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Anne-Frank-Gesamtschule: Schülerinnen und Schülern lernen faires Streiten

Wie man Konflikte gemeinsam lösen kann

Havixbeck/Billerbeck

Zwei Tage lang lernten Schülerinnen und Schüler des sechsten Jahrgangs der Anne-Frank-Gesamtschule in kleineren Gruppen, fair zu streiten. Schulsozialpädagogin Bernadette Klaus organisierte die beiden Tage sozialen Lernens

Von und

Joel und Paul (sitzend) streiten sich um den Stuhl, die Sechstklässler Lene, Lilly und Johann beurteilen die Konfliktlösung. Mit im Bild Trainerin Claudia von Allwörden. Foto: Anne-Frank-Gesamtschule

„Das ist dein Stuhl, den musst du jetzt verteidigen.“ Claudia von Allwörden, Lehrerin und Trainerin im „Fairen Streiten“, beschwört einen Konflikt herauf, der die Sechstklässler an der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) dazu bringt, miteinander zu rangeln. Da werden Stühle gekippt und gezogen, mal fällt einer zu Boden, mal kugeln beide übereinander. Besonders dynamisch wird es, als zwei Schwestern aufeinander treffen. Dabei geht es hier gar nicht darum, einen Ringkampf zu bestreiten, die Kinder sollen lernen, fair zu streiten. Doch dazu müssen sie erst einmal herausfinden, was unfair ist. „Wenn einer schwächer ist“, erkennt Johann (11), „ist das nicht fair.“

Faires Streiten mit Worten

Zwei Tage lang lernten Schülerinnen und Schüler des 6. Jahrgangs in kleineren Gruppen, fair zu streiten. Spielerisch und im Team mit einer kleineren Gruppe stellten sie fest, dass es sinnvoller ist, sich mit Worten auseinanderzusetzen als mit körperlicher Gewalt.

Wie sich der „Streit“ genau vollzieht, ist streng geregelt. „Das ist ein ritualisierter Ablauf“, erklärt von Allwörden, „der den Kindern Sicherheit gibt.“ Diplom-Psychologin Siglind Wilms, Leiterin des Hauses Cloppenburg, einem Zentrum für psychotherapeutische und soziale Arbeit in Münster, hat dieses Konzept entwickelt und über die Jahre an zahlreiche professionelle Trainer weiter vermittelt, die das Faire Streiten in der AFG durchführen. Unterstützt werden sie dabei von Streitschlichterinnen. Letztere haben das Faire Streiten genau gelernt, denn „Faires Streiten“ gehört zu den Wahlpflichtfächern der Schule.

Kinder sollen Probleme selbst klären

Schulsozialpädagogin Bernadette Klaus organisierte die beiden Tage sozialen Lernens. Kernstück dieses Prozesses sei das so genannte Spiegeln. Die Schülerinnen und Schüler müssen die Meinung des anderen wiedergeben und dabei Du-Botschaften formulieren. „So wird klar, ob sich beide inhaltlich richtig verstehen oder ob es Missverständnisse gibt“, erklärt die Pädagogin. „Die Kinder haben schnell verstanden, worum es geht und machen einander tragfähige Änderungsvorschläge für fiktive Probleme. Ein Mediator achtet darauf, dass die Regeln des fairen Streitens eingehalten werden.“ „Es gibt keinen Sieger und keinen Verlierer“, betont von Allwörden. „Ziel ist es, dass die Kinder ihre Probleme selbst lösen lernen.“

Als die Sechstklässler am nächsten Tag echte Konflikte lösen sollten, waren sie zwar erst etwas aufgeregt, aber umso erleichterter, als sie das Problem selber, ohne Erwachsene, lösen konnten. Dass sie einander helfen, das neue Verhalten einzuüben, gehört zum Programm und stärkt den Zusammenhalt der Klasse.

„Faires Streiten trägt maßgeblich zu einem guten Schulklima bei“, sagt Vera Thomas, Abteilungsleiterin der Klassen 5 bis 7. „Die sozialen Kompetenzen, die die Kinder hier entwickeln, wirken positiv auf die Gemeinschaft und stärken das Selbstwertgefühl – damit alle gemeinsam gut lernen können.“

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