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Wolfgang Borchert wäre heute 100

Ein Plädoyer für Zivilcourage

Lüdinghausen

Am heutigen 20. Mai wäre Wolfgang Borchert 100 Jahre alt geworden. Die Gruppe Pax Christi Lüdinghausen nimmt das zum Anlass, an den bekannten Schriftsteller und sein Wirken auch und gerade für den Frieden zu erinnern.

„Draußen vor der Tür“ – hier eine Schulaufführung 1994 mit Marco Hamelmann in der Figur des anklagenden Kriegsheimkehrers Beckmann – war Borcherts einziges Drama. Foto: Gymnasium Canisianum

„Ihr Mütter in allen Erdteilen der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, dann gibt es nur eins: Sagt nein!“ Wolfgang Borchert schrieb mit seinem letzten Text „Dann gibt es nur eins!“ ein flammendes Vermächtnis gegen den Krieg und rief ausdrücklich alle für Vorbereitung und Durchführung von Kriegen Verantwortlichen zum Widerstand auf. Am heutigen 20. Mai wäre Wolfgang Borchert 100 Jahre alt geworden.

Der Lehrersohn aus Hamburg-Eppendorf war gerade 18, als der Zweite Weltkrieg begann. Und er war 20, als er an die Ostfront eingezogen wurde. Den Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 erlebte er mit. In vielen Briefen nach Hause durchlebte er den erfahrenen Irrsinn des Krieges. Die Gestapo fand bei ihm einige der kriegskritischen Briefe und eine Goebbels-Parodie und wertete diese als Angriff auf Staat und Partei. Wochenlange Haft, dann wieder an die Front, zur „Feind-Bewährung“. Krieg und Kerker zerstörten seine Gesundheit. Mit Erfrierungen, Gelbsucht und Verdacht auf Fleckfieber kam er in ein Seuchenlazarett.

Rückkehr in die zerstörte Heimatstadt

Völlig entkräftet kehrte Wolfgang Borchert im Mai 1945 in seine in Trümmern liegende Heimatstadt zurück. Er schrieb wie ein Besessener und formulierte in vielen Kurzgeschichten (etwa „Nachts schlafen die Ratten doch“) für viele seiner Generation das Gefühl einer verratenen Jugend, verraten von allen, den lieben Gott eingeschlossen. Am vielleicht beeindruckendsten dargestellt in Borcherts einzigem Drama „Draußen vor der Tür“, das zuerst als Hörspiel gesendet und dann vielfach auf der Bühne präsentiert wurde. Eine Provokation für all diejenigen in der Bundesrepublik, die im Kalten Krieg schon bald wieder an Aufrüstung dachten.

Ein Theater im alten Flechtheim-Speicher auf dem Gelände des Hafens von Münster trägt heute mit Stolz seinen Namen. Die Hamburger Kammerspiele hatten die Uraufführung von „Draußen vor der Tür“ für den Totensonntag 1947 vorgesehen. Aber Borchert starb einen Tag vorher, am 20. November 1947, im Alter von 26 Jahren.

Wie die anderen Friedensgruppen im Kreis Coesfeld wünscht sich auch Pax Christi Lüdinghausen in einer vielfach von Hassbotschaften und Gewaltandrohung beherrschten Zeit, dass die Aktualität von Borcherts Mahnungen erkannt wird und dass Menschen in seinem Sinne tatkräftig für umfassenden Frieden wirken.

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