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Menschen

Eine ganz tragische Geschichte

Nottuln/Rorup

Der Nottulner Hobbyhistoriker Holger Howey ist einem traurigen Ereignis auf der Spur. Es hat sich in Nottuln zugetragen und er sucht mögliche Zeitzeugen.

Frank Vogel

Holger Howey mit einem Buch, in dem der junge Jack Cook auf einem Foto mit der Regimentsfahne abgebildet ist. Foto: Frank Vogel

„Eines der traurigsten Vorkommnisse am Ende des Zweiten Weltkrieges, von denen ich je gelesen und gehört habe, ist zwischen Rorup und Nottuln in den letzten Märztagen 1945 geschehen.“ Das sagt der Nottulner Holger Howey, der sich als Hobbyhistoriker mit der Geschichte seiner Heimat beschäftigt. Recherchiert hat er Folgendes:

Als das 513. US-Fallschirm-Infanterie-Regiment als Teil der 17. US-Luftlandedivision von Rorup in Richtung Darup und Nottuln vorrückte, stießen die amerikanischen Soldaten auf eine Flak-Anlage mit Bunkern. Hier hatten die sich zurückziehenden deutschen Truppen – wie in anderen Orten auch – der örtlichen Hitler-Jugend Waffen gegeben, um die Amerikaner „aufzuhalten“. Ein eigentlich hoffnungsloses Unterfangen für die Kinder, aber der grausamen Logik des Krieges geschuldet. Die HJ war in den Gräben an der Flak-Anlage in Stellung gegangen. Warum auch immer – es lag wohl ein Bettlaken auf einem der Bunker – gingen die amerikanischen Soldaten mitten über den Acker auf die Anlage zu.

„In amerikanischen Berichten steht, dass die Soldaten bis auf 30 Meter herankamen, als die Kinder das Feuer eröffneten“, hat Holger Howey herausgefunden. Zwei amerikanische Soldaten wurden getroffen. Und erst als etwas später Panzer eingesetzt wurden, um den Acker zu überwinden, konnten die Kinder gefangen genommen werden.

Aus amerikanischen Berichten hat Holger Howey erfahren, das einer der beiden verwundeten Soldaten der erst 16-jährige Jack Cook war. Der Waisenjunge hatte seine Adoptiveltern überredet, sein wahres Alter zu verschweigen und sich mit sage und schreibe 14 Jahren zur Armee gemeldet. Wegen seiner Größe hatte man ihm seine Lüge offenbar abgenommen. Irgendwann aber hatte die Adoptivmutter wohl Gewissensbisse bekommen und der Armee Jacks wahres Alter mitgeteilt. Sein Kompaniechef erhielt daraufhin den Befehl, ihn aus der Kampflinie zu nehmen. Doch einen Tag, bevor der Befehl eintraf, war Jack im Krankenhaus verstorben.

„Dieses tragische Vorkommnis gleicht fast der Geschichte, die in dem bekannten Film ‚Der Soldat James Ryan‘ geschildert wird, in dem auch ein Soldat aus der Kampflinie herausgeholt werden sollte. Und ich finde, dass diese Vorkommnisse nicht vergessen werden dürfen, weil im Grunde Kinder auf Kinder geschossen haben“, so Holger Howey.

Der Nottulner fragt sich, ob noch Zeitzeugen leben, die über dieses Ereignis Auskunft geben könnten: „Eventuell ist ja auch in der Familiengeschichte etwas darüber erzählt worden oder es sind auch Fotos der Bunker gemacht worden.“ Eine Kontaktaufnahme zu Holger Howey ist möglich per E-Mail an: nottuln@t-online.de

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