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Eiserne Hochzeit in Nottuln

„Das ist lange, lange her“

Nottuln

Bernhard und Margot Scholz sind seit 65 Jahren verheiratet.

Ulla Wolanewitz

Eiserne Hochzeit feiern die Eheleute Margot und Bernhard Scholz. Am 16. September 1950 haben die beiden in Nottuln geheiratet. Foto: Ulla Wolanewitz

Eine Goldene Hochzeit ist etwas Besonderes, eine Diamantene Hochzeit etwas ausgesprochen Außergewöhnliches. Doch darüber können Bernhard und Margot Scholz nur schmunzeln. Denn ihre Diamantene Hochzeit feierten sie bereits vor fünf Jahren. Am 16. September 1950 sind die Zwei im recht jugendlichen Alter in Nottuln vor den Traualtar getreten und können somit am heutigen Mittwoch bereits ihre Eiserne Hochzeit feiern.

In der Waldgaststätte Leopoldshöhe sind sich die Zwei das erste Mal begegnet. Dort trafen sich zu jener Zeit sonntags die jungen Leute, nicht nur zum Kaffeetrinken, sondern vor allem auch zum Tanzen.

Aufgewachsen ist Margot Scholz in Goldberg in Schlesien. Allerdings musste sie mit ihrer Familie ihre geliebte Heimat kriegsbedingt verlassen. So wurde Appelhülsen 1946 zunächst zu ihrem neuen Wohn- und Lebensmittelpunkt. „Da habe ich es gut gehabt“, sagt die 86-Jährige rückblickend.

Einen Arbeitsplatz fand sie seinerzeit in der Strumpffabrik Rhode. Da war es Usus, sich am Sonntagnachmittag mit Freundinnen und Kolleginnen zu einer kleinen Radtour mit dem Ausflugsziel Leopoldshöhe zu treffen. „Dort gab´s eine Kapelle, die flotte Musik spielte“, erinnert sich Bernhard Scholz, und seine Gattin lässt charmant durchblicken, dass „er ein sehr guter Tänzer war“.

Schnell war für beide klar, dass sie ihren Lebensweg gemeinsam gestalten wollen. Nach ihrer Hochzeit 1950 lebten sie zunächst fünf Jahre an seinem Heimatort Schapdetten, anschließend wurde Appelhülsen für weitere fünf Jahre ihr Zuhause.

Da er als ehrbarer Maurer die Familie ernährte, war die Schaffung eines eigenen Eigenheims nur eine Frage der Zeit. In der Hovestadt fanden sie Ende der 50er-Jahre ein Grundstück dafür. Ohne Bagger und Maschinenunterstützung schachtete Bernhard Scholz den Keller aus. Sein Schwiegervater legte auch mit Hand an. Etwa vier Monate nahm diese Arbeit in Anspruch. Schließlich wurde sie nach Feierabend, nach einem anstrengenden Arbeitstag auf der Baustelle, erledigt. „Ich habe hier auch sonntags gearbeitet“, sagt der 85-Jährige.

Tatsächlich war das komplette Haus nach einem Jahr mit einem Großteil an Eigenleistung bezugsfertig. „Das ist lange, lange her“, schmunzelt Margot Scholz. Auch, wenn sie daran zurückdenkt, dass sie damals ihrem Mann das Essen mit dem Rad von Appelhülsen zur Baustelle brachte.

Selbstverständlich bewirtschafteten die Zwei auch einen großen Nutzgarten. Heute erfreuen sie sich an den üppigen Rosen, die darin wachsen, und an dem kleinen Teich mit reichlich Goldfischen.

An ihrem heutigen Ehrentag dürfen die beiden Jubilare ruhigen Gewissens die Hände in den Schoß legen. Ihr jüngster Sohn und seine Frau haben einiges vorbereitet, sodass der Tag gebührend gefeiert werden kann. Auch haben ihre anderen drei Kinder mit Familie ihr Kommen zugesagt. Stolz sind die Zwei natürlich auch auf ihre achtköpfige Enkelschar und die fünf Urenkel.

Steigern lässt sich der ehrenvolle Anlass einer Eisernen Hochzeit übrigens nur noch durch die Steinerne Hochzeit (67,5 Jahre), die Gnadenhochzeit (70 Jahre) und die Kronjuwelenhochzeit (75 Jahre). Die Aussicht darauf bringt Margot Scholz zum Lachen. „Jetzt schauen wir erstmal Jahr für Jahr weiter“, sagt sie bescheiden, und ihr Bernhard pflichtet ihr schmunzelnd bei.

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