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Klimaliste zum geplanten Agravis-Logistikzentrum

„Aufbruch in die Vergangenheit“

Nottuln

Die Klimaliste Nottuln reagiert mit einer kritischen Einschätzung auf das Großprojekt eines neuen Logistikzentrums in Nottuln. Mit diesem Projekt werde sich die Gemeinde vom Ziel der Klimaneutralität entfernen.

Im Anschluss an das bestehende Gewerbegebiet Beisenbusch soll das neue Logistikzentrum angesiedelt werden. Foto: Jürgen Christ/Stepmap

Zu den Plänen der Agravis Raiffeisen AG, ein neues Logistikzentrum am Beisenbusch zu errichten, bezieht die Klimaliste in einer Pressemitteilung kritisch Stellung:

Für die Klimaliste ist das Vorhaben ein „Aufbruch in die Vergangenheit“, eine „Investition in Gestern“. Ein Gestern, in dem als Innovation galt, wenn Äcker riesigen Hallen weichen mussten, die Versiegelung der Natur noch Fortschritt verhieß und „als die Welt und deren Ressourcen noch unendlich, die Artenvielfalt noch unermesslich und die Umwelt nur eine Randerscheinung hinter der Wirtschaft war. Dass dieses Gestern heute nicht mehr gilt, haben viele Nottulner bereits verstanden“, schreibt die Klimaliste. Dass die Zukunft klimaneu­tral sein muss, die Wirtschaft dem Menschen dient, stetes Wachstum bei endlichen Ressourcen nicht nachhaltig ist und nicht auf Kosten der Natur und der Artenvielfalt ausgetragen werden darf, sei mit dem 2019 einstimmig beschlossenen Klimaaufbruch zumindest nominell Konsens im Nottulner Rat.

„Wie eine derartige Neuansiedlung einer gigantischen Halle in diesen Aufbruch passt, sollte im Vorfeld dringend erläutert werden“, fordert die Klimaliste: Wie ist die Klimabilanz des Gesamtprojektes? Welche Kompensationen sind vorgesehen? Wie kann der Neubau klimaschonend erstellt werden? Wie wird der Komplex energieautark betrieben? Wie wird die Versiegelung der Natur ausgeglichen? Wie sollen die zusätzlich aufkommenden Pendler- und Lieferverkehre in ein klimaneutrales Mobilitätskonzept eingebunden werden?

„Alle diese Fragen sind noch unbeantwortet und es bleibt fraglich, ob sie überhaupt im Sinne einer Klimaneutralität beantwortet werden können. So wird eine Umsiedlung des Zentrallagers von Münster nach Nottuln am Ende neben wenigen neuen, wenig qualifizierten Arbeitsplätzen nur mehr Belastung für Anwohner, Klima und Umwelt bringen und uns vom Ziel der Klimaneutralität bis 2030 noch weiter entfernen, prognostiziert die Klimaliste.

Der positive Effekt für die Gemeindekasse sei zunächst eher unbedeutend, da bei Neuansiedlungen die Investitionen der Unternehmen die zu entrichtenden Gewerbesteuern in den ersten drei bis fünf Jahren in der Regel bis auf null reduzieren. Eine Ansiedlung von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung, zum Beispiel durch einige große Windkraftanlagen, hätte einen deutlich nachhaltigeren Einfluss auf die Gemeindekasse, erklärt die Klimaliste. „Die Beteiligungen von Bürgern und der Gemeinde machen derartige Projekte noch attraktiver.“

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