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Alwine und Paul Offer feiern diamantene Hochzeit

60 gemeinsame Jahre – auch ohne Liebe auf den ersten Blick

Schapdetten

„Von wegen ‚Liebe auf den ersten Blick‘“: Bei Alwine und Paul Offer hat es ein wenig gedauert, bis es gefunkt hat. Dafür aber anhaltend: Seit inzwischen 60 Jahren sind die beiden Schapdettener inzwischen verheiratet. Und sie haben sich gemeinsam einiges aufgebaut.

Alwine und Paul Offer feiern am heutigen Mittwoch ein stolzes Jubiläum: Seit 60 Jahren sind die beiden verheiratet. Foto: Dieter Klein

Über die Rechnung des statistischen Bundesamts schütteln Alwine und Paul Offer nur bedauernd die Köpfe. Denn in Deutschland halten Ehen laut der Statistiker durchschnittlich nur 14,8 Jahre. Die beiden liebenswerten Schapdettener sind 83 und 88 Jahre alt – und schon seit 60 Jahren verheiratet. Am heutigen Mittwoch (16. Juni) feiern sie das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.

Für die Offers galt und gilt auch sicher nicht, was der Deutsche Filmrecke Curd Jürgens einst sang: „60 Jahre und kein bisschen weise . . .“. Denn was die beiden geschafft und sich während der gemeinsamen sechs Jahrzehnte in Schapdetten aufgebaut haben, wird auch heute noch weit über das Münsterland hinaus respektiert und gelobt.

Erst nach Jahren zum Standesamt

Paul, der Polsterermeister, einer von Generationen an Offers aus Schapdetten, lernte seine Alwine Ende der 50er-Jahre bei Verwandten kennen und irgendwann auch lieben. „Von wegen ‚Liebe auf den ersten Blick‘“, schmunzeln die beiden heute in Erinnerungen an die Zeit zurück, als das Dorf mit seinen 400 Einwohnern gerade mal ein Drittel seiner heutigen Größe hatte. Denn fast vier Jahre dauerte es noch, bis Paul erkannte, welch einen Diamanten seine Alwine verkörpert.

Die attraktive Dülmenerin reiste immer häufiger per Bahn, Fahrrad oder später auch mit Pauls Lambretta vom heimischen Merfeld nach Schapdetten an. „Zu Besuch bei Verwandten“, lächelt sie augenzwinkernd. Es dauerte also geraume Zeit, bevor sich die beiden damals gemeinsam zum Standesamt nach Nottuln aufmachten – und schließlich am 16. Juni 1961 auch zur kirchlichen Trauung in St. Antonius Merfeld.

Häuslebau am Humboldtweg und am Diekhoff

Dann kauften sich die beiden ein Grundstück am Humboldtweg. „Zum damaligen, noch sehr günstigen Preis von sieben Mark pro Quadratmeter.“ Auf dem entstand – mit großzügiger Unterstützung aller hiesigen Offers – in kurzer Zeit ein stattliches Haus, im Parterre mit Platz für eine Heißmangel für Alwine und Pauls Polster-Werkstatt. Die junge Familie vergrößerte sich bald: 1962 kam Sohn Peter, 1964 Christoph dazu. 1969 noch Britta. Und schon herrschte Enge.

Doch Paul, in seiner knappen Freizeit immer ein leidenschaftlicher Reiter, suchte und fand am Diekhoff ein Grundstück mit einer Wiese für seine Pferde. Folglich begann der Schapdettener Offer-Clan Mitte der 80er-Jahre am Diekhoff mit dem Bau eines neuen schmucken Domizils. Auch mit mehr Platz für Alwine, die dank ihrer Schneider- und Nähkünste nun täglich an Pauls Seite in der Polsterei mitarbeitete.

Sohn führt inzwischen die Polsterei

Die Jahre flogen dahin. Paul Offers Ruf als Meister seines Fachs wuchs weit über die Landesgrenzen hinaus. Noch heute posieren Kunden von Münster bis Düsseldorf stolz mit den Meisterwerken aus Schapdetten. Jetzt kann und will Paul Offer nicht mehr. Das Alter fordert seinen Tribut. Auch Alwine hat ihre überdimensionalen Nähmaschinen abgedeckt, verwöhnt ihren Paul, kümmert sich immer noch um Haus, Küche und Garten, während Sohn Christoph die Polsterei weiterführt.

Die Planung der „Diamantenen“ steht. Nach einem Dank-Gottesdienst im Dorfkirchlein und einem Mittagsmahl in der Alten Post will das Jubelpaar am Wochenende im Diekhoff feiern – mit dem ganzen Clan, einschließlich sechs prächtig geratener Enkel.

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