Escape Room: Den Galen-Predigten auf der Spur

Die Gestapo im Nacken

Lüdinghausen

Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs machten sich jetzt auf die suche nach den Predigten des Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen – in einem Escape-Room-Spiel. Von Galen wandte sich im Dritten Reich gegen die Euthanasie-Pläne der Nationalsozialisten.

Marion Fenner

Die Schüler des Berufskollegs stellten sich den Aufgaben im „Escape Room“ – mit Erfolg. Bei Problemen geben die Spielleiter Tipps und Hinweise. Foto: Marion Fenner

In dem kleinen Raum stehen ein Telefon mit Wählscheibe und eine mechanische Schreibmaschine, auf dem Schreibtisch liegen alte Bücher, das Radio spielt Marlene Dietrich – so könnte ein Arbeitszimmer im Jahr 1941 ausgesehen haben. In diesem Raum sollen die Predigten des damaligen Bischofs Clemens August Graf von Galen versteckt sein, in denen er in der Zeit des Nationalsozialismus die Euthanasie in den Heimanstalten anprangerte.

Diese Predigten zu finden, ist die Aufgabe der Besucher des Escape Rooms in der Familienbildungsstätte (FBS), den diese gemeinsam mit der von Raesfeldschen Armenstiftung und der katholischen Kirchengemeinde St. Felizitas veranstaltet. Weitere Unterstützer sind die Volksbank Lüdinghausen-Olfen und die Sparkasse Westmünsterland.

Pfadfinder sollen Flugblätter verteilen

Die Teilnehmer spielen eine Gruppe Pfadfinder – die im Dritten Reich verboten waren – und sollen die Predigten finden und anschließend als Flugblätter verteilen. Doch bis die Predigten gefunden sind, gibt es mehrere knifflige Rätsel zu lösen. Der Chef der Pfadfinder ist bereits verhaftet worden, die Gestapo im Anmarsch – so jedenfalls das Szenario. Von draußen, oder in diesem Fall vom Band, sind vorbeifahrende Autos und Schritte zu hören. Kommt das Team bei einem Rätsel nicht weiter, gibt es Tipps vom Spielleiter, der nebenan sitzt, das Spiel beobachtet und gerne einige, der Zeit entsprechend in nicht immer perfekter Sprachqualität, Hinweise zur Lösung gibt. Der aber auch zur Eile mahnt, denn die Gestapo soll im Anmarsch sein, heißt es in der Geschichte.

Eine Schülergruppe des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs besuchte jetzt den „Escape Room“. Nach gut einer halben Stunde waren die Flugblätter gefunden. „Einfach war es nicht, aber es hat großen Spaß gemacht“, sagte einer der Schüler. Es sei wichtig, auch einmal um die Ecke zu denken. „Im Nachhinein habe ich mich schon gefragt, warum wir auf einige Lösungen nicht gleich gekommen sind“, berichtete eine Schülerin.

Rund um den „Löwen von Münster“

Bevor es in den „Escape Room“ ging, gab es noch eine Einführung, in der die geschichtlichen Zusammenhänge rund um den „Löwen von Münster“, wie der später zum Kardinal ernannte von Galen genannt wurde, erläutert wurden.

Matthias Hecking, der diesen mobilen „Escape Room“ gemeinsam mit Winfried Hachmann entwickelt hat, will den Schülern damit nicht nur einen andern Einblick in die Geschichte des Dritten Reiches vermitteln, sondern auch verdeutlichen, wie schwierig es damals war, seine Meinung zu äußern und zu publizieren. Gleichzeitig bat er die Schüler, daran auch zu denken, wenn in ihrer Gegenwart „Minderheiten fertig gemacht werden. Heute ist es nicht mehr so krass, die Gestapo steht nicht vor der Tür, ihr dürft Euch nicht an den Rand stellen, zuschauen und denken, das geht mich nichts an.“

Amandus Petrausch von der von Raesfeldschen Stiftung freut sich, dass fast alle neunten Klassen aus Schulen der Stadt den „Escape Room“ besuchen. Rund 500 Schüler seien bereits angemeldet. Auch Lehrer hätten sich schon auf die Suche nach den versteckten Predigten gemacht.

Zum Thema

Offen ist der „Escape Room“ auch für Vereine und private Gruppen. Bis Freitag (5. Juli) bleiben die Veranstalter in Lüdinghausen. Anmeldungen sind in der FBS unter ' 0 25 91/98 90 90 möglich.

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