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Karl-Heinz Stevermüer

Ein waschechter Mönsterlänner Leedermaker

Nottuln

Der Nottulner Karl-Heinz Stevermüer war viele lang Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. Der heute 68-Jährige ist im Münsterland aber auch als Musiker bekannt. Seine wahre Leidenschaft aber ist die plattdeutsche Sprache.

Günter Dieker

Karl-Heinz Stevermüer in seinem Probenraum vor der „Wand der Erinnerung“. Foto: Günter Dieker

„Hier wohnt ein Musiker!“ Bereits in der Diele des Hauses hängt ein Schlüsselbrett eines bekannten Verstärkerherstellers. Anstelle von Schlüsselhaken werden hier stilecht Klinkenstecker zum Aufhängen benutzt.

Karl-Heinz Stevermüer, vielen Nottulnern auch noch als streitbares Ratsmitglied und langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender bekannt, blickt auf eine über 45-jährige Musikertätigkeit zurück. „Ich habe früh schon als Schlagzeuger mit Showgrößen wie Alfred Biolek, Ireen Sheer oder auch Andrea Jürgens auf der Bühne gestanden“, erzählt der Nottulner nicht ohne Stolz.

Damals spielte Karl-Heinz Stevermüer überwiegend in Tanz- und Unterhaltungsbands. Später gründete er dann seine eigene Rockband: die Jalta-Birds. „Ich war zu der Zeit Jugendamtsleiter in Emsdetten. Einmal jährlich fand ein NRW-Jugendamtsleitertreffen statt. Hierbei entstand mit Gleichgesinnten die Idee, eine Rockband zu gründen. Der Name Jalta geht auch auf diese JugendAmtsLeiterTAgungen zurück.“ Auftritte in Münsters Hot Jazz Club und vielen anderen Locations folgten. „Es waren tolle Auftritte mit tollem Feedback vom Publikum“, erinnert sich der heute 68-Jährige.

Seine eigentliche Liebe gehört aber der plattdeutschen Sprache. Mit seinem kongenialen Partner Reinhard Dahlmann aus Lüdinghausen gründete er 2003 das mittlerweile weithin bekannte Duo „Die singenden Kiepenkerle“. Seither entsprangen seiner Feder eine Vielzahl plattdeutscher Texte, die sich teilweise bissig, teilweise witzig dem Alltag widmen.

Die allermeisten der Lieder wurden von Reinhard Dahlmann vertont, es gab aber auch einige Coverversionen. So wurde aus „Über den Wolken“ von Reinhard Mey der Song „Up mienen Trecker“. „Auf meinen täglichen Fahrten zu meiner Arbeitsstelle im Rathaus von Emsdetten hing ich häufiger auf der Landstraße hinter großen Landmaschinen, die im Laufe der Jahre immer höher wurden. Dabei kam mir die Idee zu dem Song“, gibt Stevermüer einen Einblick in sein Schaffen.

Der Alltag war dem Nottulner Ideengeber für viele weitere Titel: So beschäftigt er sich mit der Wegwerfgesellschaft im Song „Smiet weg, hal die wat Nieët“. Überhaupt der Münsterländer Alltag! Karl-Heinz Stevermüer schaut da täglich genau hin. So entstanden Lieder wie „Et giff ümmer wat to daohn“ zum Alltag eines Rentners oder „Fröher was dat anners“ und „Wat et nich alls giff vandage“ zur Konsumgesellschaft.

Auch der seit Oktober 2017 beliebte Nottulner Folktreff, veranstaltet zusammen mit dem Heimatverein, geht auf seine Initiative zurück. „2019 haben wir noch einen Weihnachtsfolktreff veranstaltet. Der hat eine riesige Resonanz gefunden, sodass wir ihn eigentlich jährlich wiederholen wollten. Doch mit dem Winter-Folktreff im Februar 2020 endeten unsere Pläne pandemiebedingt“, bedauert der „Mönsterlänner Leedermaker“, wie er auch genannt wird, diese sehr lange Pause. Circa 20 geplante Folktreffs, einschließlich der in Emsdetten, wo er seit 2014 mit seinem Percussion-Set Mitglied der Folktreff-Band(e) ist, sind seitdem ausgefallen.

Karl-Heinz Stevermüer betreibt Musik heute nur noch zum Zeitvertreib. „Ich habe für meine vier Enkelkinder jeweils ein eigenes Lied geschrieben.“ Wie gut diese offensichtlich ankommen, zeigen die über 22 000 Klicks bei Youtube. In dieser Zeit der Ruhe und des Rückzugs entstand sein neuestes Lied, ein Coronasong mit dem Titel „Laot us fast tosammen staohn“.

Auch zu dem plattdeutschen Liederbuch „Nich bloos för aolle Lü“ des Plattdeutsch-Publizisten Paul Baumann steuerte Stevermüer acht Lieder bei, so auch seine Interpretation von „Über den Wolken“.

„Ich liebe das Münsterländer Platt. Über meine Großeltern, wie auch später über meine Schwiegereltern, kam ich immer wieder in Kontakt mit der Sprache. Ich glaube, dass ich es recht gut beherrsche und hoffentlich bald auch wieder im Folktreff anwenden kann“, würde sich der Mensch und Musiker Karl-Heinz Stevermüer über die Öffnung des sozialen Lebens, „möglichst noch in diesem Jahr“, freuen. Bis dahin gilt es: Ruhe bewahren und „Gued goahn un hol di fucht“.

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