Als aus der LZ die WN wurden

Heimatzeitung für Lüdinghausen

Lüdinghausen

Mit dem „Wochenblatt für den Kreis Lüdinghausen“ aus dem von Heinrich Rademacher gegründeten Verlag hat alles 1848 alles begonnen. 1906 entstand daraus die Lüdinghauser Zeitung. 1954 wurde die Zeitung an die Westfälischen Nachrichten des Aschendorff-Verlags verkauft. Der Lokalteil wurde noch viele weitere Jahre im Hause Rademacher gefertigt.

Von Peter Werth

Die Druckerei im Verlag Rademann Foto: privat

„Westfälische Nachrichten“ und darunter „Zeitung für Lüdinghausen“: An diesen Titel auf der ersten Mantelseite der WN sind die Leserinnen und Leser in der Steverstadt seit Jahren gewohnt. Vielen älteren Lesern geht allerdings noch heute der Name „Lüdinghauser Zeitung“ leichter über die Lippen. Heinrich Rademann gründete Verlag und Druckerei im Jahr 1848. Im Juli 1848 erschien erstmals das „Wochenblatt für den Kreis Lüdinghausen“, aus dem 1906 die „Lüdinghauser Zeitung“ entstand. Andreas Schnieder erinnert sich bestens an diese Zeiten, kennt er sie doch aus Erzählungen in der Familie. Der Diplom-Ingenieur leitet selbst seit 1984 das Unternehmen, das nun unter dem Namen „Rademann Print + Business Partner“ firmiert.

Zeno-Verbund angeschlossen

Seit dem Jahr 1922 und dem Wiederaufleben im Jahr 1949 war der Verlag Rademann mit dem Haus Aschendorff verbunden, gehörte dem Zeno-Verbund (Zeitungsverlagsgesellschaft Nordwestdeutschland) an.

Andreas Schnieder Foto, unten), Nachkomme des Firmengründers Heinrich Rademann, erinnert sich noch an alte Zeiten und Erzählungen aus der Familie. Foto: Peter Werth

Sitz von Verlag, Druckerei und Redaktion war Ende der 1940er-Jahre am Marktplatz/Ecke Wilhelmstraße. Ein verheerender Brand am 16. März 1953 richtete dort großen Schaden an. Nur ein Jahr später erfolgte der Verkauf der Zeitung an den Verlag Aschendorff – die Westfälischen Nachrichten.

Andreas Schnieder

„Meinem Vater gelang es allerdings, einen auf 20 Jahre angelegten Werklieferungsvertrag mit den WN auszuhandeln. Der sicherte die Erstellung des Lokalteils der Zeitung in Lüdinghausen“, weiß Andreas Schnieder. Und so wurden im „Bleizeitalter“ der Zeitungsherstellung die Druckvorlagen – die sogenannten Matern – der LH-Seiten im Hause Rademann gefertigt. „Um 22 Uhr war Schluss, dann musste alles nach Münster ins Druckhaus an der Soester Straße gebracht werden“, erinnert sich der heutige Firmenchef, der dies selbst als Kind miterlebt hat. Den Grund für den Verkauf liefert ein Blick in die Rademann-Chronik. Darin heißt es, dass die in Dortmund erscheinenden Ruhr Nachrichten eine zunehmende Konkurrenz darstellten. Deren erhöhte Zeilengelder für die schreibende Zunft, erhöhte Botenlöhne sowie verminderte Anzeigenpreise hätten den Verlag Rademann in wirtschaftliche Nöte gebracht und schließlich den Verkauf an Aschendorff folgen lassen.

„Bleizeit“

„Mein Vater hat jeden Morgen die Zeitung durchgeblättert und die Seiten für Lüdinghausen gezählt“, berichtet Andreas Schnieder. Je mehr, desto besser, sei die Devise gewesen: „Denn wir wurden nach Umfang bezahlt.“ An eine Tradition aus jener „Bleizeit“ erinnert sich Schnieder besonders: Jeden Freitag nach Fertigstellung der Zeitung sei sein Vater mit dem Redakteur Josef Kassuba und den Setzern ins „Hotel zur Post“ gegangen, um dort ein Bier zu trinken.

Kaffee und Kuchen

1974 schließlich ging die Ära der „Lüdinghauser Zeitung“ endgültig zu Ende. Schnieder denkt noch heute an diesen Tag, den er als damals 14-Jähriger miterlebt hat. „Ich weiß noch, wie meine Mutter die Ankunft von Jo Jellentrup (damals Anzeigenleiter der WN, Anm. d. Red.) bei uns kommentierte, als er mit seinem Käfer vorfuhr. ,Jetzt macht er den Laden dicht‘, sagte sie mit trauriger Miene.“ Es sei dann anders gekommen. Bei Kaffee und Kuchen habe man „Höflichkeiten ausgetauscht“. Und die WN sind bis heute in Lüdinghausen „die Heimatzeitung“.

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