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Jahrestag von Wolfgang Borchert

13 Zitate an prominenter Stelle

Havixbeck/Nottuln

Wolfgang Borchert wäre am 20. Mai 100 Jahre alt geworden. Friedenskreis Havixbeck und Friedensinitiative Nottuln erinnern mit Bannern an den Mann, der gegen die Gewalt schrieb.

An prominenten Stellen hängen Mitglieder des Friedenskreises Banner mit Texten von Wolfgang Borchert auf (v.l.): Klaus-Gerd Greiff, Roger Reinhard und Dr. Christa Degemann-Lickes. Foto: FriedenskreisFi Nottuln

„Ihr Mütter in allen Erdteilen der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, dann gibt es nur eins: sagt Nein!“ Der deutsche Nachkriegsdichter Wolfgang Borchert schrieb mit seinem letzten Text „Dann gibt es nur eins!“ ein flammendes Vermächtnis gegen den Krieg. Am heutigen 20. Mai wäre Borchert 100 Jahre alt geworden. Der Friedenskreis Havixbeck (FK) und die Friedensinitiative Nottuln (FI) wollen mit einer besonderen Aktion an Wolfgang Borchert erinnern. 13 Zitate aus dem Stück „Dann gibt es nur eins!“ ließen die beiden Friedensorganisationen auf Banner drucken. Diese werden – in Absprache mit den Bürgermeistern Jörn Möltgen und Dr. Dietmar Thönnes – in den nächsten Wochen in Havixbeck und Nottuln an „prominenter“ Stelle aufgehängt. Mit dieser Aktion plädieren die beiden Organisationen noch einmal leidenschaftlich: „Stoppt die Kriege! Stoppt die Gewalt!“

Auch an der Fassade der Nottulner Gemeindeverwaltung hängt ein Banner mit einem Text von Wolfgang Borchert. Im Hintergrund schaut FI-Mitglied Heinz Böer. Foto: Fi Nottuln

Die Banner sind mit einem QR-Code ausgestattet, der auf einen Text im Internet hinweist. Dort stellt Dr. Christa Degemann-Lickes, Autorin und Vorsitzende des Friedenskreises Havixbeck, den Dichter und Pazifisten vor.

„Am 20. Mai 1921 wird Wolfgang Borchert in Hamburg-Eppendorf als einziges Kind seiner Eltern geboren.In der Schule heißt es über den heranwachsenden Lehrersohn, er sei schwatzhaft und „nicht immer in ernsten Dingen ernst genug“. Borchert war 18, als der Zweite Weltkrieg begann, ist 20, als er an die Ostfront eingezogen wird. Beim Angriff auf die Sowjetunion ist er dabei. Er schreibt über den Irrsinn des Krieges nach Hause. Wegen vorgeblicher Selbstverstümmelung wird er zum Tode verurteilt, dann zur Frontbewährung begnadigt. Es werden kriegskritische Briefe gefunden, die die Gestapo als Angriff auf Staat und Partei wertet. Wochenlange Haft, dann wieder an die Front. Krieg und Kerker zerstören seine Gesundheit. Mit Erfrierungen, Gelbsucht und Verdacht auf Fleckfieber kommt er in ein Seuchenlazarett. Eine Goebbels-Parodie bringt eine Anklage wegen Wehrkraftzersetzung. Es folgt Strafaufschub zwecks Feindbewährung.

Anklage wegen Wehrkraftzersetzung

Völlig entkräftet und krank kommt er im Mai 1945 zurück, Heimkehr in sein grausam zerstörtes Hamburg. Wenige Male kann er noch als Schauspieler auftreten, dann lässt dies seine Gesundheit nicht mehr zu. Aber er schreibt, krank, meist fiebernd, meist liegend. Er schreibt wie ein Besessener, er formuliert für viele seiner Generation das Gefühl der verratenen Jugend, verraten von allen, den lieben Gott eingeschlossen, beeindruckend dargestellt in dem Drama „Draußen vor der Tür“.

Er ist ein entschiedener Pazifist, das ist im Nachkriegsdeutschland schon sehr viel und trotz des gerade zurückliegenden Krieges selten und auch nicht unbedingt erwünscht... Und er hat nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft vorausahnend im Blick. Die Hamburger Kammerspiele haben die Uraufführung von „Draußen vor der Tür“ für den Totensonntag vorgesehen. Er stirbt einen Tag vorher, am 20. November 1947 im St. Clara-Spital zu Basel, im Alter von 26 Jahren.“

Gestorben im Alter von 26 Jahren

Friedenskreis und Friedensinitiative hoffen, dass die Borchert-Aktion gut angenommen wird: „Es ist gut, in diesen Tagen an Wolfgang Borcherts Mahnungen zu erinnern!“

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