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Schwester Raphaela

Corona-Pandemie bremst Projekte aus

Nottuln

Auch in Tansania hat das Corona-Virus seine verheerenden Spuren hinterlassen. Schwester Dr. Raphaela Händler berichtet von ihrer Arbeit in dem afrikanischen Land.

wn

Die Jugendlichen auf diesem Foto danken allen Unterstützern, denn sie alle haben nun eine Zukunft durch Bildung. Durch ihre Hilfe bekamen sie ein Stipendium für die Schulgebühren und das Internat im Aquinas-Gymnasium. Foto: Sr. Raphaela Händler

In jedem Jahr schickt Schwester Dr. Raphaela Händler einen Weihnachtsbrief an Freunde und Förderer in aller Welt, um diesen für ihre Unterstützung zu danken, aber auch um sie auf dem Laufenden über die Projekte zu halten, die die Schwester in Tansania entwickelt und umsetzt. In diesem Jahr ist alles anders – auch bei ihrem jährlichen Brief musste die Schwester neue Wege gehen. Wegen der Corona-Pandemie, aber auch wegen ihrer Erkrankung („Mein Herz ist zu groß, meine Knochen sind zu weich“) hat sie ihn zum ersten Mal in Deutschland geschrieben.

„In Tansania ist Corona schon seit einigen Monaten kein Tagesthema mehr. Es war schlimm; die Schulen, Universitäten, Kindergärten waren alle für einen Monat geschlossen, aber nun läuft seit etwa fünf Monaten alles wieder wie eh und je“, berichtet die Ordensschwester. „Die Gesichtsmasken sind aus dem Straßenbild verschwunden.“

Besonders in Daressalaam und Arusha – wo die internationalen Flughäfen sind – habe es viele Infektionen gegeben. „Das ganze Land betete und fastete zweimal für drei Tage, dass Gott Tansania verschone. Christen und Moslems vereinten sich, als der Präsident alle dazu aufrief. Wir hoffen, dass es keine zweite Welle geben wird.

Die Auswirkungen der Pandemie sind groß. Der Tourismussektor liegt am Boden, was viele arbeitslos macht. Viele Importartikel sind nicht zu haben oder knapp und überteuert. Damit auch der Bausektor, keine Investitionen mehr, die Grenzen sind gesperrt. Bis jetzt ist es unmöglich, von Tansania einen Brief nach Deutschland zu schicken.

Für uns heißt das auch, zunehmende Schwierigkeiten in unseren Schulen, die nötigen Schulgelder zu bekommen. In den Krankenhäusern gibt es noch mehr Patienten als sonst, die die geringen Gebühren nicht bezahlen können. Dem Krankenhaus in Nyangao fehlen in diesem Monat etwa 25 000 Euro für die laufenden Ausgaben an Gehältern, Medikamenten etc. Falls die Krankenversicherung die ausstehenden Rechnungen zahlen würde, würde es reichen ...“

Schwester Raphaela hat aber auch viel Positives vom Krankenhaus in Nyangao zu berichten. „Wir haben nun vier tansanische Fachärzte, zeitweise kommen Teams des Universitätshospitals in Daressalaam zum Operieren. Mit Hilfe unserer Freunde wurde ein Wohnheim für zehn junge Ärztinnen und Ärzte fertiggestellt. Damit können zehn junge Mediziner, die gerade an der Universität fertig wurden, je ein Jahr bei uns arbeiten. Bei der Einweihung sangen die Krankenpflegeschülerinnen begeistert. „Nur Ihre Hilfe hat es uns ermöglicht, dieses Haus samt Einrichtung fertigzustellen“, dankt Schwester Raphaela allen Förderern und Freunden, die das 40 000-Euro-Projekt unterstützt haben.

Bislang haben alle Krankenpflegeschülerinnen und -schüler nach dreijähriger Ausbildung einen guten Abschluss mit einem staatlich anerkannten Diplom in Krankenpflege und Geburtshilfe gemacht. Aber viele können einfach nicht das Schulgeld aufbringen, das die laufenden Kosten decken muss. Nur dank der Unterstützung aus aller Welt habe man die Schließung dieser wichtigen Schule bisher verhindern können.

„Hunger nach Bildung und Ausbildung ist das eine, der Hunger nach dem täglichen Brot das andere – und das in Corona-Zeiten mehr als sonst. Wir können Mehl und Bohnen an untergewichtige Kinder, die AIDS haben, austeilen. Ein Beispiel bietet Mama Goodluck, die bei den Schwestern jede Woche Lebensmittel abholen kann. Sie hat Angela und Goodluck, die beiden Waisen ihrer verstorbenen Tochter, zu versorgen ohne einen Pfennig Einkommen. Wie macht man das? „Die kleine Angela ist in unserem St.-Michael-Kindergarten und ist stolz, dass sie täglich mit dem großen Schulbus abgeholt wird und schon Englisch lernt. Da bekommt sie auch ein gutes Essen jeden Tag. Und in ihrer schmucken Schuluniform sieht sie aus wie alle Kinder.“

Ihr Herzensprojekt Kabuhima habe auch sehr unter Corona gelitten, berichtet die Schwester. „Alles kam zum Stillstand. Aber ich hoffe sehr, dass es bald weitergeht. Und so danke ich weiterhin ganz besonders für Bausteine für das Kloster mit angeschlossener Berufsschule im Norden Tansanias.“

Der Krankenhausleitung in Nyangao habe sie für nächstes Jahr versprochen, die komplette Überholung der Wasserversorgung des Krankenhauses zu unterstützen. Das Wasser aus dem Bohrloch sei weiterhin gut und reichlich, aber der große Wassertank, die Wasserpumpe und alle Leitungen seien Jahrzehnte alt und müssen erneuert werden. „Die Grundschule mit Blindenschule, ebenso die Krankenpflegeschule – alle hängen an diesen Leitungen.“ Die geschätzten Kosten liegen laut Schwester Raphaela mindestens bei 50 000 Euro.

Abschließend dankt die Schwester noch einmal für die Unterstützung und bittet darum, „im Jahr 2021 weiterhin mit uns zusammen zum Heil zu wirken“.

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