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Wie sich das Wetter auf die (Honig-)Ernte auswirkt

Nasser Sommer tut den Bienen gut

Lüdinghausen

Auch Bienen sind wetterfühlig. Das kalte Wetter zur Obstblüte hat den Imkern deshalb eine schwache Frühjahrsernte beschert. Im nassen Sommer sah es viel besser aus. Herbert Webering und Eva Haas-Webering vom Imkerverein Lüdinghausen erklären die Hintergründe.

Von Heidrun Riese

Herbert Webering und seine Frau, Eva Haas-Webering, nehmen eine Brutwabe in Augenschein. Unter den vielen Bienen, die sich darauf tummeln, sticht eine optisch heraus – es ist die Königin (kl. Bild). Foto: Heidrun Riese

Das kalte Frühjahr und der nasse Sommer drücken bei vielen Menschen auf die Stimmung. Auf das Verhalten der Bienen nimmt das Wetter, das so ganz anders ist als in den vergangenen Jahren, ebenfalls seinen Einfluss – mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Honig-und auch auf die Obsternte. Wie und warum? Das erklären Herbert Webering und Eva Haas-Webering vom Imkerverein Lüdinghausen.

„Es war viel zu lange viel zu kalt“, beschreibt der Gründer der Imker-Sprechstunde und Leiter des Lehrbienenstandes im Biologischen Zentrum ein „für die Natur sehr ungewöhnliches Frühjahr“. Mit der Folge, dass manche Bäume und Sträucher voller Früchte sind und andere nicht so sehr – je nachdem, wo sie stehen. „Glück hat da, wer Bienenvölker in seiner Nähe hat“, betont Herbert Webering. Denn bei niedrigen Temperaturen wie in diesem Jahr zur Zeit der Obstblüte im April/Mai fliegen Bienen nämlich nur in einem Radius von etwa 500 bis 800 Metern um ihren Stock herum, und auch bevorzugt in den warmen Mittagsstunden. „Bei normaler Witterung wären es drei bis dreieinhalb Kilometer“, verdeutlicht Eva Haas-Webering den Unterschied.

Bienen ab zwölf Grad auf Betriebstemperatur

Während es die Biene also warm mag, erst ab etwa zwölf Grad auf Betriebstemperatur kommt, ist die Hummel bereits ab drei Grad startklar. Auch sie bestäubt, aber: „Die Hummel ist nicht blütentreu“, erklärt Herbert Webering. „Das bedeutet, dass sie zum Beispiel von der Stachelbeere zur Kirsche fliegt. Da passiert dann natürlich nichts.“ Die Biene hingegen bleibt derselben Art von Blüte treu, solange sie etwas hergibt. Übrigens: Um zu gucken, wo für ihr Volk gerade etwas zu holen ist, fliegen Spürbienen hinaus und teilen dem Stock – mit zur Blütezeit etwa 30 000 bis 40 000 der Fluginsekten – die Ergebnisse ihrer Erkundungstour mit. Beeindruckend, findet Herbert Webering: „Die Natur ist sehr intelligent.“

Was die Honigernte betrifft, war das Frühjahr für viele Imker schwach. „Wer Pech hatte, konnte gar nichts ernten“, berichtet Eva Haas-Webering. „Wer Glück hatte, musste sich mit fünf bis zehn Kilo zufrieden geben.“ Anders sieht es bei der Sommerernte aus. „Die war in diesem Jahr zumeist gut“, berichtet Eva Haas-Webering und ergänzt: „Eine gute Ernte bedeutet etwa 15 bis 20 Kilo pro Volk.“

Auch da spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. „In den vergangenen drei Sommern waren die Temperaturen zwar sehr hoch. Aber“, erklärt die Imkerin, „durch die extreme Trockenheit, auch durch den überwiegenden Ostwind, ist der Nektar in den Blüten ausgetrocknet. Jetzt haben wir einen für die Bienen und die Natur sehr wichtigen feuchten Sommer. Den haben wir dringend gebraucht, um den Wasserhaushalt wieder ein bisschen auszugleichen.“

Imkerei ist Learning by doing

Mitten in den Ferien ist für die Bienen der Sommer schon zu Ende, zumindest in hiesigen Gefilden. „Hier in der Region ist die Tracht, so nennt sich die Blüte, bereits seit Mitte/Ende Juli vorbei, in höheren Lagen blüht noch die Brombeere“, informiert Eva Haas-Webering. „Jetzt ist eine gute Gelegenheit, Bienenvölker zu vermehren.“

Wie das funktioniert und was Bienen im Winter machen, darüber könnte sie viel erzählen. „Imkerei ist ein sehr schönes Hobby“, findet Eva Haas-Webering, Sie ist seit 2015 dabei und hat ihren Mann, der sich seit seiner Kindheit mit der Imkerei beschäftigt, am Bienenstand kennengelernt. „Jedes Jahr ist anders und es gibt kein Schema F, nach dem man verfahren könnte“, verrät sie. „Wissen aus Büchern ist interessant, muss aber durch Erfahrung und am besten durch Anleitung erlernt werden. Learning by doing, das gilt für die Imkerei wahrscheinlich noch mehr als für andere Bereiche. Und das Wissen, das man sich aneignet, ist sehr umfangreich.“

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