1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Lüdinghausen
  6. >
  7. Das harte Los eines Rentmeisters

  8. >

Ein Blick zurück: Lüdinghausen im Dreißigjährigen Krieg – Teil II

Das harte Los eines Rentmeisters

Lüdinghausen

Der Dreißigjährige Krieg hat auch in Lüdinghausen seine Spuren hinterlassen. Vielerlei Wirrnisse verhinderten, dass Rentmeister Henrich Hörde tatsächlich die ihm in Aussicht gestellten Einkünfte realisieren konnte.

Heute können Spaziergänger auf der Vorburg anhand eines von den Burgfreunden aufgestellten Modells die damalige Situation nachvollziehen. Foto: awi

Waren seine Aufgaben in Friedenszeiten schon vielfältig, so war die Herausforderung in Kriegszeiten ungleich größer. Dabei verhinderten vielerlei Wirrnisse, dass Rentmeister Henrich Hörde auch tatsächlich die ihm in Aussicht gestellten Einkünfte realisieren konnte.

Schon in seinem ersten Jahr (1622) befanden sich feindliche Truppen im Münsterland und auch dort, wo es keine Verwüstungen gab, verursachten sie mit ihren Unterhaltsforderungen hohe Kosten. Dies galt allerdings auch für die zur Hilfe eilenden befreundeten Truppen. Geliefert werden mussten zum Beispiel vom Kirchspiel Lüdinghausen Wein, Bier, Hafer für die Pferde, Stroh, Schinken, Hühner, Gänse, Eier und Holz. Ferner mussten „Verehrungen“ an die Herren Offiziere gezahlt werden, damit sie für das Wohlverhalten der eigenen Soldaten sorgten. Denn so mancher Trupp nahm sich, was er wollte – mit Gewalt.

Forderungen von Freund und Feind

Zwar fragte der Rentmeister häufiger beim Domkapitel nach, ob den Forderungen von Freund und Feind nachgekommen werden sollte, erhielt dann aber zumeist die Anweisung, zu zahlen und zu liefern. Das Geld für Naturalien sollte er dann schon mal aus eigener Tasche vorlegen, das Domkapitel stellte ihm in Aussicht, den veranschlagten Betrag zu erstatten. Dies erwies sich oftmals als ein für Hörde schlechtes Geschäft, weil die Preise wegen des hohen Bedarfs ständig stiegen.

Da zur Finanzierung des Krieges laufend Sondersteuern wie Vieh-, Herdfeuer- oder Mühlenschatzungen verlangt wurden, blieb die Situation belastend, auch wenn die eigentlichen Kampfhandlungen in der hiesigen Region 1623 zunächst abebbten.

Doch in den folgenden Jahren war Hörde, wie er selbst in einem Brief an das Domkapitel 1642 schrieb, bösen Leuten und „Zauberern“ ausgesetzt gewesen. Damit verwies er auf die Hexenprozesswelle, die 1624 in Lüdinghausen begann. Ihr fielen bis 1630 mindestens 20 Menschen in der Steverstadt zum Opfer.

Hörde nahm als einer der neben Richter und Ankläger „bestellten Gerichtspersonen“ an den Prozessen teil. Darüber hinaus fühlte er sich aber auch als Geschädigter: Denn Bernt Schwarte, der erste Verklagte und später auch tatsächlich auf dem Lüdinghauser Richtplatz (heute Acker Nähe Bechtrup 22) erste Verbrannte, wurde unter anderem beschuldigt, im Sommer 1623 die fast gleichzeitig verendeten 26 Schweine des Rentmeisters auf Geheiß des Teufels vergiftet zu haben.

Lüdinghauser Burgen mehrfach erobert

Besonders schwer waren für Lüdinghausen wohl die Dreißigerjahre. Damals hatten die neu in den Krieg eingetretenen Schweden die ebenfalls protestantischen Hessen um Unterstützung gebeten und ihnen im Falle des Sieges die Herrschaft über die Stifte Paderborn und Münster zugesprochen. Diese besetzten Coesfeld, Borken und Dorsten. Darüber hinaus eroberten sie mehrere Male die Lüdinghauser Burgen, wurden zwischendurch aber immer wieder von der kaiserlichen Partei vertrieben.

Von dem damals auf Vischering lebenden Vikar ist die Aussage überliefert: „Die kaiserlichen Soldaten trinken jetzt von dem Bier, das der verlauffene hessische Rentmeister hat brauen lassen.“ Zwischen 1633 und 1636 war die Burg Lüdinghausen längere Zeit in den Händen der Hessen.

In jenen Jahren ist die Befestigung der Burg laufend verstärkt worden. Eine alte Karte aus der Mitte des 17. Jahrhunderts belegt, wie komplex das aus schützenden Gräften und Wassergräben, Palisaden und Schutzmauern bestehende System damals war.

Heute können Spaziergänger auf der Vorburg anhand eines von den Burgfreunden aufgestellten Modells die damalige Situation nachvollziehen. Dort, wo jetzt ein gerader Weg von der Peperlake zur Vorburg führt, musste man mehrere Tore und Zugbrücken sowie eine von Wasser umgebene Bastion passieren. Eine weitere Bastion sicherte die Seite zur heutigen Steverstraße. Zur Vischeringstever hin gab es mehrere zum Teil ausgemauerte Gräben.

(von Liane Schmitz, ehemalige Stadtarchivarin)

Startseite