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Freie Christengemeinde „Gottes Wort“ unternimmt Hilfstransporte in die Ukraine

Krieg wird noch lange dauern

Lüdinghausen

Seit Kriegsbeginn im Februar unterstützt die Kirchengemeinde „Gottes Wort“ die Menschen in der Ukraine. Pastor Andrej Stukert berichtet über die Not vor Ort und die Hilfe auch aus Lüdinghausen.

Von Peter Werth

Ivan Stukert ist regelmäßig mit Hilfstransporten in der Ukraine. Foto: Stukert

Bereits unmittelbar nach dem Überfall der russischen Streitkräfte auf die Ukraine im Februar hat die Hilfe der Freien Christengemeinde „Gottes Wort“ für Menschen in dem Land begonnen. Mittlerweile seien 32 Lkw mit Hilfsgütern in dem osteuropäischen Staat angekommen. Menschen in 80 Orten seien versorgt worden. „Vor allem in den kleinen Dörfern wird Hilfe dringend benötigt“, erklärt Andrej Stukert, seit acht Jahren Pastor der Gemeinde in Lüdinghausen. Auf seinem Smartphone zeigt er Dutzende Fotos von zerstörten Häusern und Menschen in Schlangen, die auf das Verteilen dringend benötigter Lebensmittel warten.

Die Transporte in die Ukraine begleitet immer wieder auch sein Bruder Ivan. Der ist Vorsitzender des Vereins „Helping Hands“, der die Hilfsaktionen koordiniert. Die Transporte starten in Bochum. Die Ruhrpottstadt hat eine Partnerschaft mit der ukrainischen Stadt Donezk in der heftig umkämpften Region Donbass. Auch die Stadt Bochum unterstütze die Hilfsmaßnahmen, sagt Andrej Stukert.

Viele Dörfer sind komplett zerstört

Vor allem in den kleineren Orten gebe es zunehmend mehr Obdachlose, berichtet der Pastor von Erzählungen seines Bruders. Viele Dörfer seien durch die russischen Bombardements nahezu komplett zerstört. Es fehle fast alles für das Überleben wichtige – vor allem sauberes Wasser. In der Region Saporischschja habe „Helping Hands“ so etwas wie „Essen auf Rädern“ auf die Beine gestellt. „Wir bringen den Menschen, die ohne ein Dach über dem Kopf sind, Lebensmittel“, erklärt Stukert.

Verlassen könnten sich die Helfer der Christengemeinde bei ihren Aktivitäten auf ein stetig wachsendes Netzwerk örtlicher Unterstützer. Die Verbindungen reichten bereits bis ins Jahr 2014 zurück – damals annektierte Russland die Halbinsel Krim. „Wir pflegen zudem regelmäßige Kontakte zu den Bürgermeistern der Städte dort“, sagt der 41-Jährige, der selbst vor vier Jahren das letzte Mal in der Ukraine war.

Auch unter den Unterstützern vor Ort habe es bereits Tote gegeben, berichtet Stukert. „Sieben Männer sind ums Leben gekommen“, berichtet er traurig. Deren Familien wurden mit Geldern auch aus Lüdinghausen unterstützt, nicht zuletzt durch eine Spendenaktion von Sekundarschülern die (WN berichteten). „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont der Pastor.

Gemeindemitglieder unterstützen Flüchtlinge vor Ort

Aber auch in der Steverstadt selbst unterstützen die Gemeindemitglieder Flüchtlinge aus der Ukraine. So seien sie nicht nur als Dolmetscher im Einsatz, sondern leisteten auch Hilfe bei Behördengängen, Arztbesuchen oder dem Ausfüllen von Dokumenten, listet er auf. Außerdem leisteten sie bei Anmeldungen in Kita und Schule oder beim Kauf eines Autos wertvolle Unterstützung.

Ein baldiges Ende des Krieges erwartet Stukert nicht: „Es wird noch lange dauern.“ Die dramatische Situation in der Ukraine werde sich auch kaum ändern, wenn die Waffen schwiegen. Es sei einfach zu viel zerstört worden, die Infrastruktur in den verheerten Gebieten liege komplett am Boden. Der Wiederaufbau werde viele Jahre dauern.

Wer die Aktivitäten der Kirchengemeinde unterstützen will, kann spenden an: Gemeinde Gottes Wort Lüdinghausen, IBAN: DE 35 45 26 04 75 00 12 63 6701, Stichwort: Hilfe für Ukraine. Wer Fragen zu benötigten Hilfsgütern hat, kann sich an Andrej Stukert wenden (01 60/98 37 93 11). Abgabemöglichkeiten gibt‘s freitags von 16 bis 18 Uhr bei der Kirchengemeinde (Vogelrute 5).

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