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Talkrunde zum Thema Friedensarbeit

Die Angst geht in Polen um

Nottuln

120 Kilometer liegen zwischen Nottulns polnischer Partnerstadt Chodziez und der Ukraine. Der Krieg ist dort somit sehr nah. Davon berichteten die polnischen Partner und Freunde nun bei ihrem Besuch in Nottuln. Gemeinsam entwarfen Deutsche und Polen Perspektiven für Europa.

Von Iris Bergmann

Die Talkrunde zum Thema „Perspektiven für Europa“ im Nottulner Pfarrheim war gut besucht sowohl von Gästen wie auch von Gastgebern. Nach dem Gespräch trafen sich viele noch im Nottulner Ortskern um in den Lokalen Livemusik zu hören und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Foto: Iris Bergmann

„Städtepartnerschaft bedeutet für mich Friedensarbeit, kultureller und sozialer Austausch und lernen aus der Geschichte“, erklärte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes. Ähnlich sah es sein Pendant, der Bürgermeister von Chodziez, Jacek Gursz: „Unsere Partnerschaft beruht auf den Menschen. Und besonders ist dabei, dass wir unsere Werte teilen.“ Beide waren Teilnehmer der Talkrunde, die am Donnerstagabend den Ankunftstag der polnischen Gäste aus der Partnerstadt abrundete.

Markus Wrobel und Morten Steimann begrüßten die zahlreichen Interessierten aus Nottuln wie aus Chodziez im Pfarrheim und moderierten die Talkrunde zum Thema „Perspektiven für Europa“. Neben den Bürgermeistern waren der Europaabgeordnete der CDU, Markus Pieper, Jacek Boguslawski, Vorstandsmitglied des Verwaltungsbezirks Großpolen sowie die Schülerin Mara Schulte Eistrup vom Rupert-Neudeck-Gymnasium dabei.

Offen sein für andere Menschen

Auch an diesem Gesprächsabend war der Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen auf beiden Seiten das beherrschende Thema. „Ich habe gesehen, dass die Angst unter den Menschen gestiegen ist“, so Bürgermeister Gursz. Schließlich sei der Krieg von seinem Ort nur 120 Kilometer entfernt. Er habe Menschen getroffen, die den Bomben entronnen seien. Das habe ihn nachhaltig beeindruckt. Gursz sparte nicht mit Kritik an seiner Regierung, deren konkrete Unterstützung er vermisse und stellte heraus, dass es die Bürgerinnen und Bürger seien, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren. Die Kritik der fehlenden Unterstützung bestätigte auch Jacek Boguslawski.

Mara Schulte Eistrup war beeindruckt vom Zusammenhalt der Menschen in der Krise. „Wir haben Solidarität gezeigt. Und es ist stark, dass wir die Menschen aufnehmen.“ Sie wünschte sich mehr Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger und fand, dass die Solidarität noch weiter ausgebaut werden könne: „Wir sollten offen sein, auch für andere, fremde Menschen.“

Europa militärisch stärken

MdE Markus Pieper trifft aktuell bei allen seinen Begegnungen auf das Thema Ukraine. „Seit 114 Tagen ist das Koordinatensystem zusammengebrochen“, beschrieb er die Situation und fügte selbstkritisch hinzu: „Wir haben die Warnzeichen nicht ernst genug genommen.“ Putin dürfe den Krieg nicht gewinnen. Das Ziel sei es, einen Waffenstillstand zu erreichen und vor allem, Europa stärker zu machen, auch militärisch.

Bei den Wünschen für die Zukunft Europas stand bei den Gesprächsteilnehmenden der Wunsch nach Frieden im Vordergrund.

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