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Kirchengemeinde St. Martin

Die Hand wird zum Altar

Nottuln

Mit den ersten Eucharistiefeiern in der Coronakrise geht die Kirchengemeinde St. Martin einen weiteren Schritt in Richtung Normalität. Doch der Ablauf unterscheidet sich deutlich von dem, was Gottesdienstbesucher vor der Coronakrise gewohnt waren.

wn

900 Kommuniontücher haben 17 Frauen aus allen vier Ortsteilen genäht. Foto: Kirchengemeinde St. Martin

An diesem Pfingstwochenende wird die Kirchengemeinde St. Martin nach vielen Wochen erstmals wieder die Eucharistie feiern. „Wir wollen uns weiterhin von Solidarität und Besonnenheit leiten lassen – die Gottesdienste sollen sowohl so würdig als auch so sicher wie möglich sein. Die Sicherheit der Mitfeiernden liegt uns am Herzen. Und zugleich soll ‚Corona‘ nicht im Mittelpunkt stehen. Sondern er, Jesus Christus, der uns an seinen Tisch lädt“, betont Pastoralreferentin Michaela Bans. Der Kommunionempfang werde daher in den nächsten Monaten anders gestaltet. In einer Presseerklärung stellt die Kirchengemeinde den neuen Ablauf vor:

Am Eingang, beim Ankommen, stehen die Kommunionhelfer und werden jedem, der die Kommunion empfangen will, mit einer Zange eine Hostie geben. Aber nicht einfach so in die Hand. Denn so wie der Altar ein Tischtuch hat, soll auch die Hostie während des Gottesdienstes auf einem kleinen Tischtuch bzw. Kommuniontuch liegen. Alle Gemeindemitglieder sind eingeladen, sich selbst ein kleines Tüchlein mitzubringen. Oder sie nehmen eines der 900 Kommuniontücher, die in diesen Tagen von Frauen der Gemeinde für die Gottesdienste genäht wurden. Das Tuch wird damit Eigentum der Gemeindemitglieder – sie können es zu jedem nächsten Gottesdienst wieder mitbringen.

Die Gottesdienstbesucher nehmen ihr Kommuniontuch mit der Hostie mit zu ihrem Platz und zur Wandlung wird der Priester sie einladen, es zur Hand zu nehmen. Die Hand wird zum Altar. Pfarrer Anstett wird dazu predigen.

Kommunion in einer schweren Notsituation

Die nun zu Pfingsten zelebrierte Form der Eucharistie mit einem Kommuniontuch geht auf einen Hinweis von Fabian Guhr zurück, wie man in einer ganz anderen Notsituation vor vielen Jahrzehnten die Messe gefeiert hat, erläutert Pfarrdechant Norbert Caßens: Zur Zeit des Nationalsozialismus waren viele Priester im „Block 26“ im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Schließlich wurde ihnen gestattet, vor dem allmorgendlichen Appell um 5 Uhr eine Messe zu feiern. Das musste zügig gehen. Die Priester brachten zunächst von der Tagesration des Vortages selbst ein Stück Brot mit, ab Sommer 1941 durfte der Dachauer Stadtpfarrer Pflanzelt Hostien bei den SS-Wachen abgeben. Der Priester Pawel Prabutzki forderte die übrigen Teilnehmer auf, zum Hochgebet die Hände mit dem Brot, später der Hostie hochzuhalten, damit er sie vom Altar aus konsekrieren konnte. „Eure Hände sind der Altar Christi“, sagte er, und auf das „Corpus Christi“ (damals wurde in lateinischer Sprache gefeiert) antworteten alle „Amen“ und reichten sich die konsekrierte Hostie. Aus dieser besonderen Art, Communio, Gemeinsamkeit zu feiern, entstand die Idee mit den Kommuniontüchern.

„Was für eine wunderbare Aktion“

Die Entstehung der 900 Kommuniontücher hat etwas pfingstliches. Darauf weist Pastoralreferentin Michaela Bans von der Pfarrgemeinde St. Martin hin.Das Seelsorgeteam habe einige Frauen, von denen man wusste, dass sie gut und gerne nähen, angesprochen. Bans: „Wir hatten gehofft, bis Pfingsten 300 Kommuniontücher genäht zu bekommen. Aber das Anliegen verbreitete sich wie ein pfingstliches Lauffeuer: 17 Frauen aus allen vier Ortsteilen haben sich beteiligt. Sie selbst und auch einige andere Gemeindemitglieder haben Stoffe gespendet. Viele davon alte, kostbare Tischtücher, die nun zu Kommuniontüchern geworden sind. Was für eine wunderbare Aktion! Ganz herzlichen Dank an alle Näherinnen und an alle, die Stoffe gespendet haben.“

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