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Interview mit Rektorin Ursula Wippich

„Entwurf beinhaltet keinen großen Luxus“

Darup

Ursula Wippich ist seit vielen Jahren Rektorin der Grundschule in Darup. Und angesichts der Debatte über Einsparungen beim Teilneubau der Schule mahnt sie: „Es geht nicht allein darum, die heutige Situation zu berücksichtigen, sondern wir müssen auch an morgen und übermorgen denken.“

wn

Die Daruper Sebastianschule ist nach dem Brand und Abriss des Kopfgebäudes ein großes Provisorium. Über den Teilneubau wird gerade lebhaft diskutiert. Foto: Frank Vogel

Zu viel Kritik und Unverständnis hat der Beschluss der Nottulner Gemeindepolitik geführt, der vorsieht, beim Teilneubau der Daruper Sebastian-Grundschule 360 000 Euro einzusparen. Redakteurin Stephanie Sieme hat Schulleiterin Ursula Wippich zu dem Beschluss, den Protestaktionen von Schülern und Eltern und zur Bedeutung der von der Arbeitsgruppe erarbeiteten Variante 2 für das pädagogische Konzept der Schule befragt.

Durchhaltevermögen notwendig

Frau Wippich, hinter Ihnen und der gesamten Schulgemeinde liegt ein ereignisreiches Jahr, oder?

Ursula Wippich: Das letzte Jahr hat von allen an Schule Beteiligten viel Durchhaltevermögen erfordert und Kraft gekostet. Während Corona und zusätzlich nach dem Brand mussten wir uns auf einen Schulbetrieb unter besonderen Bedingungen einstellen: ein möglichst reibungsloser Schulbetrieb in plötzlich beengten Räumlichkeiten, die Einhaltung von Hygieneanforderungen, der Wechsel von Distanz-, Wechsel- und Präsenzunterricht. Die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, das Kollegium sowie alle Personen, die an unserer Schule tätig sind, haben das mitgetragen.

Schulleiterin Ursula Wippich Foto: Manuela Reher

Eltern und Schüler protestieren gegen die Sparvorschläge beim Teilneubau der Sebastian-Grundschule. Nun hat eine Initiativgruppe sogar eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Was sagen Sie zu all dem Engagement?

Lebendiger Bestandteil des dörflichen Miteinanders

Wippich: Die enorme Verbundenheit in der Daruper Bevölkerung und darüber hinaus der Zuspruch, den wir insgesamt auch aus Nottuln erhalten, macht uns allen viel Mut, dass der Wiederaufbau der Sebastianschule zukunftsfähig gelingen wird. Die Anstrengungen, die unternommen werden, jetzt sogar durch eine Spendenaktion, verdeutlichen, wie wichtig den Menschen ein sicherer, langer Fortbestand einer Grundschule in den Ortsteilen ist. Unsere Sebastianschule ist ein lebendiger Bestandteil des dörflichen Miteinanders. Der enge soziale Kontakt aller an Schule beteiligten Personen und die Offenheit untereinander führen zu einem konstruktiven Miteinander. Sehr deutlich wird das auch in der stummen Blumen-Protestaktion von Eltern und Kindern. Für dieses große Engagement danke ich allen herzlich.

Wie stehen Sie zu dem Beschluss der Nottulner Gemeindepolitik, dass Einsparungen für den Teilneubau vorgenommen werden sollen?

Variante 2 beinhaltet Basisstandards

Wippich: Die finanzielle Lage der Gemeinde kann bei der Gesamtplanung sicherlich nicht außer Acht gelassen werden. Es geht aber nicht allein darum, die heutige Situation zu berücksichtigen, sondern wir müssen auch an morgen und übermorgen denken. Die von der Arbeitsgruppe favorisierte Variante 2 beinhaltet Basisstandards, die angepasst sind an die heutige schulische Situation vor Ort und an die Notwendigkeiten, die für ein zukunftsträchtiges Lernen und letztendlich Bestehen der Schule wesentlich sind. Der Entwurf beinhaltet keine Großzügigkeiten oder besonderen Luxus. Er beinhaltet das, was Kinder brauchen. Einsparungen, vor allem im Raumkonzept, würde ich sehr bedauern.

