1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. „Eine Durststrecke für uns alle“

  8. >

Musikerinnen und Musiker hoffen auf Konzertmöglichkeiten

„Eine Durststrecke für uns alle“

Nottuln

Gemeinsames Musizieren und Musikunterricht stoßen in Corona-Zeiten leider auch in Nottuln schnell an ihre Grenzen. „Gar nicht möglich sind Orchesterproben“, bedauert Christoph Zumbülte. Der Vorsitzende der Blasmusikvereinigen (BMV) weiß aber, dass die Musiklehrer des Vereins – streng nach Corona-Regeln – weiterhin Unterricht erteilen.

Marita Strothe

Musikunterricht war außerhalb von Corona-Zeiten - wie auf diesem Archivbild zu sehen - kein Problem. Jetzt ist das schwieriger geworden. In besonderer Weise beschränkt sind die Möglichkeiten des Online-Unterrichtes. Foto: dpa

Gemeinsames Musizieren und Musikunterricht stoßen in Corona-Zeiten leider auch in Nottuln schnell an ihre Grenzen. „Gar nicht möglich sind Orchesterproben“, bedauert Christoph Zumbülte. Der Vorsitzende der Blasmusikvereinigen (BMV) weiß aber, dass die Musiklehrer des Vereins – streng nach Corona-Regeln – weiterhin Unterricht erteilen, damit die jungen Musikerinnen und Musiker „die Möglichkeit haben, im Thema zu bleiben“. In Präsenz als Einzelunterricht, teilweise auch bei den Schülern zu Hause oder nur online. Und die Orchestermitglieder haben, anstatt gemeinsam zu spielen, jeder für sich daheim ihren Part eingespielt, der dann in Gesamtvideos eingeflossen ist.

Auch Anja Höning von der „Kleinen Blockflötenschule“ hat schnell auf die Einschränkungen reagiert. „Bei mir ist nicht ein einziger Unterricht ausgefallen“, ist sie stolz. Direkt zu Beginn der coronabedingten Einschränkungen hat die Musiklehrerin ihr Angebot virtuell über Skype erweitert.

Online-Unterricht könne zwar für einige Zeit den Präsenzunterricht ersetzen, aber nicht dauerhaft, hat sie festgestellt. „Manche kommen gut damit klar, andere weniger, besonders die Kleineren nicht.“ Einige hätten auch die Lust am Musizieren verloren, bedauert sie. Und auch ihr fehle dabei der persönliche Kontakt sehr. Mit Noten von Pop-Songs und Klassik, die Höning ihren „Großen“ zuvor zu Hause in die Briefkästen steckt, macht sie ihren älteren Schülern den Online-Unterricht interessant.

In ihren Räumen erteilt Anja Höning aktuell nur Einzelunterricht oder schult maximal zwei Kinder gleichzeitig. „Die Kinder sind ganz diszipliniert“, lobt sie. „Alle halten das vorgeschriebene Hygiene-Konzept ein.“ So werde, wenn die Maske zum Flötespielen abgenommen werden muss, ausreichend Abstand gehalten. Danach werde der Schutz selbstverständlich wieder getragen.

Anja Höning lässt sich zudem zur Sicherheit regelmäßig testen. Weil sie nicht in einer Schule unterrichtet, gehöre sie leider nicht zur Erzieher- und Lehrergruppe, die bereits impfberechtigt sei, hat sie erfahren. „Es ist schwierig, überhaupt an Informationen zu kommen“, berichtet sie von ihren Nachfragen, was für Musiklehrer möglich und erlaubt ist, unter anderem beim Landesverband für Musikschulen und beim Gesundheitsamt des Kreises Coesfeld. Als eine „Durststrecke für uns alle“, bezeichnet Höning den Musikunterricht für ihre Schüler und sich in dieser Zeit.

Besser dran ist Schlagzeuglehrer Wolfgang Fuchs. „Wir sind guter Dinge“, berichtet er von sich und seinen Musikschülern. Haben sie doch im Gegensatz zu manch anderen Musikern Instrumente, deren Spiel auch unter Corona-Schutzbedingungen noch gut möglich ist. Marimba, Vibrafon, Xylofon oder Drum-Set lassen sich schließlich auch mit FFP2-Maske, bei offenen Fenstern und Türen sowie aktivem Luftreinigungsgerät spielen. Der Pensionär Fuchs hat zudem den altersbedingten Vorteil, dass er bereits in der kommenden Woche einen Impftermin hat. In seinem 25 Quadratmeter großen Übungsraum arbeitet er in der Regel nur mit einem Schüler. Auch die Mitglieder der Mallet-Ensembles proben mit ihm im Einzelunterricht. Anschließend üben sie zu zweit ohne ihren Musiklehrer. „Online zusammenzuspielen ist mit unseren Instrumenten auch schlecht möglich“, sagt Fuchs. Bei der Übertragung im Internet werde das Ergebnis durch Zeitverzögerungen (die sogenannte Latenz) verfälscht.

Da die Ensembles aber noch hoffen, vielleicht schon Mitte Juni wieder ein Konzert geben zu können, werden so langsam komplette Ensemble-Proben wichtig. „Wir lassen uns vorher freitagnachmittags alle testen“, erzählt Wolfgang Fuchs. „Eine prima Sache vom DRK“, nutzen er und die Ensemble-Mitglieder das Angebot in der Alten Amtmannei, bevor sie dann samstags mit maximal fünf Personen zusammen musizieren. Und sicherheitshalber informiert sich Fuchs auch über alternative Terminmöglichkeiten Ende August, Anfang September, falls im Juni noch keine Konzerte erlaubt sind.

Etliche Termine hat auch Johannes Sandberger bereits für das diesjährige Projektorchester in Nottuln ins Auge gefasst. Die ersten musste er bereits streichen. 20 Musikerinnen und Musiker haben sich angemeldet und ihre Parts schon ausgiebig geübt. „Der Aufwand ist fünfmal größer als sonst“, hat der Musiklehrer während der Vorbereitung festgestellt. Wenn die Akteure beispielsweise gebräuchliche sprachoptimierte Online-Foren nutzen, stufe das Programm das Geigenspiel als Geräusch ein und „optimiere“ Klänge weg, erklärt er. „Klavier geht, aber Geige und Bratsche sind schlecht.“

Noch seien alle Beteiligten aber zuversichtlich, dass sich das Konzert des Projektorchesters realisieren lässt. „Wir hoffen auf die Sommerferien“, berichtet Johannes Sandberger. Gibt es einen Termin, werde man sehen, ob tatsächlich alle Instrumentalisten teilnehmen können. Je nachdem wer ausfalle, könne das für ihn zur Folge haben, dass er möglicherweise kurzfristig die Noten umschreiben müsse, befürchtet er.

„Falls das Konzert nicht zustande kommt, ist das auch finanziell ein Verlust“, erklärt Johannes Sandberger. Denn die geleistete enorme Vorarbeit könne er sich nicht von den Teilnehmern bezahlen lassen, wenn am Ende kein Auftritt möglich sei.

Startseite