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Projektwoche an der Anne-Frank-Gesamtschule

„Richtig und falsch gibt es nicht“

Havixbeck

Themen die im „normalen“ Unterricht zu kurz kommen, können in der Projektwoche in den Vordergrund rücken. Eine gute Tradition in der Anne-Frank-Gesamtschule, die auch in diesem Jahr gepflegt wird.

Poetry Slamming war ein Thema bei der Projektwoche. Foto: AFG Havixbeck-Billerbeck

„Jasper, was würdest du auf der Flucht mitnehmen?” Claudia von Allwörden hat ihre 5. Klasse im Sitzkreis versammelt und lässt den Zehnjährigen zeigen, was ihm lieb und wichtig ist: Kuscheltiere, das Lieblingsbuch, ein Bild der Eltern. Andere Kinder packen Glücksbringer aus ihren Rucksäcken, Bücher, Handys und Spiele.

Es geht darum, Anne Franks Lebensgeschichte erfahrbar zu machen, betont die Schule in einer Pressemitteilung. Und in der Projektwoche sei Zeit dafür: „Die Kinder wollten gerne wissen, warum unsere Gesamtschule nach ihr benannt ist“, erzählt von Allwörden, die Wert darauf legt, die Geschichte des verfolgten jüdischen Mädchens mit einer gewissen Leichtigkeit zu vermitteln. Was hat die 13-Jährige vermisst, als sie sich im Amsterdamer Hinterhaus verstecken musste? „Ihre Freunde“, sind sich die Kinder sicher.

Anne Franks Lebensgeschichte erfahrbar machen

Und was hat das Mädchen angezogen? Im Foyer der Billerbecker AFG bahnen T-Shirts, Hosen und Pullis, hintereinander gelegt, den Weg nach draußen. Die Kinder ziehen möglichst viel davon übereinander – ähnlich wie Anne dies damals tat, um auf der Flucht von Frankfurt nach Amsterdam nicht aufzufallen.

Die Klasse wirkt interessiert, einzelne ziehen Parallelen zu heutigen Flüchtlingen, etwa aus Afghanistan. „Es ist uns wichtig, Geschichte nahezubringen, ohne die Kinder zu überfordern“, betont von Allwörden, die ihre Klasse gemeinsam mit Birgit Schlüter leitet. Der Holocaust werde nur beiläufig erwähnt. „Wichtig sind uns grundlegende Themen wie Ausgrenzung, persönliches Unglück, aber auch Glück.“

Nebenan, in der Stadtaula, lässt Tobias Knopp seine Sechstklässler gemeinsam eine schwierige Aufgabe bewältigen. „Aus 100 Blättern Papier sollen die Kinder einen hohen Turm bauen. Wie sie das tun, ist ihrer Kreativität überlassen.“ Der Wettbewerbscharakter zwischen den Kindern scheint die Elfjährigen besonders zu motivieren. Carlottas Gruppe hat schnell herausgefunden, dass sie arbeitsteilig am besten vorankommt. Ein paar Meter weiter greift Vincent auf seine Erfahrungen mit Kapla-Steinen zurück und überzeugt die anderen, sich seiner Technik anzuschließen. „Uns geht es in dieser Woche darum, den Kindern deutlich zu machen, wie sie einander unterstützen können“, erzählt Knopp, der im Rahmen der Projektwoche mit der Klasse auch im Kletterwald war. „Die Kinder helfen einander, überwinden Ängste und knüpfen Freundschaften“, freut sich der Sportlehrer.

Im Hochseilgarten wurde die Gemeinschaft gestärkt. Foto: AFG Havixbeck-Billerbeck

Während sich die Siebtklässler spielerisch, aber kritisch mit dem Thema „Wann ist jemand cool?“ auseinandersetzen, Achtklässler in der Baumberge-Region auf GPS-Schnitzeljagd (Geocaching) sind und sich der 9. Jahrgang in Betriebsbesichtigungen der Berufswelt nähert, arbeitet ein Großteil der Oberstufe in Havixbeck kreativ zu dem Thema „Die vier Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Luft“.

Nach einer Führung von Friedhelm Brockhausen und Hans-Heinrich Badengoth vom Heimatverein Havixbeck lernen die Jugendlichen in einem Fotoprojekt Perspektive bewusst einzusetzen. „Anstelle von Dokumentation geht es uns darum, mit den Bildern etwas auszusagen“, erzählt Franziska Trappehl, die nicht nur Biologie und Chemie unterrichtet, sondern auch leidenschaftlich gern fotografiert. Zum Beispiel, indem sich eine Schülerin hinter einem Blütenblatt klein wie eine Puppe inszeniert, damit die Bedeutung der Natur deutlich wird.

Max, Benjamin und Paul arbeiteten an einem „Eisschollen-Projekt“, das den Klimawandel thematisiert. Foto: AFG Havixbeck-Billerbeck

Unter der Leitung von Laura Lagemann, die als Künstlerin auf Performance spezialisiert ist, gehen Q1-Schülerinnen und -Schüler in Havixbeck auf die Suche nach wirkungsvollen Orten, um kritische Botschaften in Szene zu setzen. Max, Benjamin und Paul arbeiten an einem „Eisschollen-Projekt“, das den Klimawandel thematisiert. Unter der Leitung von Poetry-Slammerin Sarah Lau und Lehrerin Dr. Vera Boie schreibt eine Kleingruppe Texte, die politisch, gesellschaftskritisch oder auch persönlich sein können. „Gut ist es, bei sich zu bleiben, aber auch kreativ mit der Wirklichkeit umzugehen“, ermutigt Lau die Schülerinnen und Schüler. Theresa und Amelie freuen sich, dass es in der Projektwoche einmal nicht um Bewertung und gute Noten geht. „Niemand schreibt uns etwas vor. Richtig und falsch gibt es hier nicht.“

Da die Präsentation zum Abschluss der Projektwoche, die am heutigen Freitag endet, coronabedingt nicht öffentlich ist, werden ausgewählte Werke auf der Homepage der Schule präsentiert, heißt es abschließend.

www.afg-havixbeck-billerbeck.de

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