Liebfrauenschule: Corona-Schutzmaßnahmen

Distanz und Präsenz verbinden

Nottuln

Die Corona-Krise zwingt die Schulen zu kreativen Lösungen. Und stellt sie vor komplexe Aufgaben, wie Heinrich Willenborg, Schulleiter der Liebfrauenschule, erzählt.

Frank Vogel

In der Liebfrauenschule stehen die Stellwände mit den wichtigsten Verhaltensmaßregeln in Corona-Zeiten schon in den Eingangsbereichen der Gebäude. Foto: Frank Vogel

„Das Ministerium schickt eine Verordnung raus, und die klingt ganz einfach und logisch. In der Praxis aber ist das Ganze unfassbar komplex.“ Heinrich Willenborg hat sich mit den Kolleginnen und Kollegen der erweiterten Schulleitung am Mittwoch zusammengesetzt und das Konzept erarbeitet, nach dem die Liebfrauenschule ins neue Schuljahr starten wird. Dabei, so der Schulleiter, sei der Infektionsschutz der Schüler und Lehrer das wichtigste Ziel. Direkt gefolgt von dem Wunsch, „so viele Kinder wie möglich wieder in die Schule zu bekommen“. Insgesamt werde man versuchen „Distanz und Präsenz miteinander zu verbinden“.

Von den Corona-Schutzmaßnahmen, die die Schulen ergreifen sollen, ist auch der Start der neuen Fünftklässler überschattet. Die 75 Mädchen und Jungen kommen am Mittwoch (12. August) zum ersten Mal in die Schule. Sie beginnen traditionell mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martinus (9.30 Uhr), zu dem auch die Eltern eingeladen sind. Segnung und die Übergabe von Plaketten werden coronagemäß abgewandelt. Danach geht es mit dem Klassenlehrern zur Schule und in die Klassen. „Das übliche Begrüßungsprogramm entfällt leider. Die Eltern sind nicht in die Schule eingeladen, wir bitten sie, die Kinder nach ihrem ersten Unterrichtstag um 12.30 Uhr wieder abzuholen“, sagt Heinrich Willenborg.

Mit dem ersten Schultag an der Liebfrauenschule gilt nicht nur für die neuen Fünftklässler das Hygienekonzept, sondern für alle Schülerinnen und Schüler. Im Zentrum steht dabei die Maskenpflicht. Wie schon vor den Sommerferien, als noch ein paar Tage Unterricht gegeben werden konnte, werden die Klassenräume früher geöffnet, sodass die Schülerinnen und Schüler sich nicht davor „knubbeln“. Sie gehen dann an ihre festen Plätze – Gruppentische wird es nicht geben – und nehmen ihre Sachen mit. Dann erst waschen sie sich die Hände. Die Lehrerinnen und Lehrer dokumentieren die Anwesenheit. All das soll die Nachverfolgbarkeit bei einer möglichen Infektion erleichtern.

Das gilt für den angestammten Klassenraum der Schüler. Im Fachunterricht hingegen werde man, so Willenborg, den Fachlehrern die Chance geben zu sehen, was gefahrlos möglich ist. Beim Sportunterricht etwa sollen keine Kontaktsportarten durchgeführt und möglichst nach draußen gegangen werden, beim Musikunterricht wird es keinen Gesang geben. „Auf selbst durchgeführte Experimente in den Naturwissenschaften werden wir verzichten“, nennt Heinrich Willenborg ein weiteres Beispiel und bedauert: „Alles, was den Unterricht vielfältig macht, können wir im Moment nicht anbieten.“

So werden auch einige Unterrichtsformen nicht stattfinden können. Zum Beispiel muss das selbst gesteuerte Lernen, bei dem sich die Kinder die Unterrichtsmaterialien selber holen, angepasst werden, damit möglichst wenig „Verkehr“ entsteht. Die Musical-AG, die altersgemischten Wahlergänzungsfächer für die 9. und 10. Stufe – „wenn überhaupt, dann kann das nur in einem sehr begrenzten Rahmen stattfinden“, so der Schulleiter.

Die Fenster der Unterrichtsräume sollen geöffnet bleiben, regelmäßig sollen auch die Türen geöffnet und so quergelüftet werden, wenn es der Unterricht erlaubt. Desinfektion der Hände und Flächen, auch der Tablets und Notebooks, die im Unterricht eingesetzt werden, ein genauer Putzplan – das alles ist geregelt.

Die Pausenflächen werden erweitert, so wird beispielsweise der Sportplatz mitgenutzt, um für eine möglichst große Entzerrung zu sorgen. Und wenn es brüllend heiß wird oder regnet? „Dann müssen die Schüler im Gebäude bleiben, und dürfen ihre Masken nur zum Essen abnehmen.“ Apropos Essen: Die Mensa wird – auch weil sie von den Bauarbeiten betroffen ist (wir berichteten) – erst wieder eröffnet, wenn das möglich ist.

Schwierig könnte es beim Busverkehr werden. Da sind Gemeinde, Kreis, Busunternehmen und Schulen im Gespräch, wie dort Gedränge und Menschenansammlungen an Haltestellen und in den Bussen verhindert werden kann, erklärt Heinrich Willenborg. Seine dringende Bitte an die Schüler: „Tragt eure Masken!“

Gut vorbereitet sei man auf digitalen Unterricht. „Unsere Lernplattform ist neu eingerichtet.“ Vorbereitet wäre man auf einen zweiten Lockdown und – was Heinrich Willenborg für wahrscheinlicher hält – für Situationen, in denen einzelne Schüler, einzelne Klassen, einzelne Lehrer in Quarantäne müssen. Dann werde zum Beispiel der Lehrer in Quarantäne die Aufgaben digital stellen und per Konferenzschaltung für Fragen zur Verfügung stehen, die Schüler werden die Aufgaben im Klassenraum unter Aufsicht bearbeiten. „Da müssen wir kreativ werden.“ Ansonsten sei das Förderprogramm des Landes, bei dem der Schulträger einen 90-prozentigen Zuschuss beim Kauf von Endgeräten bekommt, angelaufen, ist Heinrich Willenborg optimistisch, dass man an dieser Stelle zu Verbesserungen für die Schüler kommen wird.

Optimistisch ist er im Übrigen auch, was die Maskenpflicht angeht. „Die Kinder kennen das ja schon. Sie werden das annehmen.“

Startseite