Michaela Backes arbeitet für deutschen Bootsversicherer in Australien

In Sydney vor Anker gegangen

Ascheberg

Sie ist mit der Ascheberger Vorwahl groß geworden. Mittlerweile ist sie Michaela Backes fremd geworden. Sie lebt schließlich am anderen Ende der Welt.

Theo Heitbaum

 Der Blick ins Facebook-Album zeigt eine zufriedene Aschebergerin, die mit zwei Kindern und ihrem inzwischen dritten Partner in Australien arbeitet und lebt. Foto: privat

„2593, genau. Man ist das lange her, dass ich eine Telefonnummer mit der Ascheberger Vorwahl gewählt habe.“ Michaela Backes meldet sich vom anderen Ende der Welt. Die gebürtige Aschebergerin lebt seit 16 Jahren in Australien. Im Gespräch kommen schnell Erinnerungen an ihren Geburtsort hoch: „Die ersten Jahre habe ich auf der Sandstraße gewohnt. Ludwig Jürgens hat meinen ersten Bienenstich mit Alkohol desinfiziert. Seine Schwester Cornelia war meine Babysitterin. Und bei Erkmann habe ich gelernt. Ich durfte immer Änne Jürgens fahren.“ Als sie später auf dem Berg wohnte, investierte sie viel Zeit in den Pferdesport. Als Springreiterin war sie unter ihrem Mädchennamen Michaela Claes den Kollegen im RV „St. Hubertus“ Ascheberg weit voraus. Ab 1992 – an das Jahr erinnert Backes sich genau, weil zwei Tage später ihr Erfolgspferd Frühlingsblume einging – war sie für den RV Werne am Start. In Werne war sie erstmals verheiratet - mit Zahnarzt Georg Jandt. Bis sie dann Uwe Backes kennenlernte und 2003 am anderen Ende der Welt eine neue Heimat fand.

Michaela Backes lebt in Sydney, nicht weit vom Strand. Seit 2007 ist sie für den deutschen Bootsversicherer Pantaenius Yacht Insurance, der weltweit agiert, im Einsatz. „Ich habe das Versicherungsgeschäft in Australien aufgebaut, heute sind wir 16 Mitarbeiter“, berichtet Backes. Die Arbeit verschlingt Down Under viel Zeit. Es ist auch für Frauen normal, nach Geburten schnell wieder zu arbeiten. „Die Kleinsten sind acht Wochen alt“, berichtet Backes und kann es nicht ganz verstehen. Sie selbst hat Tochter Franzi mit nach Australien gebracht. Sie ist 22 Jahre alt, Sohn Miles bringt es auf elf Jahre. „Ich habe mir damals mehr Zeit gelassen und bin erst nach 15 Monaten und drei Tagen wieder zur Arbeit gegangen, blickt Backes zurück.

Mit dem Reiten hat die gebürtige Aschebergerin Schluss gemacht: „Ich habe schon einige Male darüber nachgedacht. Aber zwei Pferde einfach so zu reiten, ist nicht mein Ding“, würde sie Wettkämpfe vermissen. Weil sie nah am Wasser lebt, gehört Wassersport zu den bevorzugten Aktivitäten: Schwimmen, Boot fahren, Wasserski und einfach das Strandleben genießen. Als Mutter ist sie mit den Kindern beim Fußball und Rugby.

Das Leben in Australien erlebt die Deutsche, die sie immer noch ist, völlig entspannt: „Hier fährt mir im Einkaufsmarkt niemand mit dem Einkaufswagen in die Hacken, bei einer Schlange an der Kasse wird nicht gemeckert. Wenn die Kinder zum Schulbus gehen, muss man sich keine Sorgen machen. Da wird nicht gedrängelt.“ Backes berichtet, dass „Schein und Sein“ eine viel kleinere Rolle als in Deutschland spielen: „Da hat man einen Mann mit zerrissener Hose und Flip Flops im Laden vor sich, der steigt dann in ein teures Auto. Das war ihm nicht anzusehen. So etwas ist den Australiern nicht wichtig.“ Kinder werden viel stärker beim Ausleben ihrer Kreativität und ihrer Talente gefördert. Deswegen, glaubt Backes, ist das Land mit 24 Millionen Einwohnern auch so erfolgreich im Sport. Kinder schwimmen schon mit vier Jahren, allerdings ohne den Druck, den Eltern in Deutschland gerne machen. Dazu ein angenehmes Wetter, oft blauer Himmel – es lässt sich leben in Australien.

Das haben bei Besuchen auch Freunde aus Deutschland mitbekommen. Die Stieftöchter Christine und Bettina waren da, aber auch andere Gäste. Zudem trifft Backes häufig junge Deutsche, die für ein Jahr im Land der Kängurus unterwegs sind. Selbst ist sie etwa jedes Jahr bis anderthalb Jahre in Deutschland. Dann geht es zum Firmensitz nach Hamburg, aber auch nach Werne und Hagen, oder zu den Brüdern, von denen einer in Ottmarsbocholt lebt. Ascheberg steht seltener auf dem Programm. Aber die Erinnerungen an „eine schöne Kindheit, die ich nicht missen möchte“ werden mit jedem Stichwort lebendiger.

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