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Kulturprojektförderung

Breite Diskussion zu Anträgen

Nottuln

Intensiv stieg der Ausschuss für Kultur, Sport und Ehrenamt noch einmal in die Debatte um die Förderung von Kulturprojekten ein. Es gab Nachfragen und Anregungen.

Frank Vogel

Das Angebot des Vereins Kunst und Kultur „Qi Gong im Park“ ist ein Renner gewesen. Seine Fortsetzung soll - nach dem Empfehlungsbeschluss des Fachausschusses - nicht vollständig gefördert werden, eine Teilnahmegebühr sei eine Möglichkeit, die Finanzierungslücke zu füllen. Foto: Kunst und Kultur

Die Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport und Ehrenamt hätte am Mittwochabend nach einer Viertelstunde zu Ende sein können. War sie aber nicht. Sie dauerte rund anderthalb Stunden. Dabei hatten die Ausschussmitglieder den ersten von zwei Tagesordnungspunkten flott und einstimmig entschieden: Es ging um Änderungen der Kulturförderrichtlinien, bei denen im Ausschuss vor allem gelobt wurde, dass Veranstalter jetzt auch außerhalb der bislang zwei jährlichen Stichtage Förderanträge stellen können. Diskussionsbedarf gab es dann allerdings beim zweiten Tagesordnungspunkt, der Kulturprojektförderung.

Der Kulturbeirat hatte über 13 Förderanträge beraten und seine Empfehlungen gegeben. Dabei hatte er an der ein oder anderen Stelle die beantragten Förderungen auch reduziert. Kleine Teilnahmegebühren könnten diese Reduzierungen ausgleichen, empfahl der Beirat. Außerdem hatte er Anträge für Veranstaltungen, die erst im späteren Verlauf des Jahres stattfinden sollen, abgelehnt und darauf verwiesen, dass der entsprechende Antrag wiederholt werden solle, wenn sich abzeichnet, dass die pandemische Lage die Durchführung tatsächlich möglich macht. Während die große Mehrheit diesen Empfehlungen folgte, hatten Grüne und UBG noch Nachfragen und Anregungen und enthielten sich am Ende bei der Abstimmung.

Vor allem Anke Zandman (Sachkundige Bürgerin der Grünen) machte Vorschläge. Sie plädierte dafür, da wo es möglich ist, die Veranstalter auf externe Fördertöpfe hinzuweisen und so die Kürzung von Zuschüssen für andere Veranstaltungen zu vermeiden.

Nachfragen und Anregungen

Diese Beratung erfolge, wenn die Entscheidung gefallen ist, dass ein Projekt nicht oder nur teilweise gefördert wird, erklärte Kulturkoordinatorin Lea Jockisch, die mit im Kulturbeirat sitzt. Auf die Förderung von dritter Seite werde grundsätzlich hingewiesen, ergänzte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes.

Als ein Beispiel führte Anke Zandman in diesem Kontext die Ausstellung an, die die Alzheimer Gesellschaft zur Woche der Demenz plant. Lobenswert sei, dass der Verein sich um andere Förderung bemüht habe und dass es nur 650 Euro seien, die er beantragt hat. Sie könne sich aber vorstellen, dass es noch andere Fördermöglichkeiten für ein solches Projekt gibt, auf die man hinweisen könne. Außerdem fragte sie, ob die Ausstellung „originär Kultur“ sei. „Natürlich ist eine Karikaturenausstellung Kultur“, stellte Lea Jockisch klar. Gezeigt werden sollen Werke des Karikaturisten Peter Gaymann zum Thema Demenz.

Das zweite Beispiel, das Anke Zandman einbrachte, war das Projekt „Kinder-Kunst-Garage“, das die Nottulner Künstlerin Katja Enseling anbietet. Ein großartiges Projekt, wie Zandman, betonte, aber möglicherweise gewerblich. Außerdem gebe es reichlich Förderprogramme wie den Kulturrucksack NRW oder die Stadtranderholung im Kreis Coesfeld, die man für ein solches Angebot ausschöpfen könnte. Darauf könnte man die Antragstellerin hinweisen.

Was ist Kultur?

Die Förderung sei nach den Richtlinien möglich, weil ausdrücklich heimische Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden sollen, erklärte Lea Jockisch. Und gewerblich sei es ja auch, wenn Künstler von außerhalb „eingekauft“ werden.

Ein weiterer Punkt war das Angebot „Qi Gong im Park“, das der Verein Kunst und Kultur weiterführen möchte. Hier hatte der Beirat vorgeschlagen, die Förderung zu kürzen und empfohlen, dass die Veranstalter eine Teilnahmegebühr erheben sollten, um die Kosten zu decken. „Dieses Angebot ist ein Leuchtturmprojekt“, meinte Anke Zandman. „Und es wird – in dieser Zeit – der Nottulner Seele gut tun“, ergänzte Walburga Niemann (Sachkundige Bürgerin Grüne). Es sollte voll gefördert werden, fanden die beiden Frauen. Es bedeute sicherlich einen großen Aufwand für die Organisatoren, jedes Mal 2 Euro von den Teilnehmenden einzusammeln.

Der Kulturfördertopf sei begrenzt, entgegnete Lea Jockisch, man müsse die vorhandenen Mittel (20 000 Euro für das ganze Jahr, davon 10 000 Euro in der aktuellen Ausschüttung) sparsam einsetzen. Die Empfehlung des Kulturbeirates, einen Betrag von 2 Euro zu nehmen, sei ein Kompromiss, „damit wir noch Geld für anderes in petto behalten“. Die Teilnehmenden seien sicher fair genug, das Geld in einen bereit gestellten Beutel zu werfen, sodass der Aufwand überschaubar sein sollte. Sie betonte, dass der Beirat sich bewusst zur Förderung des beliebten Projektes entschlossen habe, obwohl die Frage im Raum gestanden habe, ob dieses Angebot Kultur ist.

„Qi Gong im Park“ in Gefahr?

Dem Vorschlag von Jutta Tiefenbach (UBG), das Angebot wenigstens aktuell voll zu fördern, damit es in der Pandemie kostenlos beibehalten werden kann, folgte die Mehrheit im Ausschuss nicht und stimmte für die Mittelvergabe wie vom Beirat vorgeschlagen.

Bürgermeister Thönnes zeigte sich verwundert. Er persönlich habe den Beirat nicht gewollt, man habe ihm aber deutlich gemacht, dass der Ausschuss so von der Beratung der einzelnen Anträge entlastet werden soll. Jetzt erlebe er, „dass die selbst geschaffene Systematik aufgehoben wird“.

Ausschussmitglied Josef Dirks erklärte, dass er den Vorschlägen des Kulturbeirates zwar folge, die Diskussion aber trotzdem nicht unwichtig sei. „So bekommt der Beirat ja auch Anregungen von hier zurückgemeldet.“ Die genannten Anregungen von Anke Zandman werde man in den Kulturbeirat tragen, versprach Ausschussvorsitzender Manfred Gausebeck, der betonte, dass die Mitglieder des Beirates „sehr engagiert diskutieren“.

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