1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. „Es waren zehn spannende Jahre“

  8. >

Schiedsfrau Elisabeth Schmeddinghoff beginnt am 1. Januar ihre dritte Amtszeit

„Es waren zehn spannende Jahre“

Nottuln

Elisabeth Schmeddinghoff kommt, wenn andere sich streiten: Seit zehn Jahren ist die heute 63-Jährige Schiedsfrau. Viele verschiedene Streitigkeiten, oft zwischen Nachbarn, hat sie begleitet. Und es werden noch einige hinzukommen, denn nun geht sie in ihre dritte Amtszeit.

Gratulierten Elisabeth Schmeddinghoff zum Zehnjährigen (v.l.): Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, Volker Christoph, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Münster im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen, und Rechtsrat Stefan Kohaus. Foto: Gemeinde Nottuln

Als Elisabeth Schmeddinghoff den Aufruf „Schiedsleute gesucht“ in der Zeitung gelesen hatte, war sie direkt interessiert. Sie bewarb sich bei der Gemeinde Nottuln, stellte sich erfolgreich dem Gemeinderat vor und wurde Schiedsfrau in der Gemeinde. Das war vor zehn Jahren. Am 1. Januar 2023 beginnt nun ihre dritte Amtszeit als Schiedsfrau. Mitte Dezember wurde sie vom Rat dazu erneut bestellt.

In einer Feierstunde würdigten Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, Rechtsrat Stefan Kohaus, Hans-Jörg Teubner vom Ordnungsamt und Volker Christoph, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Münster im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen und Nottulner Kollege von Elisabeth Schmeddinghoff, ihre bisherigen Verdienste um das Ehrenamt und beglückwünschten die 63-jährige Schapdettenerin zu ihrer weiteren Amtszeit.

Schöne, aber auch schockierende Geschichten

Die Schiedsfrau, so die Gemeinde in einer Pressemitteilung, könnte so richtig aus dem Nähkästchen plaudern, wenn sie wollte. Sie könnte von einer lauten Poolpumpe erzählen, die die Nachbarn um den Schlaf bringt, von Bäumen, deren Zweige sich zu weit über das nachbarliche Grundstück neigen oder von einem Zaun, der so nicht stehen darf, wie er steht. Es gibt so manche schöne Geschichte, wenn es zu einer gütlichen Einigung zwischen den oft nachbarschaftlichen Streithähnen gekommen ist.

Und es gibt jene Geschichten, die die Zuhörerinnen und Zuhörer eher betroffen zurücklassen, weil das, was da passiert ist und wie sich der Umgang zwischen den Parteien und der Schiedsfrau entwickelte, keinen guten Verlauf genommen hat.

Aber Elisabeth Schmeddinghoff nimmt den Schutz ihrer Mandantinnen und Mandanten sehr genau: Details gehen niemanden etwas an. Deshalb berichtet sie nur Grundsätzliches von ihrer Arbeit – und das reicht schon, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, wie Streitigkeiten aussehen, zu deren Schlichtung sie gebeten wird. Der Ton sei über die Jahre hinweg rauer geworden – nicht nur der zwischen den streitenden Parteien, sondern auch ihr gegenüber. „Beleidigungen sind gar nicht mal so selten.“

Meistens streiten Nachbarn

Doch davon lässt sich Elisabeth Schmeddinghoff nicht beirren und macht einfach ihren Job, den sie eben trotz allem oder gerade deswegen sehr gerne macht. „Es sind zehn spannende Jahre gewesen“, sagt die Schapdettenerin, die bei ihrem Ehrenamt vor allem das gute Gefühl mag, wenn die betroffenen Parteien zu einem Vergleich kommen. So eine Streitschlichtung, bei der es oft um nachbarschaftliche Dinge geht – bei Straftaten oder Familiensachen wie Ehestreitigkeiten dürfen Schiedsleute nicht eingeschaltet werden – kann auch mal richtig lange dauern. Aktuell betreut Schmeddinghoff einen Fall, der sich bereits über zwei Jahre hinzieht, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Schiedsfrau Elisabeth Schmeddinghoff

Und oft merkt sie bereits schon beim ersten Treffen, ob eine Schlichtung zum gewünschten Erfolg führt oder eher nicht. So mancher Fall endet dann doch vor dem Gericht, weil sich die Streithähne nicht einigen können. Dabei sind die Schiedsleute eigentlich dafür da, einen außergerichtlichen Vergleich zu erzielen, um die Gerichte zu entlasten.

Um zu einer für die beteiligten Parteien gütlichen Lösung zu kommen, setzt Elisabeth Schmeddinghoff, neben ihrer jahrelangen Erfahrung, auch ihre große Empathie und ihre Menschenkenntnisse ein: „Ich bin dabei immer Moderatorin. Ich bin nicht dafür da, Entscheidungen auf der Sachebene zu treffen.“

Und eines hat sich der Schiedsfrau über die zehn Jahre hinweg besonders eingeprägt, heißt es abschließend: Der Streit, zu dessen Schlichtung sie gebeten wird, ist sehr oft nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: „Die Ursachen, die dafür verantwortlich sind, gehen viel tiefer und liegen zum Teil schon Jahrzehnte zurück.“

Startseite