Die Werbung in Zeiten der Wahlen

Birgit Schlütter vermisst Nachhaltigkeit

Nottuln

Seit vielen Jahren engagiert sich die Nottulnerin Birgit Schlütter für das Thema Nachhaltigkeit. Den aktuellen Wahlkampf sieht sie unter diesem Gesichtspunkt kritisch.

wn

Wahlkämpfe sind immer auch Materialschlachten, das ist bei den anstehenden Kommunalwahlen natürlich nicht anders. Vor dem Wahltag am 13. September überbieten sich Parteien und Wählergruppen regelrecht mit Bannern, Plakaten und Flugblättern.

„Und obwohl die meisten größeren Parteien nach eigenen Aussagen großen Wert auf die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ihrer Wahlwerbung legen, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Zahl der Plakate, Banner, Wahlgeschenke und Flyer zugenommen hat“, so der Eindruck der Nottulnerin Birgit Schlütter, die sich seit vielen Jahren um das Thema Müllvermeidung und Nachhaltigkeit kümmert. „Und so“, weiß sie, „findet mancher derzeit viel Wahlwerbung in seinem Briefkasten. Doch nicht jeder wünscht sich diese Post. Die Frage ist, ist Wahlwerbung im Briefkasten überhaupt erlaubt?“

Dazu sagt Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale: „Briefkastenwerbung ist grundsätzlich zulässig. Wenn jemand seinen Briefkasten aber mit einem Hinweis auf Werbeverbot gekennzeichnet hat, darf auch Werbung politischer Parteien nicht eingeworfen werden.“

Und die Realität? „Obwohl an meinem Briefkasten zwei Aufkleber haften, die besagen, dass ich keine Werbung möchte, landet in meinem Briefkasten in den vergangenen Wochen immer wieder Wahlwerbung. Viele Verteiler der bunten Flyer nehmen meinen Wunsch ernst und schmeißen nichts ein, aber einige setzen sich darüber hinweg, sodass jetzt noch ergänzend auf meinem Briefkasten das Schild ‚Bitte keine Wahlwerbung einwerfen!‘ prangt“, berichtet Birgit Schlütter.

„Ich bin ein politisch interessierter Mensch und nehme meine erste Bürgerpflicht ernst, dabei versorge ich mich mit Informationen zu den Parteiprogrammen und Kandidaten durch das Internet. Oder ich spreche mit Vertretern der Parteien an den Ständen“, sagt die Nottulnerin. „Ich kann verstehen, dass in Zeiten von Corona das nicht jeder so machen will. Aber wie ernst kann man die Umweltbemühungen einer Partei nehmen, die mir zusätzlich zu drei farbigen Hochglanzflyern auch noch ein Plastikherz in meinen Briefkasten schmeißt?“

Doch auch die Massen an Papier sind ein Problem: Laut der Umweltstiftung WWF verbraucht Deutschland so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen.

Bea Johnson, französisch-stämmige Amerikanerin, hat den Lebensstil „Zero Waste“ („Null Müll“) entwickelt und eine Rangordnung vorgegeben, mit der es möglich ist, Müll zu vermeiden. Der erste und wichtigste Punkt heißt: Vermeidung, bewusst unnötigen Müll vermeiden, erst gar keine Flyer oder Give Aways annehmen, die zu Hause sofort im Müll landen.

Birgit Schlütter: „Wenn man wirklich nachhaltig konsumieren will, muss man das üben.“

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