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Anne-Frank-Gesamtschule

Schüler diskutieren lebhaft mit

Havixbeck

Der Bürgermeister kommt in die Schule und diskutiert mit den Jugendlichen – das kam in der Anne-Frank-Gesamtschule bei den Abiturienten bestens an. Schließlich ging es um ein hochaktuelles Thema.

wn

Bürgermeister Jörn Möltgen (Mitte) stellte sein Konzept der Bürgerbeteiligung den AFG-Abiturienten vor. Die Veranstaltung hat ihm so gut gefallen, dass er auch weiterhin bereit ist, mit der AFG zu kooperieren. Sozialwissenschaftslehrer Oliver Wischerhoff (l.) zeigte sich ebenfalls begeistert. Foto: AFG

„Das gab es noch nie, dass ein Bürgermeister von Havixbeck den Mut gefunden hat, mit unseren Schülerinnen und Schülern etwas zu erarbeiten.“ Oliver Wischerhoff, Lehrer für Sozialwissenschaften und Niederländisch an der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG), freute sich, dass Jörn Möltgen so bereitwillig auf den Vorschlag von Schulleiter Dr. Torsten Habbel eingegangen ist, mit den Abiturienten zu diskutieren.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Klein hatte er Möltgen eingeladen, mit den Jugendlichen über ein Thema zu sprechen, das alle angeht. Die Wahl fiel auf die aktuelle Diskussion zur Vergabe von Bauplätzen in Havixbeck. Ein Thema, das aufgrund hoher Nachfrage die Gemüter bewegt.

Wischerhoff hat eine ähnliche Problematik im Nachbarort Billerbeck beobachtet: „Für rund 50 verfügbare Grundstücke im Baugebiet Buschenkamp haben sich kürzlich 400 Interessenten beworben.“

Für Möltgen selbst ist die Vergabediskussion der inoffizielle Auftakt zur Bürgerbeteiligung. „Es ist das erste Mal, dass wir zuerst die Bürger befragen, bevor das Thema im Rat diskutiert wird.“ Den Impuls gaben einzelne Havixbecker, die sich über „Unregelmäßigkeiten“ und „Vetternwirtschaft“ beschwert hatten. Andere hätten „gemoppert“, dass sie als Havixbecker seit Jahren vergeblich versuchten, im Dorf ein Baugrundstück zu erwerben, wohingegen Zugezogene mit viel Geld erfolgreich seien.

Ein Punkteplan, der soziale Kriterien berücksichtigt, soll bei der gerechten Vergabe helfen. So schlug der Bürgermeister zum Beispiel vor, kinderreiche Familien sowie Interessenten mit sozialem Engagement (etwa einem Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr) bevorzugt zu behandeln, ebenso wie Interessierte, deren Arbeitsstelle im Ort liegt oder die gebürtig aus Havixbeck stammen.

„Die Vergabe von Bauplätzen soll nicht länger vom Höchstgebot abhängen“, erklärte Möltgen, der den Preis für Spitzenverdiener erhöhen, für Empfänger niedrigerer Löhne dagegen senken möchte. Rund zehn verschiedene Punkte stellte er den jungen Zuhörern vor, die seinem Vortrag gut folgen konnten und einige Verbesserungsvorschläge hatten.

„Ich finde die sozialen Kriterien gut, aber was ist mit Menschen, die nicht in Havixbeck wohnen, aber woanders ein Ehrenamt ausüben?“, fragte Lara (19). Sie gab außerdem zu bedenken, dass etwa Familien mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderungen eine besondere Chance verdient hätten, auch in Sozialwohnungen.

Eine „höhere Verdichtung“ sei tatsächlich sinnvoll, gab der Bürgermeister zu, sei aber „politisch schwierig zu diskutieren.“ Zu oft habe er gehört: „Wie sieht denn das aus?“ Schon eine Dreigeschossigkeit treffe auf Widerstände. In Bezug auf Niedrigenergie-Bebauung (Kfw 40) konnte Möltgen, der alle Anregungen mitschrieb, die umweltbewussten Schülerinnen und Schüler beruhigen, indem er auf bereits praktizierte wie auch auf geplante Projekte, etwa am Habichtbach III, verwies.

Lizzy (18) regte an, Alleinerziehende zu unterstützen. Pascal (18) stellte die Frage, ob es nicht weltoffener sei, auch Zugezogene oder Paare ohne Kinder zu berücksichtigen. Auch diese Argumente konnte der Bürgermeister gut nachvollziehen, jedoch müsse man sich entscheiden: „Wollen wir Offenheit oder die eigenen Leute stärken?“ Eine Frage, die künftig in einer Online-Konferenz öffentlich diskutiert werden soll. „Dafür brauche ich Unterstützung“, sagte Möltgen. „Ihr seid eingeladen, euch weiter einzubringen.“

Ein Angebot, das bei den Jugendlichen gut anzukommen schien – diskutiert wurde noch, als der Bürgermeister den Kurs schon längst verlassen hatte.

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