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Friseure rotieren vor dem neuerlichen Lockdown

Im Akkord schneiden bis zum Cut

Lüdinghausen

Waschen, Schneiden, Fönen, Legen - die Friseure hatten am letzten Tag vor dem Lockdown viel zu tun. Drei Friseure berichten den WN, wie sie und ihre Mitarbeiter in dieser Zeit ihrer Kundschaft mit frischem Haarschnitt das Weihnachtsfest verschönen.

Florian Levenig

Im Salon Vosswinkel wurde vor dem Lockdown noch so mancher Kopf aufgehübscht. Foto: Peter Werth

Es ist: der pure Stress. Ein Wunder fast, dass die Friseure vor Ort überhaupt Zeit haben, zwischen Waschen, Schneiden, Legen, Färben, Fönen und Kunden vertrösten, die keinen Termin mehr bekommen haben, am Tag vor dem nächsten Lockdown auch noch nervige Reporterfragen zu beantworten.

Kirsten Schick wirkt, bei allem Trubel, beinahe aufgeräumt. Nie die Fassung verlieren: Für eine Dienstleisterin im Umgang mit Menschen ist das Teil des Jobs, klar. Allerdings machten ihr die Kunden die Arbeit in schwierigen Zeiten so leicht wie eben möglich: „Die sind alle total verständnisvoll“, lobt die Inhaberin des Salons Vosswinkel. Schick und ihre Mitarbeiter schuften im Akkord. Am Montag, eigentlich Ruhetag, gab’s den ersten Haarschnitt um 8.30 Uhr und den letzten nach 21 Uhr. „Heute wird es vermutlich noch später“, seufzt Schick am Dienstagvormittag.

Da es bereits vergangene Woche Anzeichen für den neuerlichen Shutdown gab, „haben wir wie wild telefoniert und etliche Termine vorgezogen“. Ob die Politik die Friseure nicht eher hätten vorwarnen können? „Etwas mehr Vorlauf wäre sicher wünschenswert gewesen“, findet die Unternehmerin. Aber: „Jeder sieht doch, was in diesen Tagen los ist. Die Gesundheit steht nun mal an erster Stelle.“

Auch im Salon Höhmann (vormals Denter) rotieren seit Montag Renate Höhmann und ihre Kollegen. Der Verdienstausfall in den drei Tagen vor Heiligabend sei nicht so dramatisch. „Bis Samstag hätten wir aber schon gern weitergearbeitet“, erklärt die Chefin des Hauses. Über 20 Kunden pro Tag – insgesamt etwa 150 – musste sie absagen. Den wirtschaftlichen Schaden beziffern kann Höhmann noch nicht, „dafür habe ich gerade keinen Kopf“. Höhmann hofft aber wie Schick, dass das Land den Friseuren ähnlich schnell und unbürokratisch unter die Arme greife, wie das im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, der Fall gewesen sei.

Mögliche finanzielle Hilfen sind auch für Herbert Buerbank („Frisör Herbert“) gerade nicht das drängendste Problem: „Die haben wir schon im März, April nur in einem sehr geringen Umfang in Anspruch genommen.“ Überhaupt kämen die Gelder nicht (immer) dort an, wo sie wirklich gebraucht würden, merkt der Lüdinghauser, der vorgestern elf Stunden auf den Beinen war, kritisch an: „Es ist ja auch einfacher, die Hand aufzuhalten, als vorausschauend zu wirtschaften.“

Obwohl das öffentliche Leben zunächst nur bis zum 10. Januar stillsteht, „gehe ich davon aus, dass wir eher um den 19. herum wieder öffnen – falls es das Infektionsgeschehen zulässt“. Böse Kommentare von abgewiesenen Kunden habe es an den vergangenen Tagen trotzdem nur vereinzelt gegeben. Wenn etwa jemand nicht verstehe, „dass wir sie oder ihn nicht ,mal eben dazwischenschieben‘ können.“

Eine Sache möchte Buerbank bei aller Terminhatz noch loswerden: „Ich wünsche mir, dass unsere Arbeit künftig etwas mehr wertgeschätzt wird.“ Ein Haarschnitt zum Dumpingpreis? Der sei schon vor Corona nicht seriös darstellbar gewesen.

Und was machen die, denen ein Besuch beim Haarstylisten ihres Vertrauens vor dem Fest verwehrt bleibt? Persönlich schnibbeln? „Von Selbstversuchen mit Schere und Farbe rate ich dringend ab“, erklärt Schick. Sollte der Pony über die Feiertage etwas zu lang geraten, könne eine schlichte Spange helfen. „Alles andere“, verspricht sie, „reparieren wir 2021.“

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