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Brandschutz in der Musikschule

Musiker wirbeln mächtig Staub auf

Havixbeck

Die Musiker des Jugendorchesters haben in den letzten Tagen weniger Musik machen können als sonst. Stattdessen mussten sie der Musikschule mit dem Abbruchhammer zu Leibe rücken. Der Brandschutz muss zwingend verbessert werden - sonst droht die Schließung.

Markus Kampmann

Mächtig viel Staub haben die Mitglieder des Jugendorchesters in den letzten Tagen in der Musikschule aufgewirbelt: Sie entfernten viele der Holzkonstruktionen im Treppenhaus, dem Hauptfluchtweg. Foto: Markus Kampmann

Das Jahr 2012 endet für die Musikschule mit einem Paukenschlag – und keinem musikalischen. Hämmer statt Schlegel werden in den Räumen geschwungen. Der Grund: Die Schließung droht wegen Brandschutzmängeln. Um diese zu beseitigen und der Gemeinde, Eigentümerin des Hauses, Kosten zu sparen, trommelte das Jugendorchester Havixbeck als Träger der Musikschule flugs etliche Freiwillige zusammen, um die Vorgaben des Kreisbauamtes umzusetzen. Denn die Zeit drängt: „Das Kreisbauamt hat uns eine Deadline bis zum 7. Januar gesetzt“, erklärt Vorstandsmitglied Ralph Kloth.

Entdeckt wurden die ersten Mängel Anfang Dezember, als die 2011 installierte Lüftung abgenommen werden sollte. „Die Feuerwehr hat sich das Gebäude angeschaut und dermaßen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, dass wir innerhalb einer Woche das Kreisbauamt hier stehen hatten“, berichtet Kloth. Dabei seien bei der letzten Brandschau 2004 noch alle Auflagen umgesetzt worden, so Musikschulleiter Rainer Becker. Inzwischen seien allerdings neue Anforderungen an den Brandschutz hinzu gekommen.

Angemahnt hätten die Prüfer vor allem, dass der Hauptrettungsweg – Flur und Treppenhaus – mit brandschutztechnisch ungeschützten Holzkonstruktionen ausgestattet war, erklärt Detlev Rupieper, Vorsitzender des Jugendorchester Havixbeck e.V. Das betraf die Decke, aber zum Beispiel auch das Tonstudio unter der Treppe. Hinzu kamen fehlende Brandschutztüren, Löcher in den Wänden zum Treppenhaus und nicht abgedichtete Leitungsschächte, durch die Rauch aus anderen Räumen ins Treppenhaus ziehen konnte.

In Absprache mit dem Bauamt der Gemeinde machten sich freiwillige Helfer in den letzten Tagen an die Arbeit, um die Mängel soweit möglich in Eigenleistung zu beseitigen. Und sie kamen schnell voran. „Wir haben das halbe Orchester hier“, sagte Rupieper am Freitagnachmittag. Er findet es „toll“, dass viele Schüler bereit waren, prompt mitzuhelfen, noch dazu zwischen den Proben für die Neujahrskonzerte. „Hut ab.“ Und mit so vielen Leuten könne man natürlich einiges bewegen.

Das war auch nötig: „Wir sind auf noch mehr Holzkonstruktionen gestoßen, als wir gedacht haben“, erzählt Kloth. Zwei volle Container mit Holz kamen alleine bis Freitag zusammen, ein weiterer für Bauschutt war ebenfalls gut gefüllt.

Nicht nur im Innern waren die Helfer am Werk. Auch das Vordach musste weg – damit dort im Brandfall eine Leiter angestellt werden kann, als zweiter Rettungsweg für den darüber liegenden Probenraum.

Apropos: Einen Probenraum für Kleingruppen im Dachgeschoss muss die Musikschule ganz aufgeben, weil für ihn kein zweiter Rettungsweg geschaffen werden kann. „Das tut natürlich weh bei einem Haus, das ohnehin aus allen Nähten platzt“, sagt Ralph Kloth.

Er und Detlev Rupieper, als Architekt und Bauingenieur selbst Fachleute, sind ebenso froh wie Rainer Becker, dass die Mängel nun entdeckt wurden. Trotz der Unsicherheit, ob die Musikschule pünktlich nach den Ferien ihren Betrieb wieder aufnehmen kann. Das Jugendorchester jedenfalls hat getan, was in Eigenleistung möglich war: die Holzkonstruktionen und das Vordach binnen weniger Tage entfernt.

Nun sind die Profis von Firmen am Zuge: Brandschutztüren müssen eingebaut werden, die verbliebenen Holzbestandteile im Rettungsweg brandschutztechnisch ummantelt werden, eine funkgesteuerte Brandmeldeanlage soll installiert werden. „Wir hoffen, dass die Firmen das schnell hinbekommen“, sagt Kloth.

Optisch freilich wird das Gebäude dann zwar noch nicht wieder fertig sein. Für den Musikschulleiter aber ist es das Wichtigste, dass der Betrieb ab dem 7. Januar wieder läuft. In der zweiten Januarwoche steht schon die Begehung mit den Mitarbeitern des Kreisbauamts auf dem Plan. Rupieper: „Dann werden sie sagen: Ihr könnt – oder ihr könnt nicht.“

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