Caritas Werkstätten

Mit dem Segen von ganz oben

Seppenrade

In den Caritas-Werkstätten in Seppenrade werden Menschen begleitet und gefördert, die aufgrund ihrer Einschränkungen nur schwer auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen. Doch sie brauchen auch abseits des Themas „Job“ eine besondere Unterstützung.

Beate Nießen

Vor der imposanten Eiche im Garten der Caritas-Werkstatt, Betriebsstätte InduTex (v.l.): Werkstattleiter Markus Döpker mit Birgit Wennemar und Ralf von der Halben. Foto: ben

Birgit Wennemar und Ralf von der Halben sind keine Geistlichen und sie wollen das auch gar nicht sein. Ihr Ziel ist es auch nicht, aus den Beschäftigten der beiden Caritas-Werkstätten in Seppenrade künftig besonders fromme Christen zu machen. Dennoch haben sie gerade eine Ausbildung zum „seelsorglichen Begleiter“ durch das Bistum Münster absolviert. Warum das?

Ausbildung zum „seelsorglichen Begleiter“

„Wir betreuen hier Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder wegen einer mehrfachen Behinderung im ersten Arbeitsmarkt nur schwer eine Chance haben“, antwortet von der Halben, der in der Einrichtung in Tetekum arbeitet. „Dabei kommt es immer wieder zu Situationen, in denen wir unsere Klienten besonders unterstützen müssen und das auch wollen.“ Das könne beispielsweise bei der Bewältigung eines Todesfalls sein. „So etwas ist schon für gesunde Menschen nicht einfach. Menschen mit Behinderungen tun sich aus unterschiedlichen Gründen damit oft noch schwerer.“ Aber auch Konflikte untereinander, fehlende soziale Kontakte im Privatleben oder übergroße Selbstzweifel könnten für die Betroffenen belastend sein.

Birgit Wennemar

„Da wir mit ihnen hier am Arbeitsplatz viele Stunden am Tag verbringen und sie so intensiv kennenlernen, merken wir sofort, wenn etwas nicht stimmt“, ergänzt Wennemar. Bislang habe man sich in solchen Situationen oft auf sein Bauchgefühl verlassen „und dabei sicher auch vieles richtig gemacht.“ Aber durch die zusätzliche Qualifikation könne man nun auf ein breiteres Instrumentarium zurückgreifen. Eines dieser „Instrumente“ sei beispielsweise im Rahmen ihrer Abschlussarbeit entstanden. Dabei handelt es sich um eine Tasche mit „Impuls-Materialien“, die sie entwickelt hat. „Impulse sind Momente, die wir künftig anbieten wollen, in denen die Mitarbeiter zur Ruhe kommen und ihren Gedanken Raum lassen können“, erklärt Wennemar. Dazu gehörten auch gemeinsam gesungene Lieder oder das Vorlesen von Textpassagen.

Brücke zu den Kirchengemeinden vor Ort

Für von der Halben, der sich in seinem Wohnort Nordkirchen schon seit vielen Jahren auch privat in der Kirchengemeinde aktiv engagiert und bislang bereits den Weihnachtsgottesdienst in den Werkstätten vorbereitet hat, war es daher keine Frage, das Angebot der zusätzlichen Qualifikation durch das Bistum anzunehmen. Drei Stunden pro Woche sind Wennemar und von der Halben künftig für ihre seelsorgliche Arbeit in den Werkstätten freigestellt. „Das ist aber im Grunde eher ein Zeitkontingent, das sie flexibel, je nach Bedarf einteilen können“, betont Werkstättenleiter Markus Döpker, der sich freut, nun in Wennemar und von der Halben zwei zusätzlich geschulte Ansprechpartner für die Beschäftigten zu haben. Darüber hinaus sollen sie aber auch eine Brücke zu den Kirchengemeinden vor Ort schlagen. Erste Gelegenheit wird es dazu bei der Messe geben, in der sie von Pfarrer Benedikt Elshoff die „kirchliche Beauftragung“ für ihre seelsorgliche Arbeit bekommen werden. Ohne den offiziellen Segen von oben geht es nämlich doch nicht.

Caritas-Werkstätten

Die Caritas-Werkstatt Lüdinghausen verfügt über 230 Werkstattplätze für Menschen mit geistiger Behinderung, Körperbehinderung und schwerst mehrfacher Behinderung sowie psychischer Erkrankung. Sie verteilen sich derzeit auf die beiden Standorte Tetekum und InduTex. Die Werkstätten bieten denjenigen Menschen, die wegen Art oder Schwere ihrer Behinderungen nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können, eine Beschäftigung entsprechend ihrer Möglichkeiten an. Die Ziele liegen in der Vermittlung einer angemessenen beruflichen Bildung sowie arbeitspraktischer Kenntnisse und der Förderung des Übergangs auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

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