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Lotta Aldenborg absolviert Soziales Jahr im Jewish Museum in London

Berührend und bedrückend

Nottuln

Über ihr Freiwilliges Soziales Jahr hat Lotta Aldenborg am Montagabend berichtet. Die Nottulnerin hatte für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) im Jewish Museum gearbeitet.

Von und

Begeistert berichtete Lotta Aldenborg der Friedensinitiative Nottuln von ihrem Sozialen Jahr im Jewish Museum in London. Foto: Friedensinitiative Nottuln

Die Begeisterung und das Glück sieht man Lotta Aldenborg an: „Es ist unglaublich, was ich in diesem Jahr erlebt und gelernt habe.“ Am Montagabend berichtete die Nottulnerin über ihr Freiwilliges Soziales Jahr, das sie für ein Jahr nach London führte und das von der Friedensinitiative Nottuln (FI) mit einem Beitrag gesponsert wurde, wie diese mitteilt.

Lebendiger Vortrag

In der englischen Metropole arbeitete Lotta Aldenborg für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) im Jewish Museum. Was die junge Frau aus dem einen Jahr mitnahm, das wurde gleich am Anfang ihres lebendigen Vortrags bei der FI deutlich: „Erstmal eine Menge an beruflichen Erfahrungen, wie es ist, mit unterschiedlichen Gruppierungen zu arbeiten. Faszinierend für mich war im Wesentlichen, dass das Jewish Museum vor allem auch darauf abzielt, die Geschichte von Minderheiten der jüdischen Community zu präsentieren. Geschichten, von denen ich noch nichts vorher gehört habe und wahrscheinlich auch niemals etwas darüber erfahren hätte, wenn ich diesen Schritt des Freiwilligendienstes nicht gewagt hätte.“ Sie sei unglaublich froh darüber, dass sie ihr Bewusstsein und ihren Horizont so erweitern konnte, über die jüdische Community, über die Menschen, über das gemeinschaftliche Leben und auch über ihr eigenes und ihre Herkunft.

Vielfältigkeit des jüdischen Lebens

Das Jewish Museum in London verfolgt das Ziel, die Vielfältigkeit des jüdischen Lebens darzustellen und repräsentiert das jüdische Erbe und die jüdischen Traditionen. Lotta Aldenborg arbeitete mit fünf anderen Frauen im Education Team. Sie bereitete Workshops für Schulklassen vor. Diese handelten von jüdischen Traditionen, Festen, dem Glauben oder das jüdische alltägliche Leben. Bei anderen Workshops ging es um die jüdische Geschichte, vor allem um den Kindertransport aus Deutschland nach England während des Nationalsozialismus.

Über 10 000 jüdische Kinder wurden vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges von Deutschland aus nach England in Sicherheit gebracht. Das hieß jedoch auch, Abschied zu nehmen von den Eltern, von der Familie, von der Heimat. Abschied für immer. Heute sind diese Kinder alt und sie geben ihre Erfahrungen von damals, die ihr ganzes Leben prägten, weiter an Schülerinnen und Schüler. Die Begegnungen seien sehr berührend gewesen, berichtete Lotta Aldenborg. „Sie erzählten ihre Geschichte und schilderten ihre Erfahrungen während der NS-Verbrechen. Es war jedes Mal sehr emotional und ich empfand solche Wertschätzung dafür, dass ich bei den Vorträgen zuhören durfte. Egal, wie oft ich die Geschichten gehört habe, es berührte und bedrückte mich immer wieder auf Neue.“

Und so erweiterte dieses Jahr den Blick von Lotta Aldenborg auf das Gedenken des Holocausts: „Mir ist stark bewusst, dass es auch heute noch wichtig ist, über die Vergangenheit aufzuklären und stets ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus zu setzen.“

Weitere Infos

Da wundert es nicht, dass Lotta „mit einem neuen Mindset“ nach diesem Jahr in London und im Museum nach Deutschland zurückkehrte. Dazu gehört, dass sie nun in Münster das Studium der Geschichte und der Kultur- und Sozialanthropologie im Zwei-Fach-Bachelor aufnahm. Lotta Aldenborg: „Und ich hoffe sehr, später in einer kulturellen Einrichtung oder Organisation im Ausland arbeiten zu können.“

Weitere Infos über die Arbeit von Lotta Aldenborg können per E-Mail   an info@fi-nottuln.de angefragt werden.

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