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Personalnot beim Tierschutzverein führt zu eingeschränktem Betrieb

Das Tierheim ist kein Ponyhof

Nottuln/Lette

Mit positiver Einstellung, aber ohne Illusion absolviert Carolin Hommel eine Ausbildung als Tierpflegerin. „Man muss auch viel Scheiße wegräumen“, räumt sie mit romantischen Vorstellungen vom Beruf auf.

Von Falko Bastos

Hund Berndt wendet sich beschämt ab, Carolin Hommel muss sich um die Hinterlassenschaften kümmern. Das Reinigen der Zwinger und Käfige gehört zum Alltagsgeschäft im Tierheim. Foto: Falko Bastos

Carolin Hommel redet nicht lange drumherum. Mit der romantischen Vorstellung von ihrem Job im Tierheim Lette räumt sie gleich auf: „Man muss auch viel Scheiße wegräumen.“ Die 22-Jährige hat sich nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau bewusst für eine zweite Lehre als Tierpflegerin entschieden. Mit positiver Einstellung, aber ohne Illusionen. Nach Ablauf ihres dritten Lehrjahrs wird sie übernommen, so viel steht schon fest.

Schattenseite des Berufes

Gerade das realistische Bild vom Beruf fehle vielen anderen, sagt die ehrenamtliche Geschäftsführerin Sandra Kassenböhmer. Viele hätten die Vorstellung, dass man den ganzen Tag Katzen streichelt, sagt die Nottulner. „Die verlieben sich dann in die Tiere.“ Entsprechend groß sei der Schock, wenn sich die Schattenseite des Berufs zeige.

Diese Schattenseite zeigt sich etwa in Form einer Kühltruhe, in der die Kadaver der aufgrund von Krankheiten gestorbenen Tiere aufbewahrt werden. „Die Arbeit der Tierpfleger ist leider nicht nur schön, sondern manchmal auch eine große psychische Belastung“, weiß Sandra Kassenböhmer. Es fehle nicht an Leuten, die im Tierheim arbeiten wollen. Das Problem bei der Personalwahl sei eher: Wer könne, der wolle nicht. Und wer wolle, der könne nicht.

Angespannte Personallage

Nach der Kündigung einer langjährigen Mitarbeiterin ist die Personallage im Tierheim nun angespannt. Und das hat Konsequenzen. „Normalerweise haben wir immer geöffnet. Jetzt gibt es nur noch Gespräche nach Termin“, sagt die Geschäftsführerin. Und wenn es noch enger werde, etwa durch Krankheitsfälle, könnte es passieren, dass das Tierheim am Wochenende geschlossen bliebe.

Zwar gebe es ehrenamtliche Helfer, aber von denen seien viele berufstätig. Und die meisten Hunde-Spaziergänger kämen nur bei schönem Wetter. „Wir brauchen professionelle Mitarbeiter, um den Standard zu halten“, sagt Sandra Kassenböhmer. Grundsätzlich suche sie aber „alles“ – vom Azubi über Aushilfen bis zum gelernten Tierpfleger.

Hohe Anforderungen an die Mitarbeiter

Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind hoch. Viel gelte es über Medizin, etwa die Anatomie der vielen verschiedenen Tiere zu lernen, berichtet Carolin Hommel. Und in der Quarantäne-Station gelten strenge Regeln. Dort muss penibel darauf geachtet werden, dass sich Viren und Keime nicht ausbreiten. Dazu kommt das alltägliche Füttern und Reinigen bei Hunden, Katzen und Kleintieren sowie die Dokumentation. Am Nachmittag stehen Beratungsgespräche an, abends wieder Pflege.

Übermäßig viel Geld gibt es nicht zu verdienen, ein gelernter Tierpfleger verdient anfangs unter 2000 Euro brutto. Viel Arbeit, wenig Geld. Solche Bedingungen verlangen nach Enthusiasmus. Woher nimmt Carolin Hommel ihre Begeisterung für den Job? „Es ist toll, wenn ein Tier eine neue Heimat findet. Man kann für jeden ein passendes Tier finden.“ Und den passenden Job. Sie hat ihren wohl gefunden.

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