1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Luedinghausen
  6. >
  7. Die Umsätze sind einfach weg

  8. >

Hotelbetreiber Markus Stollmeier und Magdalene Uhlenkott beschreiben ihre Lage

Die Umsätze sind einfach weg

Lüdinghausen

Vielen Branchen geht es in der Corona-Krise schlecht, der Hotelbranche besonders schlecht, findet Markus Stollmeier. Er hat die Idee, durch Homeoffice im Hotel zumindest einen ganz kleinen Teil des Umsatzloches schließen zu können. Viele Veranstaltungen sind abgesagt, Hotelbetten storniert erlebt auch Magdalene Uhlenkott.

Erhard Kurlemann

Ohne Corona und die damit verbundenen Einschränkungen gäbe es dieses Bild nicht: Daniela und Markus Stollmeier auf der verwaisten Terrasse ihres Hotels Steverbett. Foto: Erhard Kurlemannn

Was wäre wenn . . .? Diese Frage mag Markus Stollmeier aktuell nicht beantworten. Auf der derzeit verwaisten Terrasse des Hotels Steverbett säßen bei „so einem Wetter“ bestimmt viele Leute. Auf den Umsatz durch das Tagesgeschäft muss der Hotelier aufgrund der Corona-Krise verzichten. Hochzeiten sind abgesagt, Übernachtungen sind storniert – „es geht vielen Branchen mies. Uns geht es gerade besonders mies.“

Magdalene Uhlenkott, Betreiberin des Hotels Zur Post, bläst in das gleiche Horn. „Es hat Absagen gehagelt ohne Ende – ganze Busgruppen haben ihre Touren gecancelt. Die Spargel-Saison fällt auch ersatzlos aus.“

Sowohl Stollmeier als auch Uhlenkott bauen auf die Politik. „Spätestens in der nächsten Runde muss es eine Perspektive geben, wann und wie es weitergehen kann.“

Markus Stollmeier betont, es sei kein Problem, die Hygienevorschriften und Abstandsregeln in vielen Bereichen des täglichen Betriebs sicherzustellen. „Wir sind da sehr kreativ.“

Eine Idee will Stollmeier „sofort“ versuchen: Homeoffice im Hotel. Sicher gebe es in Großstädten wie Düsseldorf oder Hamburg mehr Bedarf – „aber wir wollen das mal anstoßen“. Alle Hotels, die ein derartiges Angebot machen, sind auf der Seite www.homeoffice-im-hotel.de gelistet. „Binnen kurzer Zeit ist die Zahl der Hotels auf der Seite ganz erheblich gewachsen“ – ein Hinweis darauf, dass die Idee durchaus einen Markt hat. „Jeder Anbieter ist selbstverantwortlich für die jeweilige inhaltliche Gestaltung.“ Das Angebot zeige, dass die Hotellerie durchaus arbeiten wolle. „Und ist zugleich ein Appell, diese Angebote vor Ort zu unterstützen.“

Dennoch: „Das Einnahmeloch kann so nicht gestopft werden. Aber es ist immerhin eine Möglichkeit, überhaupt Einnahmen zu erzielen.“

Im Hotel Steverbett ist diese Woche eins von insgesamt 47 Zimmern belegt; im Hotel Zur Post sind es zehn von 30 Zimmern. „Nur Geschäftsreisende oder Monteure dürfen wir derzeit aufnehmen.“ Die Zahl der Gäste schwankt so von Woche zu Woche auf kleinem Niveau.

„Das Jahr 2020 war sehr gut gebucht“, gibt Stollmeier einen Einblick in die Zeit vor Corona: „Die Bücher waren so voll, wie lange nicht mehr“. Er erzählt von einer Bavaria-Filmcrew, die Aufnahmen an den Schlössern und Nordkirchen und Cappenberg drehen wollte, diese aber aufgrund von Corona absagen musste. „Das gesamte Team einschließlich der Schauspieler will kommen“, freut sich Stollmeier über den Zuspruch – aber wann? Zum Teil seien bis in den November hinein Veranstaltungen und Tagungen abgesagt worden. Ersatz dafür gebe es nicht. Einige wenige gebe es noch, die „noch abwarten“.

Magdalene Uhlenkott beschreibt das Problem: „Wir können jedes Bett nur einmal vermieten“. Deshalb sei der durch Corona weggebrochene Umsatz nicht wieder reinzuholen. Sie wünsche sich bei der Bewältigung der Krise „etwas mehr Toleranz“, auch und gerade wenn es um die Diskussion von Lockerungen gehe. Die propagierte Möglichkeit des Außer-Haus-Verkaufs sei aus ihrer Sicht unrentabel. „Insgesamt ist das alles ungerecht.“

Sie habe Soforthilfe für ihr Haus beantragt und einen positiven Bescheid bekommen. „Auf das Geld warte ich allerdings noch.“ Und: „Das muss auch noch versteuert werden“ – sei also gar keine reine Soforthilfe. Zudem trete sie in Vorleistung, weil das Kurzarbeitergeld für ihre acht Mitarbeiter wohl erst in einigen Wochen ausgezahlt werde. Sie erwarte, dass aufgrund der Corona-Krise viele Hotels, Gaststätten und Pensionen aus dem Wettbewerb verschwinden werden, weil sie auch durch die ausbleibenden Einnahmen „und die aktuelle Unsicherheit, wann es weitergeht“, in die Pleite gedrängt würden.

Auch Markus Stollmeier hat für viele seiner rund 35 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragt. „Wir bilden auch aus. Und für Lehrlinge gibt es keine Kurzarbeit.“ Stollmeier bezeichnet Soforthilfe und Kurzarbeitergeld als „Tropfen auf den heißen Stein.“ Grundsätzlich gehe es ihm aber darum, „nach Möglichkeiten jeden Kopf zu retten“. Er stehe in nahezu täglichem Kontakt zur Dehoga. Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband führe auf vielen Ebenen Gespräche, um auf die Situation in der Branche aufmerksam zu machen.

Stollmeier erwartet, dass noch ein weiteres Hilfspaket aufgelegt wird, wenn es „nicht in Kürze eine belastbare Perspektive gibt“. Zur Zeit gleiche die Zukunftsperspektive eher „einem Blick in die Glaskugel“.

Startseite