Weg vom Lernen im Gleichschritt

Wie wichtig ist die von der Arbeitsgruppe erarbeitete Variante 2 für das pädagogische Konzept?

Wippich: Gerade heute, wo die Kinder, jedes bepackt mit seinem persönlichen Rucksack, der manchmal sehr schwer sein kann, in die Schule kommen, müssen wir die Bedingungen schaffen, dass die Kinder ihre Potenziale entfalten können. Längst sind wir weg vom Lernen im Gleichschritt. Die Zeit, in der Lehrerinnen und Lehrer hinter verschlossenen Türen im Klassenraum unterrichten, während der Flur verwaist ist, gehört der Vergangenheit an. Heute benötigen wir neue und offene Begegnungs- und Arbeitszonen, in denen entdeckendes und kooperatives Lernen gefördert wird. Ab 2025 gibt es einen Rechtsanspruch für alle Kinder auf ein Ganztagsangebot. Spätestens dann werden die Räume multifunktional und gemeinsam benutzt werden. Wir sollten das gemeinsam auf den Weg bringen, vom Schulraum zum Lebensraum kommen mit einer zukunftsfähigen Schule. Die Variante 2 trägt dazu bei.

Nächste Woche tagt die Arbeitsgruppe, die Einsparungsmöglichkeiten eruieren soll. Dazu gehören auch Sie. Glauben Sie, dass Einsparungen möglich sein werden?

Wippich: Das weiß ich nicht. Mein Ansatz ist ein anderer. Ich würde mich freuen, wenn wir den Fokus darauf legen könnten, mit welchen Mitteln die Variante 2 realisiert werden könnte.

Klassenraum muss multifunktional sein

Wie kann aus Ihrer Sicht die Daruper Grundschule zukunftsfähig aufgestellt werden?

Wippich: Unsere Grundschule versteht sich als Ort des lebendigen Klassen- und Schullebens; ein Ort, der die Lern- und Aufenthaltszeit unserer Schülerinnen und Schüler bekömmlich rhythmisiert und eine freundliche Kommunikationskultur gestaltet und lebt. Das soll auch weiterhin in der Qualität des Raumangebots, der Raumgestaltung und der Lernumgebungen Ausdruck finden. Der Klassenraum soll den Kindern ein Zuhause bieten und muss multifunktional sein. Dort sollen Kinder lernen, forschen, lesen, sich ausruhen, sich austoben, miteinander spielen oder miteinander ins Gespräch kommen können. Die im Entwurf im Obergeschoss geplante sogenannte „Leseoase“ kann diese Funktionen erfüllen. Der Raum könnte aber auch bei Bedarf als zusätzlicher Klassenraum Verwendung finden. Seit nunmehr drei Jahren beschulen wir auch Kinder aus Schapdetten. Sie haben bei uns eine neue Schulheimat gefunden und gehören fest zu unserer Schulgemeinde. Die Schülerzahl ist damit solide konstant. Im Sommer 2021 starten wir mit einer sehr großen Eingangsklasse. Gerade für diese große Schülerzahl ist das geplante Raumangebot im Erdgeschoss von einem Klassenraum mit entsprechend großen Nebenraum, in dem bis zu 15 Kinder arbeiten können, wirklich wichtig. Hinzu kommt an unserer Schule die Einbindung der Natur in das Lernen. Eine mögliche Öffnung des Klassenraumes oder des Nebenraums nach außen würde vielfältige Lernanreize bieten. So könnte der Nebenraum auch als Sachunterrichtsraum beziehungsweise Forscherraum von den Kindern benutzt werden. Ein entsprechendes Raumkonzept mit guter Akustik und flexibler Möblierung, ausgestattet mit Mikroskopen, Becherlupen und Ähnlichem, stärkt die Denk- und Handlungsfähigkeit der Kinder und ihre Kreativität. Eine zukunftsfähige Schule sind wir, wenn wir unter anderem die Bedingungen für gelingendes Lernen schaffen. Dazu gehören anspruchsvolle Lernumgebungen, die vielfältig, funktional, ästhetisch und nachhaltig sind.

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