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Nottuln

Chefs auf der Suche nach Azubis

Bettina Laerbusch

Nottuln - 3015 Schüler haben im Kreis Coesfeld 2009 die Schule verlassen. Im Jahr 2019 werden es nur noch 2308 sein. Diese Zahlen sind dem Wirtschaftsspiegel der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen (Ausgabe Juni 2010) zu entnehmen. „Was wir zurzeit erleben, ist nur ein Vorbote“, sagte Guido Krüdewagen, Pressesprecher der IHK in Münster. Betriebe würden zukünftig weitaus größere Probleme haben, Ausbildungsplätze mit guten Schulabgänger zu besetzen, als das bisher der Fall sei.

„Die Firmen müssen auf die Schulen zugehen“, ist Dr. Michael Oelck, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Coesfeld, überzeugt. Es gebe ganz sicher Reserven in den Schulen. Das Potenzial an geeigneten jungen Menschen sei keineswegs ausgeschöpft. Es gelte, es zum Wohl der Schüler und zum Wohl der Betriebe zu heben. Zu klagen, dass es zu wenige oder zu schlecht ausgebildete Schulabgänger gebe und auf die Schulen zu schimpfen, ohne selbst aktiv zu werden, ist für Oelck inakzeptabel. Und die Kreishandwerkerschaft unterstütze ihre Mitgliedsbetriebe bei der Zusammenarbeit mit Schulen und Schülern. Wie?

Zum Beispiel so: Seit September haben Schulen die Möglichkeit, mit ihren Achtklässler 80 Stunden - also circa zwei Wochen - die Werkstatt der überbetrieblichen Berufsbildungsstätte in Dülmen zu besuchen. Die große Bandbreite an Ausbildungsberufen im Handwerk lernen die Schüler kennen, auch die praktische Seite - denn Praktiker, Meister und andere Firmenmitarbeiter, sind mit von der Partie. Noch bevor die Schüler ihre obligatorischen Praktika machen, bekommen sie also einen Einblick in Berufe. Dieses ganz klar auch mit dem Ziel, „dass sie vielleicht Berufe in den Fokus nehmen, an die sie vorher nicht gedacht haben“, sagt Michael Oelck Der Hauptgeschäftsführer: „Zwölf Schulen haben sich bisher angemeldet, mit Lüdinghausen sind wir im Oktober erfolgreich gestartet.“ Die Hauptschule in Nottuln werde im März das Angebot nutzen; die Bischöfliche Realschule habe Interesse bekundet, „im Dezember treffen wir uns zum Gespräch“.

Im Kreis Coesfeld werden nach heutigem Stand bis August 2011 1200 Schüler an diesem speziellen Berufsorientierungsprogramm teilgenommen haben.

Die Firma Föller in Nottuln ist ein Handwerksbetrieb mit aktuell 70 Mitarbeitern und tätig im Bereich Heizungs-, Sanitär- und Klimaanlagen. Auszubildende für das laufende Ausbildungsjahr suchen Geschäftsführer Andreas Weßelmann und Kollegin Simone Schürhaus, verantwortlich für Personal und Finanzen, nicht. Doch für August 2011 sind auch sie auf der Suche, hoffen auf Bewerbungen von jungen Leuten, die Anlagemechaniker oder Anlagemechanikerin werden möchten.

Bisher sei die Resonanz auf die Stellenausschreibung verhalten, sagt Andreas Weßelmann. Die Firma Föller geht bisher nicht - wie andere Firmen - direkt in die Schulen. Föller hat einen anderen Weg eingeschlagen, um junge Leute zu rekrutieren: Die Firma kümmert sich - vereinfacht gesagt - verstärkt um das Wohlergehen der Azubis. So hat Simone Schürhaus auch die Berufsschule fest im Blick, will ihren Azubis das Gefühl geben, dass sie zu ihr auch dann kommen können, wenn es dort Probleme gibt. „Wie vermitteln auch Nachhilfeunterricht.“ Erstmals gibt es seit diesem Jahr einen Sprecher unter den Auszubildenden. Simone Schürhaus: „Oft ist es leichter, sich einem Gleichaltrigen anzuvertrauen.“

Erstmalig hat das Unternehmen mit seinen zwölf Azubis Anfang November eine zweitägige Ausbildungsfahrt unternommen. Dabei stand die Teambildung genauso im Mittelpunkt wie der Besuch der Firma Buderus in Lollar, die europaweit der größte Hersteller von Heizungstechnik ist. „Die Auszubildenden haben verabredet, sich wiederzutreffen“ - außerhalb des Betriebes“, verrät Simone Schürmann, die dieser Zusammenhalt sichtlich freut.

Schürmann und Weßelmann hoffen, dass es sich herumspricht, wie die Ausbildung bei Föller abläuft und so Schulabgänger den Wunsch verspüren, sich genau dort zu bewerben.

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