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Interview

„Die Ostsee ist kein Badeteich“

Nottuln

Dominik Schwaf engagiert sich als Rettungsschwimmer an der Küste. Im Gespräch erzählt er von seiner Arbeit. Und gibt Eltern einen wichtigen Ratschlag.

wn

Der Nottulner Dominik Schwaf (l.) Foto: DLRG

Dominik Schwaf ist Mitglied der DLRG-Ortsgruppe Nottuln und engagiert sich seit vielen Jahren als Rettungsschwimmer an der Ostsee. Auch in diesem Jahr fuhr er wieder für dreieinhalb Wochen Wachdienst in den Norden. Seit fünf Jahren unterstützt er inzwischen die DLRG in Graal-Müritz. Dieses kleine Jubiläum nahm er zum Anlass, um die Zweitmitgliedschaft in der dortigen Ortsgruppe zu unterschreiben. Im Gespräch mit Lea Suchanek, Leiterin Verbandskommunikation der DLRG-Ortsgruppe Nottuln, berichtete er von seinen Erlebnissen.

Was sind deine Aufgaben als Rettungsschwimmer an der Küste?

Dominik Schwaf: Zu den Standardaufgaben, die jeder Rettungsschwimmer erledigen muss, gehört die Unterstützung des Wachleiters in seinen täglichen Aufgaben. Dies darf ich allerdings auch nur, da ich seit vielen Jahren im Wasserrettungsdienst tätig bin und viele Abläufe kenne. Durch meinen Job als Rettungssanitäter fahre ich zusätzlich als „First Responder“ mit.

Was ist ein „First Responder“?

Schwaf: Ein „First Responder“ ist zunächst einmal ein Ersthelfer oder Sanitäter. Die DLRG stellt an der Ostsee professionelle Ersthelfer, eben diese „First Responder“, die von der Leitstelle bei schwerwiegenderen Notfällen alarmiert werden. Die Einsätze können vom Fahrradsturz bis hin zur Reanimation reichen. In diesem Jahr wurde ich einmal zum Beispiel zu einer Reanimation einer bewusstlosen Person zum Strand gerufen.

Gab es in diesem Jahr Besonderheiten aufgrund der Corona-Situation?

Schwaf: Ja, klar. Insgesamt gelten zunächst einmal die allgemeinen Vorschriften vom Bundesverband. Überall muss Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Bei einem konkreten Verdacht auf eine Corona-Infektion steht für uns ein Ganzkörperschutzanzug zur Verfügung. Dieser kam in meiner Wachdienstzeit glücklicherweise nicht zum Einsatz. Bei einer Reanimation soll außerdem offiziell keine Atemspende erfolgen. Das klingt zunächst erstmal schockierend, doch den Blutkreislauf erhält man durch die Kompression auf dem Brustkorb aufrecht. Und als „First-Responder-Einheit“ haben wir immer einen Beatmungsbeutel mit oder versuchen, den Patienten so schnell wie möglich zu intubieren.

Wie ist es für dich, sich immer wieder auf eine fremde Wachmannschaft einstellen zu müssen?

Schwaf: Die Hälfte der Wachmannschaft wird von der örtlichen Ortsgruppe zur Verfügung gestellt, weshalb für mich nach fünf Jahren auch immer ein paar bekannte Gesichter dabei sind. Mit manchen versteht man sich auf Anhieb sehr gut, andere sind wiederum eben nur Arbeitskollegen. Das ist wie im normalen Alltag auch.

Welche besonderen Erlebnisse hattest du in diesem Jahr, abgesehen von der Corona-Situation?

Schwaf: Für mich war die Reanimation am Strand ein besonderes Erlebnis. In meinem Job als Rettungssanitäter kenne ich zwar Reanimationen, jedoch nicht am Strand und besonders nicht unter solchen Bedingungen. Es gab leider viele Gaffer. Ein anderes Mal halfen wir einem Mann, der sich mit seinem Jeep im Sand festgefahren hatte. Wir mussten mit der DLRG-Mannschaft ausrücken und ihn mit einem Trecker aus dem Sand ziehen.

Was nimmst du in diesem Jahr als Fazit mit nach Hause?

Schwaf: Das Schönste in diesem Jahr war, dass wir viele Danksagungen von Urlaubern erhalten haben. Das macht die Arbeit am Strand besonders, denn ich weiß, dass wir etwas Gutes tun.

Welche Ratschläge hast du für Urlauber?

Schwaf: Urlauber sollten generell auf den gesunden Menschenverstand hören und nicht darauf vertrauen, dass die DLRG schon alles sieht und macht. Weiterhin kann ich älteren Menschen oder Erkrankten nur empfehlen, ihre Gesundheit im Blick zu haben. Eltern lege ich ans Herz, dass sie häufiger ihre Handys an die Seite legen und mehr auf ihre Kinder achtgeben. Jeden Tag lauern viele Gefahren an der Ostsee. Schwimmflügel oder andere Auftriebsmittel ersetzen nicht die Aufmerksamkeit der Eltern. Zudem ist es wichtig, dass Kinder schon früh das Schwimmen erlernen. Durch diese wunderbare Fähigkeit können jährlich viele Bade- und Ertrinkungsunfälle vermieden werden. Allen Urlaubern kann ich nur einen Spruch an die Hand geben, nach dem wir Rettungsschwimmer leben und arbeiten: „Respect the sea – die Ostsee ist kein Badeteich.“

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