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Welttag des Händewaschens

Lieber einmal mehr die Hände waschen

Lüdinghausen

Gaby Täger ist am St.-Marien-Hospital für die Hygiene und die Infektionsprävention zuständig. Zum WHO-Welttag des Händewaschens gibt sie im Gespräch mit den WN Tipps, wie man sich im privaten Umfeld durch die richtige Handhygiene vor Ansteckung schützen kann.

Beate Nießen

Weiß, wie man sich durch richtiges Händewaschen vor Krankheiten schützen kann: Gaby Täger. Handseife. Die sollte aber in jedem Fall aus einem Spender kommen. Foto: ben

„Geh dir bitte die Hände waschen, bevor du zum Essen kommst!“ Wer hat diesen Ausspruch als Kind nicht von den Eltern zu hören bekommen und ist dann murrend ins Badezimmer getrabt, obwohl der Magen nach der Schule schon laut und vernehmlich knurrte? Dass dieses Pochen auf Handhygiene keineswegs in die Schublade nerviger Elternsprüche gehört, sondern vielmehr auch im Erwachsenenalter noch Sinn macht, davon zeugt schon die Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor acht Jahren extra den „Internationalen Hände-Waschtag“ ins Leben gerufen hat. Seitdem wird immer am 15. Oktober mit zahlreichen Aktionen weltweit auf die Bedeutung von Handhygiene für die Gesundheit aufmerksam gemacht. Wie ein solche Hygiene im besten Falle aussieht und ob sie tatsächlich vor Krankheiten schützen kann, darüber hat sich unser Redaktionsmitglied Beate Nießen mit Gaby Täger, Gesundheits- und Fachpflegerin für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am St.-Marien-Hospital, unterhalten.

Als wir uns gerade begrüßt haben, haben Sie mir ohne Zögern die Hand gegeben. War das nicht riskant?

Gaby Täger: ( lacht ) Nein, sicher nicht. Auf Hygiene zu achten, bedeutet ja nicht unhöflich zu sein. Allerdings gibt es schon Situationen, in denen man auf den Handschlag verzichten sollte. Beispielsweise wenn man selbst gerade krank ist und andere nicht anstecken möchte.

Lässt sich durch normales Händewaschen denn tatsächlich eine Ansteckung vermeiden?

Täger: Natürlich gibt es keinen absoluten Schutz, aber durch das gründliche Waschen mit Wasser und Seife lassen sich immerhin 85 bis 90 Prozent der Keime, die wir an unseren Händen haben, abwaschen. Das betrifft Viren genauso wie Bakterien oder Pilze inklusive ihrer Sporen.

Gaby Täger

Braucht es für diesen Zweck eine besondere Art von Seife? Oder sollte man nicht besser eine Desinfektionslösung benutzen?

Täger: Nein, für den privaten Gebrauch reicht eine ganz normale Handseife aus. Es sei denn, es befinden sich immungeschwächte Personen im Haushalt. Dann wäre eine zusätzlich Händedesinfektion schon angebracht, um verbliebene Mikroorganismen zu inaktivieren und eine Keimübertragung über die Hände sicher zu vermeiden. Beim Thema Seife gilt aber eine wichtige Regel: Bitte keine Seifenstücke benutzen! Die liegen dann in einer Pfütze auf dem Waschbeckenrand und bilden einen prima Nährboden, auf dem sich Keime ausbreiten können. Stattdessen also lieber flüssige Seife aus einem Spender verwenden.

Gaby Täger

Wo wir gerade bei den ganz praktischen Tipps sind: Reinigt heißes Wasser beim Händewaschen eigentlich besser als kaltes?

Täger: Das gilt sicher für die Wäsche in der Maschine, für die Hände aber nicht. Um mögliche Keime auf der Hautoberfläche durch Hitze abzutöten. müsste man die Hände mindestens zehn Minuten lang unter kochend heißes Wasser halten. Das ist wohl kaum empfehlenswert. Vielmehr reicht kaltes oder lauwarmes Wasser, um die Keime mit Hilfe der aufgeschäumten Seife von den Händen abzuwaschen. Darüber hinaus strapaziert heißes Wasser nur unnötig die Haut, die dem Körper ja als Schutzbarriere dient und deswegen immer gepflegt werden sollte.

Mal abgesehen von dem Seifenstück, gibt es noch andere Fallstricke bei der Handhygiene?

Täger: Na, wenn zum Beispiel mehrere Personen nach dem Händewaschen zum Abtrocknen das gleiche Handtuch nutzen, und das vielleicht auch noch mehrere Tage lang. Stattdessen sollte jeder sein eigenes Handtuch haben. Oder man weicht auf kleine Gästehandtücher aus. Die wandern am Ende des Tages dann in den Wäschekorb.

Und wenn ich jetzt raten darf, sollten die möglichst nicht nur bei 30 Grad gewaschen werden, oder?

Täger: Allerdings. Nein, im Ernst, Keime lassen sich erst ab einer Temperatur über 60 Grad beim Waschgang abtöten. Energieeffizienz hin oder her, da ist der gute alte Kochwaschgang immer noch das wirksamste Mittel.

Gaby Täger

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wenn man wie Sie jeden Tag beruflich mit Hygiene und dem Schutz vor Infektionen zu tun hat, kann man dann noch sorglos eine öffentliche Toilette nutzen oder einen Weihnachtsmarkt besuchen?

Täger: Sagen wir mal so, eine öffentliche Toilette versuche ich in jedem Fall zu meiden. Und auf dem Weihnachtsmarkt schaue ich schon genau hin, ob die Glühweintassen in einer richtigen Spülmaschine landen oder nur einmal durchs lauwarme Spülwasser gezogen werden.

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