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Eichenprozessionsspinner auf dem Vormarsch

Ein bisschen weniger Drama . . .

Lüdinghausen

Der Eichenprozessionsspinner sorgt auch in Lüdinghausen für mächtig Aufregung. Über 1600 Nester wurden der Stadt bislang gemeldet. Dr. Irmtraud Papke, Leiterin des Biologischen Zentrums, warnt davor, ein Nest selbst genauer untersuchen zu wollen. Aber zugleich ist sie für mehr Gelassenheit: „Wir sollten lernen, mit diesen Viechern zu leben.“

Beate Nießen

Ein typisches Gespinstnest des Eichenprozessionsspinners (oben) an einem Eichenstamm: Auf dem Gespinst ist eine ausgewachsene Raupe (kl. Bild) gut zu erkennen. Foto: Brocksieper/Biologisches Zentrum

Nein, nett anzusehen ist so ein Gespinst des berühmt-berüchtigten Eichenprozessionsspinners nun wirklich nicht. Und vielleicht – so die Hoffnung von Dr. Irmtraud Papke vom Biologischen Zentrum – könnte das auch in dem ein oder anderen Fall hilfreich sein, sollte jemand darüber nachdenken, solch ein Nest einmal näher untersuchen zu wollen. Denn das, „ist ganz sicher keine gute Idee“, wie die Fachfrau im Gespräch mit den WN jetzt bestätigt. Die kleinen Brennhärchen der Raupen, die sich schon durch eine vorsichtige Berührung oder einen Windstoß lösen, können heftige Hautausschläge, Augenentzündungen oder Atemprobleme verursachen. Und doch bittet Papke um ein bisschen weniger Drama und dafür um eine große Portion mehr Sachlichkeit in der öffentlichen Diskussion rund um die unangenehmen Tierchen, die vermehrt auch die Steverstadt heimsuchen.

Irmtraud Papke

„Wir sollten lernen, mit diesen Viechern zu leben“, lautet ihre knochentrockene Maxime. Schließlich habe man auch gelernt, dass man um die, bereits vor Jahren eingewanderte, Herkulesstaude einen großen Bogen machen oder eine heimische Brennnessel nicht unbedingt mit der       nakten Hand anfassen sollte. „Es ist klar, dass wir den Eichenprozessionsspinner so schnell in Deutschland nicht mehr los werden. Darum gilt es jetzt, die Menschen aufzuklären und insbesondere in den Kindergärten und Schulen über den richtigen Umgang zu informieren“, empfiehlt Papke. Um sich zu schützen, reiche es schon, ausreichend Abstand von den Nestern zu halten. Befinden die sich hoch oben in den Baumkronen, stelle das ohnehin kaum eine Gefahr dar. Sitzen sie weiter unten am Stamm, gelte es, seine Neugier zu zügeln. „Auch wer meint, nur mal mit einem Stöckchen darin rumstochern zu müssen, bekommt es bereits mit den Brennhärchen zu tun.“

Irmtraud Papke

Den Bäumen selbst machen die ungebetenen Besucher übrigens eher weniger aus. Ausgewachsene Eichen verschmerzen die Fraßschäden an den Blättern. Sie gleichen sie oft durch einen zweiten Austrieb wieder aus, wenn die kleinen Falter erstmal geschlüpft sind. Die Raupen selbst stehen außerdem auf dem Speisezettel vieler Vogelarten. Die Larven werden von Laufkäfern und Raupenfliegen verspeist, wie man in einem extra zusammengestellten Informationsblatt auf der Homepage des Biologischen Zentrums nachlesen kann. Wichtig: Selbst wenn die Falter ausgeflogen und die Nester verwaist sind, ist immer noch Vorsicht geboten. Denn auch die Brennhärchen an den leeren Larvenhüllen sind nach wie vor noch längere Zeit aktiv.

Und noch was zum Schluss: Wer jetzt auf die Idee kommen sollte, die Eiche im heimischen Garten schon mal präventiv zu fällen, könnte Pech haben. „Finden die Falter keine Eichen, können sie ihre Eier auch an anderen Baumarten ablegen“, warnt Papke.

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