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Rupert-Neudeck-Gymnasium

Dem Populismus auf der Spur

Nottuln

Hochaktuell war das Thema, dessen sich das Politcafé des Rupert-Neudeck-Gymnasiums angenommen hatte: Populismus. Es gab eine spannende Diskussion um seine Gründe und Folgen und um die Möglichkeiten, ihm zu begegnen.

Frank Vogel

Die Gäste und Organisatoren (v.l.): SoWi-Kursleiterin Judith Rücker-Imkamp, Pfarrdechant Norbert Caßens, WN-Lokalredakteur Ludger Warnke, Kommunikationswissenschaftlerin Carla Schieb, das Moderatoren-Duo Richard Mannwald und Nicolas Pöter, AfD-Politiker Holger Lucius und stellvertretender Bürgermeister Paul Leufke. Foto: Frank Vogel

Das Politcafé des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, erstmals organisiert vom aktuellen Leistungskurs Sozialwissenschaften Q1 des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, hatte mit dem „Populismus“ einmal mehr ein spannendes Thema vorbereitet. Wie funktioniert er? Wer profitiert davon? Wie kann man ihm begegnen? Aktueller ging es nicht, drei Tage vor der Wahl zum Europaparlament, in dem populistische Parteien in Zukunft eine wachsende Rolle spielen könnten. Dabei betonten die Moderatoren Richard Mannwald und Nicolas Pöter, die gekonnt durch den Abend führten, dass man keine Wahlveranstaltung machen wolle.

Eingeladen hatte der Leistungskurs dazu Nottulns stellvertretenden Bürgermeister Paul Leufke, Norbert Caßens, Pfarrdechant der Pfarrgemeinde St. Martin, die Kommunikationswissenschaftlerin Carla Schieb, den stellvertretenden Kreissprecher des AfD-Kreisverbandes Münster, Holger Lucius, sowie Ludger Warnke, Leiter der Nottulner Lokalredaktion der Westfälischen Nachrichten.

Carla Schieb nannte einige Faktoren, die den Populismus begünstigen, der einfache Antworten verspricht: Der höhere Stellenwert der Individualität vereinzele den Menschen und mache ihn unsicher. Bei Themen wie der Migration, der wirtschaftlichen Entwicklung und allgemein gegenüber der Komplexität der Gesellschaft müsse er immer wieder für sich nach Antworten suchen. Politik sei kompliziert und trocken, Populismus spreche mittels Zuspitzung, Übertreibung und Tabubruch Emotionen an, wecke Empörung und sei unterhaltsam.

Pfarrdechant Caßens nannte eine weitere Entwicklung. Aufgrund der fehlenden eigenen Erfahrung eines Krieges seien heute in Europa viele angesichts der Komplexität des Lebens und der Frage, wo man sich als Einzelner einordnen soll, geneigt, nationalistischem Denken zu folgen. Er erlebe aber gerade in Nottuln immer noch eine sehr große Solidarität. Eine Strategie des Populismus sei es, einen Sündenbock für das zu benennen, der an Problemen die Schuld trage. Dem müsse man begegnen und sehr genau hinschauen.

Ludger Warnke bestätigte das: Populismus könne man am besten mit einer sachgerechten Argumentation begegnen. „Diese Auseinandersetzung ist anstrengend, aber nötig.“ Die Bürger, hat er in seiner täglichen Arbeit festgestellt, werden kritischer, „und das ist okay“. Der Ton werde aber – vor allem in den sozialen Medien – „manchmal etwas rauer“. Aufgabe der Medien sei es, die Fakten zu recherchieren, darzustellen, auch zu kommentieren. Dass die Medien wie der Populismus zuspitzen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, sei nicht zu leugnen. „Aber wir als Regionalzeitung legen großen Wert darauf, seriös zu sein.“

Für Holger Lucius ist Populismus ein Totschlagsargument gegen Parteien wie die AfD. Doch auch andere Parteien würden so arbeiten, zitierte er Andrea Nahles, die nach der Bundestagswahl Richtung Union gesagt hatte: „Ab morgen kriegen sie in die Fresse.“ Der einzige Parteipolitiker war als Vertreter einer Partei eingeladen, die als populistisch gilt. Dementsprechend kritisch wurde er immer wieder befragt. Und erntete reichlich Widerspruch, etwa da, wo er auf die Frage, wer vom Populismus profitiere, „der Bürger“ antwortete.

Paul Leufke betonte, dass der Populismus durchaus zwei Seiten habe. Provokante und zugespitzte Thesen könnten eine Diskussion in Gang bringen, Aufmerksamkeit wecken. Auf der lokalen Ebene würden solche Thesen dann aber durch Rat und Verwaltung sehr schnell wieder „eingefangen“.

Am Ende meldete sich auch Jutta Glanemann, stellvertretende Leiterin des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, zu Wort. Sie lobte – wie alle Redner auf dem Podium – die Schülerinnen und Schüler für den interessanten Abend und die sachliche Diskussion „auch wenn einem manchmal die Halsschlagader geschwollen ist“. Es sei schade, dass gelegentlich von der Fragestellung des Abends abgewichen worden sei, weil Holger Lucius immer wieder auf die AfD fokussiert habe.

Der Sozialwissenschaftsleistungskurs hatte als Schlusswort eine Erklärung vorbereitet. Populismus, hieß es da, trete in allen Lagern auf und sei eine weltweite Entwicklung. Die Schülerinnen und Schüler plädierten für eine Politik, die nicht ausgrenzt, keine Ängste schürt und keine einfachen Lösungen suggeriert. Und Pfarrdechant Caßens sprach für die überwältigende Mehrheit im Publikum: „Wir müssen politisch und wachsam bleiben. Und deshalb freue ich mich auch über dieses Politcafé, das die politische Bildung der jungen Generation fördert.“

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