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Gaststätte „Zur Mühle“ schließt zum Jahresende

Entscheidung nicht leicht gefallen

Lüdinghausen

Nach 45 Jahren ist Schluss. Ulla und Alois Petrausch schließen ihre Gaststätte „Zur Mühle“ zum Jahresende – aus gesundheitlichen Gründen. „Wir hören schweren Herzens auf“, sagt Ulla Petrausch dazu Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie den Gasthof 1978 übernommen.

Nach 45 Jahren drehen Ulla und Alois Petrausch den Zapfhahn in ihrer Gaststätte „Zur Mühle“ zu. Das letzte Bier wird am 30. Dezember ausgeschenkt. Foto: Peter Werth

Das Haus hat Tradition, keine Frage. Die Ursprünge der Gaststätte „Zur Mühle“ reichen bis ins Jahr 1805 zurück. Damals bestand an der heutigen Mühlenstraße 88 eine sogenannte Hauderei – ein Transportunternehmen. Bis zum Brand im Jahr 1895 gab es dort auch eine Bockwindmühle, der Namensgeber der späteren Gastronomie. Ulla und Alois Petrausch führen den Betrieb seit 1978. Sie war 21 Jahre alt, er zählte nur ein Jahr mehr, als sie die Regie übernahmen. Doch nach 45 Jahren ist zum Jahresende Schluss.

„Wir hören schweren Herzens auf“, sagt Ulla Petrausch. Und ihr ist am Gesicht abzulesen, dass die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen wurde. Schließlich habe sie damals mit ihrem Mann das Erbe ihrer Eltern Josefa und Alfons Benning übernommen, die die „Mühle“ viele Jahre geleitet hatten. Ein echter Familienbetrieb sei die Gaststätte.

Ulla Petrausch

Sie seien über die 45 Jahre gerne Gastgeber in ihrem Haus gewesen, betonen beide. „Kommunikation“ sei das Zauberwort, erklärt Alois Petrausch, der von den Stammgästen „Pele“ genannt wird – ein Spitzname, den er, dem Fußball geschuldet, seit der Kindheit trägt. Der gelernte Elektriker hat noch mit 40 Jahren seinen „Küchenmeister“ gemacht, um den Gästen fachgerecht zubereitete Speisen aus der westfälischen Küche servieren zu können.

Doch nicht nur für die solide Küche ist das Gasthaus seit Jahrzehnten bekannt. Viele Vereine haben im Saal ihre Veranstaltungen organisiert, sogar eine Tanzschule fand dort einst Quartier. Seit 1983 fanden zahlreiche Konzerte von Jazz bis Rock statt. Die Teilnahme an musikalischen Events wie „Lüdinghausen live“ oder Frühlingserwachen“ war für Alois Petrausch selbstverständlich. Zum Treffpunkt vieler Steverstädter hat sich über die Jahre auch das „Christmas-Festival“ – immer am 23. Dezember – entwickelt.

Mit dem Schlussstrich zum Jahresende müssen sich auch die 25 Kegelclubs, die regelmäßig ihre keineswegs ruhige Kugel in der „Mühle“ schieben, eine neue Bahn suchen. „Wir wissen noch gar nicht, wie wir denen das sagen sollen“, erklärte Ulla Petrausch vor ein paar Tagen im WN-Gespräch. Aber am gestrigen Freitag haben sie es dann doch erfahren müssen. Eines werden die Petrauschs allerdings mit ihren Stammgästen auf jeden Fall feiern – einen richtigen Ausstand.

Vor allem gesundheitliche Gründe, sagt Ulla Petrausch, hätten die Entscheidung beeinflusst. Die Suche nach einer Nachfolge sei bislang vergeblich gewesen. Die Zukunft des Hauses, in dem das Ehepaar auch seine Wohnung hat, sei offen. Trotz alller Wehmut, die mit dem letzten gezapften Pils und dem letzten servierten Schnitzel einhergehe, freuen sich beide Gastronomen auf die kommende Zeit. Nähen, Malen und Basteln – diesen Hobbys will Ulla Petrausch sich künftig verstärkt widmen. Und ihr Mann freut sich darauf, Zeit zum Lesen zu haben.

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