stunden Wilfried Schmickler live und pur. Sei es Corona, die (sterbende) Natur, die (Doppel-) Moral oder die Gier des Menschen. Der Kabarettist hat zu allem was zu sagen – sehr deutlich, sehr schnell, sehr pointiert. Der Titel ist halt Programm. Es – oder besser: Er hört nicht auf. Und das ist gut so.

Startseite