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Klare Ausschussmehrheit für Fortsetzung der Planung „Südlich Lerchenhain“

Baugebiet mit 185 Wohneinheiten

Nottuln

Das Bebauungsplanverfahren „Südlich Lerchenhain“ fortzusetzen, hat eine deutliche politische Mehrheit gefunden. Genauso deutlich war allerdings auch die Kritik der Bürgerinitiative „Südlich Lerchenhain“ und einzelner Anlieger.

Von Ludger Warnke

Ortsausgang Dülmener Straße/Höhe Einmündung Elisabeth-Selbert-Straße: Auf der derzeitigen Ackerfläche soll das neue Baugebiet „Südlich Lerchenhain“ mit 185 Wohneinheiten realisiert werden. Die Anbindung soll über einen Kreisverkehr erfolgen. Foto: Ludger Warnke

Das Bebauungsplanverfahren „Südlich Lerchenhain“ wird fortgesetzt. Der Ausschuss für Planen und Bauen beschloss am Montagabend mit den zehn Stimmen von CDU, Grünen, SPD und FDP bei einer Nein-Stimme der UBG, mit der überarbeiteten Planung in die erneute Offenlage und Bürgerbeteiligung zu gehen.

Seit nunmehr acht Jahren ziehen sich die Planungen für dieses Neubaugebiet hin, das die Gemeinde in Kooperation mit der Sparkasse Westmünsterland entwickelt. Aus Teilen der Bevölkerung gibt es massive Kritik, weshalb die Bürgerinitiative „Südlich Lerchenhain“ ins Leben gerufen wurde.

185 Wohneinheiten statt 140 geplant

Diplom-Ingenieur Carsten Lang vom Planungsbüro Wolters Partner stellte am Montag die überarbeitete Planung vor. Zusammengefasst lässt sich sagen: Statt bislang rund 140 Wohneinheiten sind nun 185 Wohneinheiten im Plangebiet „Südlich Lerchenhain“ vorgesehen. An der Dülmener Straße sollen Mehrfamilienhäuser mit bis zu zwölf Wohneinheiten und maximal 20 Metern Gebäudelänge entstehen. Im hinteren Bereich sind Einfamilien- und Doppelhäuser sowie Reihenhausgruppen vorgesehen. Um dem Klimaschutz mehr als bisher Rechnung zu tragen, sieht der Entwurf eine Reduzierung der Straßenbreite im mittleren Bereich vor. Zudem werden die Standorte der Straßenbäume schon im Bebauungsplan festgesetzt, und es gibt Regelungen zur Vermeidung von Schottervorgärten und Vorgaben zur Dachbegrünung.

Für das weitere Verfahren mussten eine ganze Reihe von Gutachten erstellt und zum Teil aktualisiert werden. Zum Beispiel das Gutachten zum Arten- und Naturschutz. Für zwei vorhandene Feldlerchenpaare im Plangebiet werden nun Ersatzhabitate an anderer Stelle in der näheren Umgebung angelegt.

Aktualisiert wurde auch das Verkehrsgutachten. Es prognostiziert eine spürbare Zunahme der Verkehrsbelastung des Lerchenhains und insbesondere der Steinstraße. Allerdings, darauf wies Städteplaner Lang in seinem Vortrag hin, könne das zusätzliche Verkehrsaufkommen über das vorhandene Straßennetz abgewickelt werden. Zusätzliche Maßnahmen seien nicht notwendig. Hinsichtlich des Lärmschutzes werde die Zumutbarkeitsschwelle von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts nicht erreicht.

Gutachten: Vorhandenes Straßennetz reicht aus

Noch nicht geklärt ist die Frage der Energieversorgung. Überlässt man das den künftigen Bauherren oder gibt es eine zentrale Energieversorgung? Steuerungsmöglichkeiten bestehen aber durch entsprechende Kriterien bei der Grundstücksvergabe, die noch erarbeitet werden müssen.

In der politischen Bewertung sprach sich eine klare Mehrheit des Ausschusses dafür aus, das Verfahren fortzuführen. „Nottuln braucht Wohnraum“, betonte beispielsweise Markus Böker (CDU). Helmut Walter (FDP) sah viele zusätzliche Anregungen in der Planung berücksichtigt, wies aber auf die Verkehrssituation hin. Hier bestehe noch Klärungsbedarf. Zustimmung kam auch von der SPD. Holger Zbick begrüßte den Einstieg in einen umfangreicheren Geschosswohnungsbau. Richard Dammann (Grüne) sprach von nachvollziehbaren Abwägungen. Die Grünen unterstützen die Offenlage des Planes, würden sich aber ein Energiekonzept für das Gebiet wünschen.

Kritik kam von der UBG. Waldemar Bogus wies auf die wachsende Verkehrsbelastung und auf offene Fragen bezüglich der Entwässerung hin. Die UBG werde nicht zustimmen.

Bürgerinitiative: Interessen der Anlieger nicht in den Blick genommen

Harsche Kritik musste sich der Ausschuss anhören von Dr. Bernhard Schulze Lan­genhorst als Vertreter der BI „Südlich Lerchenhain“. Er beklagte, dass die Interessen der Anlieger nicht in den Blick genommen würden. Hinweise der Bürger zum Artenschutz seien nicht aufgegriffen worden, weshalb das Gutachten definitiv falsch sei. Eine spürbare Verkehrsbelastung werde einfach ignoriert, der Klimaschutz nicht ausreichend berücksichtigt, und die Gemeinde setze ein Investorenmodell fort, obwohl man das eigentlich nicht mehr machen wollte. Friedhelm Schweins, ebenfalls in der BI aktiv, verwies auf die Entwässerungssituation, „die nicht in Ordnung ist“. Die BI habe alle in einem Schreiben über die Probleme informiert und nicht eine einzige Antwort erhalten.

Schließlich meldete sich eine Anliegerin der Dülmener Straße, die sich über eine jetzt schon vorhandene enorme Lärm- und extrem hohe Verkehrsbelastung beklagte, die durch das Baugebiet noch gesteigert werde. „Sie bauen immer an den falschen Stellen“, warf sie der Gemeinde vor.

Immerhin, darauf wies Ausschussvorsitzender Hartmut Rulle versöhnend gemeint hin, haben alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, bei der nächsten Offenlage der Pläne erneut Stellung zu nehmen.

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