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Singer-Lesung mit Jazz-Klängen

Einblicke in die jüdische Tradition

Lüdinghausen

Zu einem besonderen Abend hatte die Deutsch-Polnische Gesellschaft jetzt geladen. Der Kölner Literaturvermittler Stephan Schäfer las aus der Autobiografie des Literaturnobelpreisträgers Isaac B. Singer. Musikalisch umrahmt wurde dies durch die jazzigen Klezmer-Klänge des „Duo Doyna“.

-koc-

Veranstalter Karl-Heinz Kocar von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Literaturvermittler Stephan Schäfer sowie die Klarinettistin Annette Maye und der Jazzgitarrist Martin Schulte Foto: koc

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft hatte jetzt zu einem besonderen Abend in den Kapitelsaal eingeladen, bei dem die Warschauer Kindheitserinnerungen des Literaturnobelpreisträgers Isaac B. Singer im Mittelpunkt standen.

Es ist das Verdienst des Kölner Literaturvermittlers Stephan Schäfer, dass die Besucher viele Eindrücke gewannen von den Sitten und Beziehungen im Warschauer Judenviertel. Als gelernter Schauspieler verstand er es, die Welt des jungen Singer vor den Augen der Zuhörerschaft greifbar werden zu lassen: den roten Bart und die langen schwarzen Schläfenlocken seines viel beschäftigten Rabbi-Vaters, die religiösen Unterweisungen in der orthodoxen „Cheder“-Schule, das frühe Nachdenken über Raum und Zeit, Arme und Reiche, Leben und Tod, schließlich die Hoffnung auf das Kommen des Messias.

Vom kleinen „Schtetl“ Radzymin in die große Stadt Warschau

Auch für die Geheimnisse der „Kabbala“, der mystischen Tradition im Judentum, interessierte sich der junge Mann früh. Mit seinem Freund Mendel verbindet ihn die Lust am Erfinden von Geschichten, auch das starke Interesse an einem Mädchen. Schäfer gelang es, seinen Zuhörern die Dialoge zwischen den Jungen, die vom Zauberischen und oft Bedrohlichen fasziniert sind, durch entsprechende Stimmmodulation nahezubringen.

Schon die Eisenbahnfahrt, die Singer aus dem kleinen „Schtetl“ Radzymin in die große Stadt Warschau bringt, ist ein Erlebnis und weckt in ihm eine unstillbare Neugier.

Aber es blieb an dem Abend nicht bei der Lesung: Großen Raum nahm der Auftritt des „Duo Doyna“ ein. Die Klarinettistin Annette Maye und der Jazzgitarrist Martin Schulte sind feste Größen in der Jazzszene. Beide erschließen sich Musik aus verschiedenen Kulturkreisen. Stilistisch dem Modern Jazz verpflichtet, haben sie auch den „Klezmorim“ viele Impulse zu verdanken.

An Giora Feidman erinnert

Bei einigen Titeln fühlte man sich an Giora Feidman erinnert, den „König des Klezmer“, zum Beispiel als „Sammy´s Frejlach“ erklang oder wenn die B-Klarinette von Annette Maye mit schnellen Läufen „A Nakht in Gan Eydn“ intonierte, mit traditionellem Anfang und anschließend frappierend frischer Improvisation. Am beeindruckendsten aber vielleicht, wenn Maye zur eineinhalb Meter langen Bassklarinette griff und in dunkel klingenden, oft in stoßendem Rhythmus vorgetragenen Sequenzen auf der Basis traditioneller Melodien frei improvisierte.

Dem Vorleser Stephan Schäfer und den beiden Jazzern gelang es oft vorzüglich, Text und Musik in ein Zwiegespräch zu bringen. So ließ sich auch etwa durch die dunkle Tonlage der Bassklarinette der fordernde Ernst der Tora-Unterweisung, den der junge Isaac B. Singer erfuhr, hervorragend nachempfinden.

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