Rupert-Neudeck-Gymnasium

Antrag ist bereits gestellt

Nottuln

Das Rupert-Neudeck-Gymnasium möchte UNESCO-Projektschule werden. Warum und mit welchen Konsequenzen? Und wie ist der Stand der Dinge? Die Presse-AG der Schule hat nachgehakt.

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Die Lehrerin Christine Kuthe ist UNESCO-Koordinatorin im Rupert-Neudeck-Gymnasium. Foto: Rupert-Neudeck-Gymnasium

Das Rupert-Neudeck-Gymnasium (RNG) möchte anerkannte UNESCO-Projektschule werden und ist auf einem guten Weg dorthin. Um mehr über die Beweggründe, Auswirkungen und den aktuellen Stand zu erfahren, haben Pia Büttner und Dorothee Sydow von der Presse-AG des RNG die Lehrerin und UNESCO-Koordinatorin Christine Kuthe interviewt. Diese organisiert am Gymnasium gemeinsam mit dem Arbeitskreis UNESCO, dem Eltern und Lehrer angehören, alles rund um das Thema UNESCO-Projektschule.

Wofür steht UNESCO?

Christine Kuthe: Der Begriff bedeutet „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“. UNESCO ist eine Sonderorganisation der UNO, die für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig ist. Deswegen sind Schulen geeignete Organisationen, um die Ziele der UNESCO in ihrem Rahmen zu verwirklichen. Maßgebend für die Arbeit der UNESCO sind die so genannten Nachhaltigkeitsziele, englisch „SDG“ abgekürzt, die wiederum einen besonderen Schwerpunkt im Bereich Bildung nach sich ziehen. Die Nachhaltigkeitsziele sind daher auch der ideologische und thematische Überbau für alle UNESCO-Schulen.

Wie viele Schulen sind bisher UNESCO-Schulen?

Christine Kuthe: In NRW gibt es bisher 22 anerkannte UNESCO-Projektschulen und weitere 22 so genannte interessierte oder mitarbeitende UNESCO-Projektschulen. Deutschlandweit sind es circa 300 anerkannte, mitarbeitende oder interessierte UNESCO-Projektschulen.

Was bedeutet es, eine UNESCO-Schule zu sein – welche Folgen und Vorteile hat das?

Christine Kuthe: Wenn man UNESCO-Schule sein will, muss man die sechs Säulen, die zum UNESCO-Profil gehören, verwirklichen, im Schulalltag, in der Unterrichtsgestaltung und in der Organisation. Dabei müssen nicht alle Säulen gleichermaßen umgesetzt werden. Jede Schule kann auf einzelne Säulen Schwerpunkte legen, man muss aber mindestens drei davon umsetzen.

Was sind das für Säulen?

Christine Kuthe: Zu den sechs Säulen zählen Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung, da sind wir sehr stark, wir haben zum Beispiel eine ganz starke Schülervertretung, den Schülerhaushalt oder nehmen an Projekten wie „Demokratisch handeln“ teil. Das ist eine der Säulen, die wir sicherlich sehr gut ausfüllen. Dann gibt es noch die Säule des interkulturellen Lernens. Das haben wir in Form von Schüleraustauschen oder von Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern, die hier ein Jahr verbringen. Außerdem haben wir die Sprachfördergruppe, die bei uns sehr präsent ist. Die Schüler der Sprachfördergruppe bilden einerseits eine eigene Gruppe für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache, sie werden aber auch in Regelklassen integriert. Damit ist natürlich auch ein entsprechender organisatorischer Aufwand verbunden. Umwelterziehung ist dann auch eine Säule, die bei uns sehr gut umgesetzt wird, wir haben zum Beispiel die Streuobstwiesen, arbeiten mit dem Hof Schoppmann in Darup zusammen, und jetzt ganz aktuell wird das Projekt „Red-use“ durchgeführt, wo es um den Umgang mit den Ressourcen unserer Erde geht. Globales Lernen, die fünfte Säule, also in globalen Zusammenhängen zu denken, oder zum Beispiel die Bedeutung internationaler Begegnungen zu erkennen und zu pflegen, behandeln wir im Unterricht immer wieder, ist jetzt aber kein Schwerpunkt in diesem Sinne. Die letzte Säule wäre die UNESCO-Welterbe-Erziehung. Dazu haben wir bis jetzt noch nicht so viel gemacht. Da bietet es sich an, mal Ausflüge zu Weltkulturerbestätten zu machen, zum Beispiel zur Zeche Zollverein Essen, wo ja auch einige schon mal waren. Ein Schwerpunkt in diesem Sinne ist es bisher nicht.

Warum will unser Gymnasium eine UNESCO-Projektschule werden?

Christine Kuthe: Als erstens wollen wir ein Profil haben, dass uns von anderen Schulen unterscheidet, das den Geist der Schule prägt und die Schüler und Schülerinnen motiviert, sich auch über den Unterricht hinaus zu engagieren, sowie viele neue Möglichkeiten eröffnet. Wenn man UNESCO-Projektschule ist, sei es nun interessierte oder mitarbeitende, dann gehört man auch zu einem Netzwerk, in dem man sich austauscht. Auf lokaler Ebene haben wir da zum Beispiel die Primus Schule in Münster oder das Schillergymnasium in Münster. Wir tauschen uns immer wieder aus und überlegen Möglichkeiten der Kooperation und wie man voneinander profitieren kann. Zudem gibt es auch Schülertagungen. Einzelne Schüler und Schülerinnen, die sich dafür interessieren, können an Schülertagungen zu verschiedenen Themen und in verschiedenen Städten, teilweise auch anderen Ländern, teilnehmen und sich dort mit anderen Schülern austauschen. Das macht viel Spaß und bereichert auch sehr. Gleichzeitig ist UNESCO einfach auch eine gute Leitlinie für die Gestaltung der Schule als solche. Also für grundsätzliche Fragen wie „Wie wollen wir denn Unterricht gestalten?“, „Wo sollen Schwerpunkte sein?“ oder „Wie können wir die Schüler am besten mitnehmen und beteiligen?“

Wie weit sind wir in dem Prozess, eine UNESCO-Projektschule zu werden und wie läuft dieser Prozess eigentlich ab?

Christine Kuthe: Wir waren jetzt zwei Jahre interessierte UNESCO-Projektschule und haben dann den Antrag gestellt, mitarbeitende UNESCO-Projektschule zu werden. Das ist also der nächste Schritt, bevor man, wieder etwa nach zwei Jahren, den Antrag auf anerkannte UNESCO-Projektschule stellen kann. Man muss aber immer kontinuierlich die Säulen und den Geist von UNESCO erfüllen. Man muss auch jedes Jahr einen Bericht an die deutsche UNESCO-Kommission schicken, der zeigen soll, inwiefern man den Kriterien und Ansprüchen auch gerecht geworden ist. Für den Antrag auf mitarbeitende UNESCO-Projektschule mussten wir in der Lehrerkonferenz einen Beschluss fassen, ebenso die Schulkonferenz. Zudem müssen die Ideen, die mit UNESCO-Projektschulen verbunden sind, im Schulprogramm verankert sein. Das haben wir alles gemacht. Wir haben noch keine Antwort, aber wir gehen davon aus, dass es klappt.

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