1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Lüdinghausen
  6. >
  7. Henrich Hörde und die Burg

  8. >

Ein Blick zurück: Lüdinghausen im Dreißigjährigen Krieg – Teil I

Henrich Hörde und die Burg

Lüdinghausen

Der Dreißigjährige Krieg hat auch in Lüdinghausen seine Spuren hinterlassen. Fast 30 Jahre dauerten die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen kaiserlich-katholischen und protestantischen Mächten um Herrschaft, Religion und Grenzen.

Dieses Modell zeigt die Verteidigungsanlagen der Burg Lüdinghausen während des Dreißigjährigen Kriegs. Foto: awi

Im Jahr 1647 wartete man in Europa auf die Beendigung eines langen Krieges. Denn fast 30 Jahre dauerten schon die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen kaiserlich-katholischen und protestantischen Mächten um Herrschaft, Religion und Grenzen. Tatsächlich kam es dann im Oktober des folgenden Jahres tatsächlich zu dem ersehnten Friedensschluss, der aufgrund der Lage der beiden Verhandlungsorte – Osnabrück und Münster – als „Westfälischer Frieden“ in die Geschichte einging.

Das für die europäische Geschichte bedeutsame Ereignis jährt sich 2023 zum 375. Mal. Deshalb wird in vielen Orten daran erinnert. Die Historikerin Liane Schmitz wirft aus diesem Anlass einen Blick auf die Situation in Lüdinghausen am letzten Jahreswechsel vor dem Friedensschluss.

Damals war Henrich Hörde bereits 25 Jahre lang der Rentmeister auf der Burg Lüdinghausen. Er war vom Domkapitel Münster angestellt und sollte die Herrschafts-, Verwaltungs- und Wirtschaftsinteressen des Gremiums in der „Herrlichkeit Lüdinghausen“ wahrnehmen.

Rentmeister obliegt die Aufsicht

Damals bildeten Burg, Stadt (heutige Altstadt) und (in etwa) die Bauerschaften Elvert, Bechtrup, Aldenhövel und Westrup das „Amt Lüdinghausen“. Der Rentmeister hatte – in allen wesentlichen Dingen nach Absprache mit dem Domkapitel – darauf zu schauen, dass zum Beispiel die Lüdinghauser Bürger sich an die Gesetze und Vorgaben hielten. Dazu oblag ihm die Aufsicht über die zahlreichen eigenhörigen (leibeigenen) Häuser und Höfe in der Stadt und den Bauerschaften. Hier waren die jährlichen Abgaben, Pachtgelder, die sonstigen zu leistenden Dienste und die Abgaben aus besonderen Anlässen, beispielsweise im Erbfall oder beim Einzug einer neuen Ehefrau, einzutreiben. Natürlich hatte Hörde auch für die Sicherheit der Wege und der Burg selbst zu sorgen.

Wenn Mitglieder des Domkapitels in Lüdinghausen übernachten wollten, musste er sie und die begleitenden Tiere unterbringen und versorgen. Deshalb musste er auch darauf achten, dass „Betten, Leinwand und Kissen“ nicht von den Mäusen angeknabbert wurden.

30 Reichstaler Jahresgehalt

Des Rentmeisters Wohnsitz war auf der Burg. So durfte er die Küche, die hinterste Stube, die Unter- und die Oberkammer sowie die Vorburg nutzen. Wie eine Entgeltaufzählung zeigt, betrieb er eine nicht unerhebliche eigene Landwirtschaft. So sollte er neben 30 Reichstalern jährlich an Gehalt, das Recht zur Nutzung eines großen Gartens und von fünf Kuhweiden haben. Darüber hinaus erhielt er zehn Reichstaler jährlich für Raufutter und Hufbeschlag, den blutigen Zehnten (Abgabe auf Tierbesitz) von vier großen Höfen, zwei Schafe, zwei Gänse, 40 Hühner, zwei feiste Schweine, 70 Fuder Brennholz sowie „alle Pacht­eier“. Außerdem standen ihm 50 Leibdienste und das Recht, Schweine und Rindvieh in die Markenwälder zu treiben, zu.

Liane Schmitz

Ehemalige Stadtarchivarin

(Fortsetzungen folgen)

Startseite