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Landestheater Castrop-Rauxel zeigt „Der heilige Paulus“

Ein echtes Kulturhighlight

Nottuln

Schon der erste Blick in die Kirche war beeindruckend. St. Martinus war durch ein spezielles Beleuchtungskonzept in ein mystisches Licht getaucht.

Daniel Loewe, Daniel Loewe

In solchen Farben hat man das Innere der St.-Martinus-Kirche wohl noch nicht gesehen. Für die Inszenierung von „Der heilige Paulus“ kam eine ausgefeilte Lichttechnik zum Einsatz. Foto: Cornelia Boer

Die Nottulner Pfarrkirche bildete am Freitagabend den Rahmen für die Münsterland-Premiere des Stückes „Der heilige Paulus“, das Regisseur Tankred Schleinschock nach einer Idee von Pier Paolo Pasolini geschrieben hat.

In Verbindung mit einem Chor, welcher Volkes Stimme symbolisch darstellte und eine moderierende Funktion hatte, wurde das Stück gar zum ersten Mal aufgeführt. Der Chor unter der Leitung von Kantor Heiner Block bestand aus freien Sängerinnen und Sängern sowie Mitgliedern der Kirchenchöre Nottuln und Darup, des Chores Da Capo und des Chorus Cantemus.

Ebenso wie der Chor waren die Schauspieler des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel der Einladung des Vereins „Kunst und Kultur“ Nottuln gefolgt, der als Veranstalter fungierte.

Es war durchaus keine leichte, sondern inhaltlich sehr gehaltvolle Kost, die Schleinschock den Zuschauern über knapp drei Sunden inklusive Pause in der voll besetzten St.-Martinus-Kirche bot. Für die Aufführung seines Stückes waren aufwendige Umbauten notwendig gewesen, welche ganze zwei Tage in Anspruch genommen hatten. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal auf statt hinter dem Altar stehe“, kommentierte Dechant Norbert Caßens kurz vor Aufführungsbeginn den Aufbau der Bühne über dem Altar der Kirche. Der rund einhundertköpfige Chor war im rechten Seitenschiff untergebracht. Nach einer kurzen Einführung durch Schleinschock in sein Stück ging der Vorhang auf.

Inhaltlich behandelte das Werk die Lebensgeschichte des Apostels Paulus. In einzelnen Episoden wurden die Lebensstationen des Apostels behandelt, vom Beginn seines Weges in Jerusalem über seine zahlreichen Reisen bis hin zu Verfolgung, Verhaftung und Gefangenschaft. Durch das Stück wurden das Handeln und im speziellen die Briefe des Paulus nachvollziehbarer. Trotz der ernsten Handlung kam auch der Humor nicht zu kurz, welcher dem Publikum den einen oder anderen Lacher entlockte.

Das Schauspielerensemble gefiel, allen voran Andreas Kunz in der Titelrolle, außerdem Roni Merza als Titus (Freund von Paulus), Julia Gutjahr als Persis (Schwester von Paulus) und Andreas Bühring als Lukas, der Evangelist. Das Ensemble wurde unterstützt durch den Chor, Sologesang und auch Lesungen einzelner Paulusbriefe, die Hanns Kessler als Erzähler von der Kanzel herab ans Publikum richtete.

Die moderne und experimentelle Inszenierung griff auch auf technische Hilfsmittel wie eine Videoleinwand zurück, auf der sowohl zuvor aufgezeichnete Filme als auch Aufnahmen des Abends zu sehen waren, welche von den Schauspielern selbst mit einer großen Videokamera während der Aufführung gemacht wurden.

Als nach sich dramatisch zuspitzender Handlung schließlich der Vorhang fiel, belohnte das Publikum die Künstler mit minutenlangem Applaus. Die Veranstalter von „Kunst und Kultur“ Nottuln zeigten sich ebenfalls sehr zufrieden. Auch für Autor und Regisseur Tankred Schleinschock war es ein gelungener und besonderer Abend: „Es war das erste Mal, dass mein Stück von einem Chor begleitet wurde. Die Nottulner Kirche war dafür ein einmaliger und schöner Rahmen.“ Den Organisatoren um Heiner Block darf man gratulieren. Sie haben einen hohen künstlerischen Standard gesetzt. Durchaus ein Ereignis in Nottuln.

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