1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Eine märchenhafte Melange

  8. >

Premiere im Rahmen der Kulturreihe „finde dein Licht“

Eine märchenhafte Melange

Nottuln

Bezaubernd war das, was Margarete Rademacher und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Pfarrkirche St. Martinus boten. Lesung, Musik und Lichterspiel - gleich mehrere Sinne des Publikums wurden angesprochen.

Von Iris Bergmann

Eine Premiere feierte die Kulturreihe „Finde dein Licht“ in der Nottulner St.-Martinus-Kirche. Das Zusammenspiel von Briefdialogen, Märchenerzählungen und Musik von Orgel und Harfe begeisterte das Publikum. Foto: Iris BergmannIris Bergmann

Es fehlte nur noch ein knisterndes Kaminfeuer und der Duft von frisch gebackenen Plätzchen, alles andere war perfekt und so manch einer, manch eine der Zuhörerinnen und Zuhörer in der illuminierten St.-Martinus-Kirche mag sich in die Kindheit zurückversetzt gefühlt haben, lauschte mit Hingabe den Akteuren vorn am Altar, die dort – umrahmt von Orgel- und Harfenspiel - Märchen erzählten oder Briefe vorlasen. Eine „Märchenhafte Freundschaft“ war es, die mit der Kulturreihe „finde dein Licht“ in der Baumberge-Gemeinde seine Premiere feierte und Farbe und Wärme in den grauen Novembersonntag brachte.

Der Nottulnerin Margarete Rademacher war es gelungen, eine perfekte Melange zu schaffen aus Musik, Märchenerzählungen und einem Dialog aus den Briefen, die sich Jenny von Droste Hülshoff und Wilhelm Grimm über viele Jahre geschrieben hatten. Alles war ineinander verwoben oder hatte Bezug zueinander. Die Droste-Kennerin hob, gemeinsam mit Matthias Klesy als wohltönendem Wilhelm Grimm, die sehr liebevolle Korrespondenz zwischen dem Märchenschreiber und der Schwester der berühmten westfälischen Dichterin Annette von Droste Hülshoff indes nicht allein in den Mittelpunkt, sondern umhüllte sie mit Grimmschen Märchen, Farbenspielen mit Licht und nicht zuletzt musikalischem Genuss.

Wilhelm Grimm und Jenny von Droste Hülshoff

Kantor Heiner Block hatte den Part des Organisten inne, zeigte einmal mehr, wie fein oder auch kraftvoll das Instrument bedient werden kann. Und vor allem, dass es auch zur musikalischen Untermalung genutzt werden kann, ohne die Vortragenden zu übertönen: Sei es, als die wunderbar frei sprechende Kelley Kucaba dem Publikum das Grimmsche Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ darbot, Margarete Rademacher selbst „Die zertanzten Schuhe“ mitreißend erzählte oder als Elisabeth Georges das Märchen von den „Schwatten Prinzessinnen“ oder „Up Reisen goahn“ auf münsterländer Platt präsentierte.

Dennoch: Es gab etwas, dass das Publikum ganz besonders in den Bann zog: Das Harfenspiel der nur 15 Jahre jungen Harfenistin Ronja Ehrbar, die schon zahlreiche Preise eingeheimst hat. Völlig zurecht, wie die Anwesenden am Sonntagnachmittag in der Pfarrkirche hörten und erlebten. Mit ihren Soli, fein und perfekt, zog sie die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren Bann. Wer kennt nicht die zarte Filmmelodie aus „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ oder das klangvolle „Märchen schreibt die Zeit“ aus dem Musical „Die schöne und das Biest“? Nur zu gern ließ sich das Publikum von der jungen Harfenistin verzaubern.

Als der letzte Brief gelesen, das letzte Märchen erzählt und die letzten Töne von Orgel und Harfe verklungen waren, applaudierte das Publikum sich selbst und auch die Akteure zurück in die Realität des grauen Novembersonntags.

Startseite
ANZEIGE