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Gerhard Meyer löst Annette Sulmann als Schiedsperson ab

Weder Gewinner noch Verlierer

Havixbeck

In der Rolle des Vermittlers ist Schiedspersonen daran gelegen, auf Gemeindeebene zwischen zwei Streitparteien auszugleichen und so Gerichtsverfahren abzuwenden. Als neuer Schiedsmann in Havixbeck wurde Gerhard Meyer jetzt in sein Amt eingeführt.

Von Kerstin Adass

Gerhard Meyer (2.v.l.) hat Schiedsfrau Annette Sulmann (Mitte) nach zehn Jahren in ihrer Position abgelöst. Stellvertreter bleibt Matthias Geisler (4.v.l.). Dank und gute Wünsche sprachen Bürgermeister Jörn Möltgen und Fachbereichsleiterin Monika Böse aus. Foto: Kerstin Adass

Das Schiedsamt ist, obwohl es in ähnlicher Form wie heute schon seit dem frühen 19. Jahrhundert existiert, in der Bevölkerung relativ unbekannt. Viele wissen zwar, dass es Schiedspersonen gibt, doch deren Tätigkeit und Funktion wird oft auf „Streitschlichter“ reduziert. Als Gerhard Meyer als neuer Schiedsmann in Havixbeck eingeführt wurde, gab auch Bürgermeister Jörn Möltgen schmunzelnd zu: „Für mich ist das ehrlicherweise das erste Mal, dass ich so direkt mit Schiedspersonen in Kontakt komme.“

Gerhard Meyer hatte Anfang Mai Schiedsfrau Annette Sulmann nach zehn Jahren in ihrer Position abgelöst. Nach anfänglichen Bedenken entschied er sich auf Anfrage eines Ratsmitgliedes hin für das Ehrenamt. Grund für Meyers Zögern war eine Flut an Informationen zum Schiedsamt, die wegen der Pandemie nicht wie üblich durch ein Einstiegsseminar vermittelt wurde. „Als ich das Vorwort vom Schiedsamtsgesetz zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich: Ups. Möchte ich das wirklich?“, lachte er. Doch letztendlich überwogen für Gerhard Meyer die Vorteile. Für seine bevorstehende Rente möchte er eine Aufgabe, die ihn erfüllt. Zudem bringt der Intensivpfleger im Umgang mit Menschen viel Erfahrung aus seiner Zeit am Uniklinikum Münster und als Ausbilder in der Pflege mit.

Einvernehmliche Lösungen

Das Schiedsamt dient unter anderem dazu, die Gerichte zu entlasten. Doch auch für die Streitparteien ist eine Lösung über das gemeindliche Schiedswesen oft eine Erleichterung. „Vor Gericht gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer“, erklärte Gerhard Meyer. „Und es kostet Zeit und Nerven“, ergänzte Matthias Geisler, der sein Amt als stellvertretender Schiedsmann weiterführen wird.

Ziel der Schiedsleute ist es, eine Alternative zu finden, mit der sich alle wohlfühlen. „Wir möchten, dass die Parteien sich wieder in die Augen schauen und unterhalten können, wenn sie sich im Dorf begegnen“, betonte Annette Sulmann.

Die meisten Konflikte, bei denen die Schiedspersonen vermitteln, entstehen innerhalb der Nachbarschaft. Als zertifizierte Mediatorin weiß Annette Sulmann, dass Zäune oder Wege meist nur der Anlass, aber nicht die einzige Ursache eines Problems sind: „Da staut sich oft jahrelang etwas an, bevor es explodiert.“ Die Schiedsleute nehmen dann die Position eines neutralen Dritten ein und bieten Hilfestellungen an.

Anstieg von Konflikten

Gespräche und Verhandlungen mit den Streitenden sind auch für die Vermittelnden nicht immer einfach. Gerhard Meyer ist es daher wichtig, das Ehrenamt von seinem Privatleben zu trennen. Noch bis vor einigen Jahren trafen sich die Streitparteien üblicherweise im Haus der Schiedsperson. In Havixbeck stehen für die Gespräche mittlerweile Gemeinderäume zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr, so Annette Sulmann, habe es einen Anstieg von Konflikten gegeben. „Man hat schon manchmal in Abgründe geblickt“, scherzte sie. Trotzdem können die Schiedsleute in Havixbeck eine positive Bilanz ziehen: Zwei Drittel der Fälle konnten erfolgreich gelöst werden – eine Quote, die über dem Bundes- und Landesdurchschnitt liegt. Annette Sulmann blickte zufrieden auf ihre zehn Jahre als Schiedsfrau zurück: „Es ist eine sehr schöne Arbeit. Denn wenn man eine Einigung erreicht, fällt allen ein Stein vom Herzen.“

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